Waffen auf dem Vormarsch

4. November 2017 - 21:57 | | Politik | 0 Kommentare
Wenn Regierungen Krieg spielen. Foto: Jim, licensed under CC BY 2.0, war!02, via flickr.com

Was wäre, wenn es keine gewaltsamen Konflikte und imperialistische Bestrebungen gäbe, sondern ein friedliches Miteinander der Staaten und Nationen? So eine Welt ist angesichts der weltweit wütenden Kriege und Konflikte nicht vorstellbar, auch weil ein Geschäft, das maßgeblich an der globalen Gewalt- und Unterdrückungspirale beteiligt ist und verdient, jedes Jahr wächst. Trotz grassierender Armut, Hungersnöten, Kriegen, sozialer Ungleichheit auch in industrialisierten Ländern, und Klima- und Umweltzerstörung, der Handel mit Waffen und Rüstungsgütern blüht. Nummer eins der Exporteure ist die USA, Nummer eins der Importeure, Saudi-Arabien. Doch auch andere Länder, die in politischen, wirtschaftlichen, und sozialen Schwierigkeiten stecken, rüsten munter auf.

Die Schule der Realisten, die einen eher pessimistischen und machtzentrierten Blick auf die internationale Politik auszeichnet, würden sich bestätigt fühlen. Regierungen rüsten immer weiter auf, um ihre Machtbasis zu halten oder sie gar auszubauen und damit den eigenen nationalen Interessen gerecht zu werden. So ist über den ganzen Globus verteilt ein engmaschiges Netz entstanden, dass die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Machtblöcke sicherstellt.

Während die USA – die größte Militär- und Wirtschaftsmacht der Welt – im multipolaren internationalen Machtgefüge ihre Staatsideologie free trade, also Freihandel, mit Waffengewalt und großflächiger Militärpräsenz verteidigt, müssen andere Staaten erstmal ihren Status als Regionalmachten behaupten, darunter die folgenden aufrüstungswütigen Länder:

  • Indien: Platz 2 der Rüstungsimporteure, umgeben von Militärmächten wie dem nuklear bewaffneten Erzfeind Pakistan und China, bald bevölkerungsreichstes Land der Welt mit verheerenden innerstaatlichen sozialen Konflikten
  • Iran: Im Kampf gegen die sunnitischen Monarchien wie Saudi-Arabien, dem westlichen Bündnis aus USA und Europa und einzelnen islamistischen Milizen, die den stärker werdenden schiitischen Gottesstaat bedrohen
  • Ägypten: einst die arabische Regionalmacht, noch heute mit geostrategischer Schlüsselposition am Nadelöhr (Suezkanal) zwischen Arabischer Halbinsel, Afrika und Europa und daher enger Verbündeter des Westens
  • Türkei: Das NATO-Land verstößt gegen jedes demokratische Prinzip, innen- und außenpolitisch schwere Menschenrechtsverletzungen, trotzdem unabdingbarer politischer, wirtschaftlicher und militärischer Partner des Westens und dadurch hochgerüstet
  • Koreanische Halbinsel: Während Südkorea die pro-westlich-ausgerichtete Regionalmacht in Ostasien darstellt, wird der Erzfeind Nordkorea vor allem durch China protegiert. Resultat: ein nuklear aufgeladener Konflikt zwischen zwei feindlich gesinnten Blöcken

Während Atomwaffen den größten Abschreckungseffekt haben, richten die kleinen Handfeuerwaffen den größten zivilen Schaden an. 90% aller Opfer, die meisten von ihnen Zivilisten, werden mit diesen Schusswaffen getötet. Größte Profiteure sind Rüstungsfirmen und -konzerne aus den USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die „legal“ und illegal Waffen in Kriegsgebiete liefern oder – zunehmend – Lizenzen zum Waffenbau an die oft autoritär und gewaltsam agierenden Regimes ausstellen. Wo ungelöste interstaatliche Konflikte, bewaffnete Milizen, oder Terrororganisationen das regierende politische Establishment bedrohen, wird besonders viel aufgerüstet und das meistens trotz gravierender Menschenrechtsverletzungen, bad governance und Korruption. Artes beliebtes geopolitisches Magazin „Mit Offenen Karten“ schlüsselt in einem kurzen Film die aktuellen Entwicklungen im so prosperierenden internationalen Rüstungsgeschäft. Über den folgenden Link ist die aktuelle Sendung verfügbar: https://www.arte.tv/de/videos/067846-026-A/mit-offenen-karten/

Über den Autor

Politikwissenschaftler // Internationale Politik // Schwerpunkte: Türkei, Kurdistan, Europa und die Europäische Union