Je suis Charlie?! Mi smo RTS?

30. April 2015 - 10:02 | | Balkan21 | 3 Kommentare

Anfang des Jahres kam es zu einem Aufschrei in der Welt, als einige Islamisten das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo angriffen. Danach kam es zu einer Welle der Solidarität mit den Opfern des Anschlags – 16 Jahre zuvor griff die NATO zweimal die Fernsehredaktion des öffentlich-rechtlichen Senders Radio-Television Serbiens an und tötete 16 Menschen. Damals gab es keinen Aufschrei, keine Millionen Menschen auf die Straße.

Am 29. April 1999 griffen NATO-Bomber den Belgrader Fernsehturm Avala an. Es war bis dahin das höchste, in einem kriegerischen Akt zerstörte Gebäude der Welt. Die NATO hatte sich zum Ziel gesetzt, den serbischen „Staatsrundfunk“ im völkerrechtswidrigen Kosovokrieg auszuschalten. Dass der Fernsehturm nur zu zivilen Zwecken genutzt wurde, spielte keine Rolle.

Das eigentliche Kriegsverbrechen ereignete sich sechs Tage zuvor, als in den frühen Morgenstunden des 23. Aprils NATO Bomben auf den Hauptsitz der Studios der serbischen Radio- und Fernsehgesellschaft im Zentrum Belgrads vielen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten mehr als 120 Menschen in den Studios, allesamt Zivilisten. Mindestens 16 Menschen kamen bei den Angriffen ums Leben, mehr als 16 wurden schwer verletzt. Die NATO begründete den Einsatz damals damit, dass man den Propagandaapparat Slobodan Miloševićs zerstören müsse und das dieser nie ein ziviles Ziel sein könne. 16 Journalisten und Techniker starben.

Hier könnt ihr einen Kommentar des Bayrischen Rundfunks anhören, inklusive Augenzeugenberichte. Dragan Žuković war damals einer der schwerverletzen. „Wenn man Medienfreiheit zulässt, dann mus man das konsequent bis zum Ende tun. Wir wissen die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Wenn sie von CNN und RTS oder von ARD und RTS präsentiert wird, dann liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.“ Dragan lag damals vefrschüttet unter einer Monitorwand, was ihm am Ende das Leben rettet, denn Schrappnelle flogen so über ihn hinweg.

Einige FriedensaktivistInnen bezeichnen die Angriffe auf den Fernseh- und Radiosender als ersten Terrorangriff auf eine Medieneinrichtung in der neueren Geschichte. Doch damals blieb der Aufschrei der Menschen, der Medien klein. Nur wenige, wie die taz, junge Welt oder die Le Monde de Diplomatique,  berichteten kritisch über das Vorgehen der NATO, nur wenige über die zivilen Opfer.

Zugute halten muss man, dass nach Angaben der AG Friedensforschung, weder Frankreich noch Großbritannien diesen Angriff mittragen wollten, ganz im Gegensatz zur Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten.

#Doppelmoral & PEN Preisverleihung

Zurecht kam es bei Charlie zu einem Aufschrei?! Doch wo bleibt der Aufschrei, wenn es um andere Medien geht? War das „Je suis Charlie“ doch anders motiviert, als aus reiner Nächstenliebe? Wir sahen die Solidarität ganze Regierungen mit einer Zeitschrift, die die meisten von ihnen wahrscheinlich nie gelesen haben. Wie weggeblasen war die Kritik an ihrem Inhalt. Nun weigern sich die sechs Autoren Peter Carey, Michael Ondaatje, Francine Prose, Teju Cole, Rachel Kushner und Taiye Selasi an der PEN-Club Verleihung für Charlie Hebdo teilzunehmen. Sie kritisieren allesamt die Inhalte des Magazins, auch vor dem Anschlag. Der PEN-Club bestätige mit seiner Verleihung nur die kulturelle Arroganz Frankreichs gegenüber der muslimischen Minderheit im Land, so Peter Carey. Deborah Eisenberg erklärte gegenüber dem Onlinemagazin Intercept: „Die muslimische Bevölkerung in Frankreich, die marginalisiert und verarmt sei, sähe in Charlie Hebdos Mohammed-Karikaturen einen Versuch, sie noch mehr zu beleidigen und ihnen Leid zuzufügen. Wird der Mut einer Meinungsäußerung bloß an ihrem Beleidigungsgrad gemessen?“

Die Frage ist und bleibt, wo Endet die Meinungsfreiheit und wo beginnt die Beleidigung. Wo sollten wir solidarisch sein und wo nicht? Für die NATO-Länder ist es einfach: Dort wo man selbst betroffen ist, will man Mitgefühl. Wo man selbst die Bomben wirft, nicht.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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3 Kommentare

  • 1
    Meh sagt:

    Blödsinniger Vergleich zwischen Krieg und Terroranschlag, die mehr als 15 Jahre auseinander liegen, ideologisch und vorallem völkerrechtlich komplett anders zu bewerten sind!

    Ich schrieb es schon einmal, und ich schreibe es wieder:
    Recherche ist nicht euer Ding bei euch angeblich „Freiheiheitsliebenden“, oder?
    Ihr liebt jeden Schwachsinn, der eurer Propaganda nutzt.

  • 2
    RN sagt:

    Zitat von Määäh sagt:

    Blödsinniger Vergleich zwischen Krieg und Terroranschlag, die mehr als 15 Jahre auseinander liegen, ideologisch und vorallem völkerrechtlich komplett anders zu bewerten sind!

    Seit zig Jahren bis heute überzieht das Imperium aus Übersee die Welt mit Terror und Krieg.
    Kein Vergleich? Der Unterschied?
    Diese Verbrechen werden dank der sog. westlichen „Medienfreiheit“ dann doch lieber nicht Terror genannt.

    Da kann ich nur sagen:
    Das Lesen der Qual-Medien einschließlich des ÖR schadet vor allem der geistigen Gesundheit.

    • 2.1
      Heidi Preiss sagt:

      Das ist die Doppelmoral des Westens. Wo blieb u.a. die Solidarität mit Gaza, mit der syrischen Bevölkerung und vielen anderen mehr. Das „Theaterspiel“ dieser sog. Eliten ist mittlerweile unerträglich geworden. Ich will und kann auch nicht verstehen, wie man sich so äußern kann wie Meh.

      Aber wie sagte Priol: Die Mutter der Dummen ist immer schwanger.