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Krankenhaus: Keine Zeit für Menschlichkeit

Seit nun 12 Wochen sind die Beschäftigten der Unikliniken in NRW im Streik, sie streiken für einen Tarifvertrag Entlastung, der dafür sorgen würde, dass es endlich genug Personal gibt damit sich gut um die Menschen im Krankenhaus gekümmert werden kann und sich die Beschäftigten nicht kaputt arbeiten müssen.

Wie schlimm die Zustände sind verdeutlichen die anonymen Berichte, die auf Schwarzbuch-Krankenhaus veröffentlicht werden, wir dokumentieren einen:

Die Notaufnahme ist mal wieder voll. Wir, das Pflegepersonal sind dauerhaft im Ausnahmezustand.

Niemand von uns macht Pause, manche von uns schaffen es nicht mal auf die Toilette zu gehen oder zu trinken. Letzteres hilft sogar, um das zur Toilette gehen müssen zu verhindern. Aber gut für die eigene Gesundheit ist es nicht.

Ich versorge in der überfüllten Notaufnahme eine Patientin unter vielen. Dabei priorisiere ich ständig, wie dringlich eine Aufgabe ist. Die Patientin hat einen Oberschenkelhalsbruch. Ansonsten sind ihr Kreislauf und ihr gesundheitlicher Zustand stabil. Sie liegt auf der Trage im Flur und wartet auf ihre Operation. Sie ist für die Operation nüchtern, hat seit Stunden nichts gegessen.

Vor 30 Minuten hatte sie mich und meine Kolleginnen nach Schmerzmitteln gefragt. Keiner hatte Zeit.

Nach 1 ½ Stunden fragt sie unter Tränen erneut. Keiner hat Zeit.

Nach 2 Stunden bekommt sie endlich Schmerzmittel, jetzt muss sie jedoch auf Toilette. Aber natürlich kann sie aufgrund des Oberschenkelhalsbruchs nicht allein auf die Toilette gehen.

Die Notaufnahme platzt aus allen Nähten. Viele der Patient:innen sind kritisch und brauchen all unsere Aufmerksamkeit. Niemand aus dem Pflegeteam hat Zeit und Kapazitäten, um die Patientin beim Toilettengang zu begleiten.

Keiner hat Zeit!

Nach drei Stunden hat die Patientin in die Hose gemacht. Sie fleht um Hilfe. Keiner hat Zeit.

Nach vier Stunden, 1 Stunde davon im eigenen Urin liegend, muss die Patientin Stuhlgang machen. Zudem hat sie wieder Schmerzen.

Auch nach vier Stunden ist die Situation in der Notaufnahme immer noch maximal angespannt. Das Pflegeteam rotiert.

Für eine Patientin unter Schmerzen und im eigenen Urin liegend gibt’s keine Kapazität.

Keiner hat Zeit!

Mittlerweile ist die Patientin in Tränen ausgebrochen. Sie liegt weiterhin in ihrem eigenen Urin und Stuhl. Sie liegt auf dem Flur, hat Schmerzen und fleht um Hilfe. Es liegt nicht an uns. Wir würden ihr ja gerne helfen. Aber andere Patient:innen brauchen weiterhin unsere gesamte Kraft und Aufmerksamkeit, denn ihre Zustände sind kritischer.

Keiner hat Zeit!

Nach fünf Stunden wird die Patientin in ihrem eigenen Urin und Stuhlgang liegend in den Operations- Bereich gefahren.

Wie würdelos kann Krankenhaus bitte sein!

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