Wer braucht schon Städte?

21. Mai 2015 - 21:08 | | Politik | 5 Kommentare
Solingen, überall leere Ladenlokale Foto: Daniel Kerekeš

Immer mehr deutsche Städte sind vom Sterben der Einkaufsstraßen betroffen: In Herten zeigte sich der extremste Fall. In der kleinen Stadt wurde durch den Bau zweier Einkaufszentren fast der gesamte Einzelhandel und die Cafes der Innenstadt in den Ruin getrieben. Wir waren in Solingen, um uns das Sterben einer Innenstadt vor Ort anzuschauen.

Solingen ist eine mittelgroße Stadt bei Düsseldorf und Köln. Mit 160.000 EinwohnerInnen steht sie im Schatten der Nachbarstädte. Dies hielt den Rat sowie den Oberbürgermeister der Stadt nicht davon ab, nach einer offenen Einkaufsgalerie auch noch die Shopping Mall Hofgarten zu bauen. Die Folge: Dutzende leerstehende Ladenlokale in der Innenstadt und eine fast leere Clemens Galerie. Natürlich hat die Stadt „sofort“ reagiert und die Innenstadt auf Vordermann gebracht.  Auch etliche Renovierungen und mehrere Tonnen Beton und Steine, haben in der Innenstadt keinen positiven Effekt erzielt.

Wir haben in einem kurzen Video das wichtigste Rund um das Sterben der deutschen Innenstädte zusammengefasst. Dich die Frage die offen bleibt ist, was sollen wir dagegen tun? Eigentlich können nur demokratische Prozesse, Nachbarschaftsräte, Initiativen und Bündnisse für ein Recht auf Stadt helfen. Die Planung von Städten, aber auch der Ausbau und Erhalt, muss maßgeblich von den Ideen und Wünschen der BewohnerInnen der Viertel gestaltet werden. Undemokratische Prozesse der Stadtgestaltung, wie sie in Deutschland üblich sind, führen nur zu Leerstand und eine unbefriedigenden Situation.

Hamburg & Berlin als Vorbild

In Hamburg und Berlin haben sich seit Jahrzehnten immer wieder Bündnisse gegen den Ausverkauf oder Umbau von Stadtteilen gegründet. Aktuell ist das Bündnis „Mietenvolksentscheid Berlin“ aktiv, dass nicht nur eine absolute Mietpreisbremse und gestaffelte Mieten nach Einkommen einführen will, sondern auch die Mitbestimmung der Kiez-EinwohnerInnen drastisch erhöhen möchte.

Für Solingen muss die Notbremse gezogen werden

Für Solingen muss in jedem Fall die Notbremse gezogen werden. Durch die direkte Konkurrenz zu den Nachbarstädten Köln und Düsseldorf, wird die Stadt sich nie im Einkaufsangebot mit ihnen messen können. Das muss es aber auch nicht, vielmehr sollte die Stadt die Chance ergreifen und die Menschen ihre Stadt gestalten lassen. Dies wäre auch eine gute Möglichkeit, eine linke Antwort auf Fehlplanungen der Stadt zu formulieren.

*Der Autor Daniel Kerekeš ist in der Stadt Solingen aufgewachsen und kennt die Situation vor Ort sehr gut.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
Ihr findet mich auf: Twitter Facebook

5 Kommentare

  • 1
    Meh sagt:

    Hamburg und Berlin sind nunmal Großstädte. Da sieht es anders aus, als in der gewöhlichen Mittelstadt.
    Ich komme aus einer solchen und die Innenstadt verödete sowieso seit Jahren.
    Und ihr wollt mit “ demokratische Prozesse, Nachbarschaftsräte, Initiativen und Bündnisse für ein Recht auf Stadt helfen“?
    Das sind nichtssagende Floskeln von verzweifelten linken Spinnern.

    • 1.1
      Lalala sagt:

      … und was Sie schreiben ist ein nichtssagender Kommentar eines verzweifelten Linken-Hassers. 🙂
      Als würde sich etwas zum besseren ändern, wenn man einfach die Füße still hält und diejenigen einen Ausweg suchen lässt, die auch bisher in der Richtung nichts zustande gebracht haben. Sie sind lustig.

  • 2
    jenny sagt:

    notfalls aus den ladenlokalen in der Innenstadt Wohnraum machen, hab auch schon mal gesehen, dass jemand aus einer alten 1960er Jahre Tankstelle eine Wohnung gemacht hat — den runden Glasbau vorne nutzt derjenige als Wintergarten mit integriertem Hausflur

    man kann das nicht aufhalten. Zum Einen bedroht das Internet wie Amazon den stationären Handel, zum Anderen eben die Läden der Grünen Wiese und Gallerien. Hier bei uns werden Schrebergärten und Grünflächen in der Stadt Möbel kraft geopfert, weil diese als Konkurrent zu IKEA direkt in deren Nachbarschaft unbedingt auftreten wollten, sonst drohten sie, auf die Grüne Wiese der Nachbarstadt zu gehen. Also macht man Grünflächen platt, nur um ein weiteres Möbelhaus neben ein bereits vorhandenes zu setzen. Man kauft aber nur einmal Möbel, Mehrkunden hat man so sicherlich nicht.

    und Berufe wie Kassierer werden die nächsten Jahre aussterben, da die Automatisieurung immer mehr voranschreitet und dannn wird nachher mit einem mobilen Scanner direkt am Einkaufswagenn gescant und bezahlt mit Handy.

  • 3
    ich sagt:

    Das ist nicht nur in dort so ,in kleineren Städten ist es noch schlimmer.Dort stirbt das ganze Innenstadt leben aus.Wen kümmerts ? Die Herren Bürgermeister nicht,die haben mit ganz anderen Problemen zu tun,Ich sage nur Asylantenheime.Das Städteleben ist nicht nötig es gibt eh fast kaum noch jemanden so wie früher ,Bäcker ,Schuster,Schneider,Fleischer.Das Handwerk stirbt aus und das ist so gewollt die Herren von oben machen das schon.Die wenigsten Leute denken darüber nach es interessiert keinen und das finde ich sehr traurig.

  • 4
    Cource sagt:

    Das ist ein Schlag ins Gesicht für den gesamten Berufsstand der Raum-, Stadt- und Wirtschaftsplaner, dieser Berufsstand sollte geschlossen zurücktreten und damit seine Alibifunktion anprangern