Alan Kurdis Tod – Europas Versagen

Der 02. September symbolisiert wie kein anderer Tag die antihumanitäre Entwicklung Europas. Denn heute vor fünf Jahren wurde die Leiche von Alan Kurdi an die türkische Küste gespült. Das Boot, mit dem Alan und seine Familie flohen, kenterte auf dem Weg aus der Türkei nach Kos. Alans vierjähriger Bruder Ghalib und seine Mutter Rehanna starben, nur sein Vater Abdullah überlebte.

Das Schicksal Alans schockierte die ganze Welt, doch seit dem hat sich nichts verbessert. Es gibt immer noch keine legalen Fluchtwege und so teilen Monat für Monat Dutzende Menschen Alans Schicksal, ohne dass die Welt Notiz davon nimmt. Einzig Seenotrettungsschiffen ist es zu verdanken, dass es nicht noch mehr sind, die auf dem Weg nach Europa sterben. Doch anstatt diese Heldinnen und Helden für ihre Erfolge zu loben, den Einsatz für Menschenleben als Grundsatz menschlichen Handelns anzuerkennen, werden die Retterinnen und Retter kriminalisiert, weil sie mit ihrem Einsatz angeblich Schleppern helfen und sie ermutigen würden, so die Taktik von rechts.

Eine Taktik, die sich auch immer stärker in der EU und ihren Mitgliedsstaaten durchsetzt. Deutlich wird dies am Beispiel von Sarah Mardini, die vor fünf Jahren noch als Heldin gefeiert wurde, weil sie mit ihrer Schwester ein Boot bis nach Griechenland zog und dadurch 18 Menschen gerettet wurden. Dafür wurden beide mit dem Bambi in der Kategorie „stille Helden“ geehrt. Nur drei Jahre später stand sie für die Rettung weiterer Geflüchteter vor Gericht.

Die Seenotretterin Carola Rackete verdeutlichte, warum Europa Schuld ist an dieser Entwicklung:

Alle EU-Bürgerinnen und -Bürger sollen wissen: Die Menschen, die im Mittelmeer ertrinken – mindestens 96 Tote innerhalb dieses Monats – sind nicht die Opfer eines unerwarteten Unfalls oder einer Naturkatastrophe. Sie ertrinken, weil die Europäische Union es so will. Um diejenigen abzuschrecken, die ebenfalls die gefährliche Route über das Mittelmeer wagen könnten. Sie ertrinken, weil Europa ihnen den Zugang zu sicheren Routen verweigert und ihnen keine andere Möglichkeit lässt, als ihr Leben auf See zu riskieren. Und niemand würde ein solches Boot besteigen, wenn es an Land sicherer wäre!

Heute am fünften Jahrestag des Todes von Alan Kurdi kann niemand mehr sagen, er wüsste nicht, was im Mittelmeer geschieht. Daher müssen wir uns entscheiden, ob wir es zulassen wollen, dass auf dem Mittelmeer immer mehr Menschen sterben und diejenigen kriminalisiert werden, die sie retten, oder ob wir endlich durchsetzen, dass Flucht und Leben retten kein Verbrechen ist, sondern dass die bewusste Inkaufnahme von Toten als Verbrechen anerkannt wird.

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