Rossana Rossanda: Einmischung

19. April 2018 - 15:50 | | Kultur | 2 Kommentare

Manchmal so kommt es mir vor haben wir uns mit dem abgefunden was um uns geschieht. Wir schauen ins Flachbild nur um versuchen dort etwas zu sehen was wir nie haben werden, geifern Billboards nach die für uns mindestens so weit entfernt sind wie der Südpol und dazu nicht minder kalt und emotionslos sind. Und vor allem rennen wir ideellen Karotten hinterher die uns in ihre wohlig warmen Gewand einlullen. Wir haben nicht aufgehört uns zu empören aber wir haben vergessen wie wir uns einmischen. Und was noch schlimmer ist wir haben es verlernt uns gemeinsam einzumischen in Angelegenheiten die uns angehen! Ein Schritt in diese Richtung versucht Rossanda mit ihrem Buch „Einmischung / Gespräche mit Frauen über ihr Verhältnis zu Politik, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Demokratie, Faschismus, Widerstand, Staat, Partei, Revolution, Feminismus“

Rossanda, ihrer Zeit Mitgründerin des Manifesto, Funktionärin und Aktivistin, schreibt über ihre Radiosendung im RadioTre. Jetzt könnte man einwenden was den so besonders an einer Radiosendung wäre. Ja nichts anderes als die ehrlichste, aufgeregte und zugleich aufregende Auseinandersetzung mit dem Feminismus! Rossanda macht einen Komplettabriss der Feministischen Bewegung und baut sie ganz neu wieder auf. Sie spricht über alle politischen Fragen der Frau, rechnet mit der Hochnäsigkeit und Verbohrtheit ihrer Genossen ab und schont kein Haar am abgehobenen Habitus und der Zerstreutheit ihrer Genoss*innen. Viele der Diskussionen die nun in feministischen Kreisen geführt werden hatte sie bereits vorgegriffen und viele der Fragen beantworten können. Auf unvorstellbar geniale Weise bricht sie Probleme herunter und ist um ein authentisches Argument nie verlegen! Und sie verleiht Mut, Mut sich wieder einmischen zu können. Gemeinsam als Kollektiv und jede*r mit und für sich!

Wenn es jemanden gibt die mit Simone de Beauvior im selben Atemzug genannt werden kann und dessen Werk dem „Zweiten Geschlecht“ in nichts nachsteht und wenn dann gerade eine notwendige Ergänzung bietet, dann ist es Rossandas „Einmischung“!

Über den Autor

Julius ist Publizist und Blogger mit dem Schwerpunkt auf Literatur und Literaturkritik. Seit Jahren engagiert er sich in Politik und Bewegung.

2 Kommentare

  • 1
    günter says:

    auch ich hielt rossana rossanda immer für eine tolle frau, auch wenn die von ihr gegründete tageszeitung il manifesto heutzutage eher linkszentristisch/eurokommunistisch zu sein scheint. auch R.R. verliert seit „Verabredungen zum jahrhundertende“ an rev. schärfe; für ihr wichtigstes buch halte ich deswegen nach wie vor „die Dialektik von Kontinuität und bruch“ von 1969. oder den wenige jahre später erschienenen Sammelband zu einem 3 tägigen kongreß von il manifesto zum „realen Sozialismus“: „Zurückforderung der Zukunft“. das oben erwähnte Einmischung von 1979 (wohl alle nur noch antiquarisch erhältlich) fand um 1990 herum eine Fortsetzung in dem bändchen „auch für mich“ . nun auch schon wieder ein paar jahre her ist ihr erinnerungsband „tochter des 20. Jahrhunderts“ wo sie nochmal ihre zeit in der PCI Revue passieren ließ. seitdem warte ich auf einen fortsetzungsband, wo sie -hoffentlich noch vor ihrem Tode- beschreibt wie es nach 1968 weiterging mit der Gründung von il manifesto, der pdup, dem gescheiterten zusammengehen der rev. linken in italien usw.- happy birthday zum 94., R.R.! (am 24.4.).-

    schade daß deine Artikel immer so kurz sind, daß sie immer einer Ergänzung bedürfen!