Ein Planet voller Kontraste

29. August 2016 - 21:53 | | Kultur,Politik | 2 Kommentare
Yann Arthus-Bertrand im Einsatz für den Planeten Erde. Foto: MEDEF, CC BY-SA 2.0, Yann Arthus-Bertrand, via flickr.com

Der Planet Erde – wunderschön, und doch so verletzlich, manchmal unberührt, manchmal so, dass es einem die Sprache verschlägt ob des menschlichen Eingriffs in Natur und Umwelt. Der französische Dokumentarfilmer und Umweltaktivist Yann Arthus-Bertrand erzählt in der 90-minütigen Dokumentation „Faszination Erde – Der Blick von oben“ bildgewaltig von der unermesslichen Schönheit der Erde, gleichzeitig kritisiert er schonungslos, für welche ungeheuerlichen Verwerfungen in Umwelt und Gesellschaft die Menschheit verantwortlich ist. Über 50 Länder hatte Arthus-Bertrand 2009 dafür mit einem Helikopter überflogen. Sieben Jahre später scheinen die Probleme wie Umweltzerstörung, Klimawandel, sowie Kriege und soziale Ungerechtigkeit noch dringender als je zuvor.

Jeder kennt die Bilder von verschmutzten Flüssen, abgeschmolzenen Polkappen, und übervölkerten Städten, dennoch fällt dem Menschen erschreckend wenig ein, wenn es darum geht, die Erde als Lebensgrundlage aller zu retten. Noch immer stehen Konsum und Profitmaximierung über dem Erhalt der Umwelt und einer sozialgerechten und nachhaltigen Verwendung der Ressourcen. Die Auswirkungen des derzeitigen Lebenswandels auf Mensch und Umwelt sind überdeutlich, Arthus-Bertrands eindrucksvolle Bilder schreien wortwörtlich zum Himmel. Nur einige Beispiele, die zeigen sollen, wie sehenswert diese Dokumentation ist, die ohne filmische Animationen auskommt und die Zuschauer trotzdem sprachlos zurücklassen wird:

  • in rasantem Tempo entstand mitten in der Wüste auf der Arabischen Halbinsel ein Meer aus Häusern und künstlich angelegten Inseln, zu Belustigung der Superreichen, auf Kosten seiner entrechteten Arbeitssklaven aus Afrika und Asien. Dafür steht unter anderem das Emirat Dubai, ein absurdes Symbol für Größenwahn und autoritär-absolutistischer Herrschaft
  • die wohl beeindruckendsten Wasserfälle der Welt, die Iguazu-Fälle im Grenzgebiet zwischen Brasilien, Argentinien, und Paraguay locken jährlich Millionen von Menschen an und sind deshalb UNESCO-Weltkulturerbe. Dennoch dürfen (Luxus-) Hotels ihre Abwässer in das empfindliche Flusssystem leiten und richten so immensen Schaden an…
  • kein anderes Land Afrikas ist so reich an Erdöl wie Nigeria. Genauso hat das Land proportional die niedrigste Rate an Lehrer*Innen, die sozialen Unterschiede sind gravierend, Gewalt durch Terrorgruppen wie Boko Haram an der Tagesordnung. Wieder einmal ist Ressourcenreichtum eher Fluch als Segen und das 150-Millionen-Land wächst und wächst…

Bei seiner Weltreise nimmt Arthus-Bertrand kein Blatt vor dem Mund, lässt oftmals einfach Bilder sprechen, die die menschliche Inkompetenz zur friedlichen und nachhaltigen Lösung von Problemen offenbaren, so zum Beispiel beim Anblick der Jerusalemer Altstadt und den Grenzmauern zwischen Israel und den Besetzten Gebieten im Westjordanland. Umweltzerstörung, Klimawandel, auch Kriege und Hunger sind letztendlich menschengemachte Probleme, keine Automatismen der Natur. Dennoch lehrt der Film auch von der Schönheit dieses Planeten und positiven Beispielen, die den Menschen Mut machen: Die Produktion von Solar-, Wasser-, und Windenergie als regenerativer Energiequellen nimmt zu und kann die konventionellen, schmutzigen aus Kohle und Atomkraft ersetzen. Oder: das kleine mittelamerikanische Costa Rica setzt seit Jahren auf Ökotourismus und generiert so Milliarden an Geldern aus Tourismus, die wiederum in den Umweltschutz und die Bildung der Costa Ricaner*Innen investiert werden können. Eine Armee besitzt das Land ohnehin nicht, so fließt auch nichts in Rüstung.

Das Video zum Film ist unter dem folgenden Link zu erreichen:

Über den Autor

Politikwissenschaftler // Institute for Security and Development Policy Stockholm, Schweden & Aalborg University, Aalborg, Dänemark // Themenschwerpunkte: Türkei, Kurdengebiete, Europa, Lateinamerika

2 Kommentare

  • 1
    badspiegel says:

    Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen.

    Gruß Anna

    • 1.1
      Martin Dudenhöffer says:

      Liebe Anna,

      vielen Dank für Ihr Lob, freut einen Autor natürlich sehr. Wenn es von der Leserschaft gewünscht wird, werden wir sicher gerne mehr über Dokumentationen und Filme informieren, die von Interesse sein könnten. Diese Dokumentation lohnt allemal, aber auch viele andere Artikel hier sind bestimmt sehr lesenswert 🙂

      Viele Grüße,
      Martín