Katar fordert Sicherheitspakt für den Nahen Osten nach Vorbild der EU

26. Februar 2018 - 15:56 | | Politik | 0 Kommentare

Title image by Lubaib Gazir, Flickr, licensed under CC BY-NC 2.0.

Zur Überwindung von Feindschaften und dem Aufbau von Kooperation in der Region fordert Katar den Aufbau einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur für den Nahen Osten. „Wir können die Anstrengungen der Europäischen Union widerspiegeln, ihre Fähigkeit, für den Wiederaufbau und den Wohlstand eine gemeinsame Basis zu finden“, erklärt der Emir des Landes.


Um die Region vom Abgrund zurückzuholen, sollten die Staaten im Nahen und Mittleren Osten ihre Differenzen hinter sich lassen und einen Sicherheitspakt nach dem Vorbild der Europäischen Union schmieden, forderte Katars Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani am vergangenen Freitag.

Zur Erreichung dieses Ziels forderte der Emir die internationale Gemeinschaft auf, den diplomatischen Druck auf die betroffenen Länder aufrechtzuerhalten, nannte allerdings nur wenige weiterführende Einzelheiten.

Zur Überwindung von Feindschaften fordert Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani einen EU-ähnlichen Sicherheitspakt für den Nahen Osten. Hier bei einem Treffen mit Russlands Präsidenten Putin im Kreml im Januar 2016. By kremlin.ru, licensed under CC BY 4.0.

„Ich glaube, es ist Zeit für eine großangelegte regionale Sicherheitsinitiative im Nahen Osten. Es ist an der Zeit, dass alle Nationen der Region, einschließlich uns, die Vergangenheit hinter sich lassen und sich auf fundamentale Sicherheitsgrundsätze, entsprechende Regelwerke und ein Mindestmaß an Sicherheit einigen, um so Frieden und Wohlstand zu ermöglichen“, sagte Scheich Tamim auf der Sicherheitskonferenz in München.

„Das sollte kein bloßes Luftschloss sein. Zu viel ist in Gefahr. Der Nahe Osten steht am Abgrund. Es ist Zeit, ihn zurückzuholen.“

Katar wurde in den vergangenen sieben Monaten isoliert, da der winzige, aber reiche arabische Golfstaat von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Bahrain und Ägypten wegen Vorwürfen, es unterstütze den Terrorismus und den regionalen Rivalen Iran – was Doha abstreitet – mit Handels- und Reisesanktionen belegt wurde.

Bemühungen der USA und Kuwaits, das Zerwürfnis beizulegen, zeitigten bislang keine Ergebnisse.

Sheikh Tamim verwies neben der Krise am Golf auch auf gewaltsame Konflikte in Syrien, im Jemen und in Libyen, die eine humanitäre Katastrophe ausgelöst haben und eine der größten Flüchtlingskrisen aller Zeiten hervorriefen, in dessen Verlauf sich in den letzten Jahren über eine Million Menschen auf den Weg nach Europa machten.

„Wir können die Anstrengungen der Europäischen Union widerspiegeln, ihre Fähigkeit, für den Wiederaufbau und den Wohlstand eine gemeinsame Basis zu finden“, fügte er hinzu. „Um von Feindschaften zur Kooperation überzugehen, müssen wir alle Verantwortung übernehmen.“


Dieser Artikel erschien zuerst auf Middle East Eye und wurde von Jakob Reimann für Die Freiheitsliebe übersetzt.

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Middle East Eye ist ein 2014 in London gegründetes Online-Newsportal, das auf Englisch und Französisch über sämtliche Themen rund um den Nahen und Mittleren Osten berichtet. Es ist unabhängig finanziert und keiner Regierung oder Bewegung angegliedert. MEE verfügt über ein großes Netzwerk an Aktivisten und Reportern vor Ort und bietet daher authentische Einblicke in die Konflikte der Region. Neben Al Jazeera und The New Arab ist MEE Teil des jüngsten Soft-Power-Kriegs im Zuge der Katar-Krise. Die Internetpräsenz des Portals ist daher in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Saudi-Arabien geblockt. Seit Juli 2017 pflegt Die Freiheitsliebe eine Kooperation mit Middle East Eye.