Bild von Michael Wedermann auf Pixabay

Olympia: Geld über Leben

Trotz hoher Corona-Gefahr beginnt heute die Olympiade in Tokio. Einmal mehr sind Profite wichtiger als die Gesundheit der Menschen.

Yuka Miyamoto ist ausgestiegen. Seit die Olympischen Sommerspiele vor acht Jahren nach Tokio vergeben wurden, wollte sie als freiwillige Helferin dabei sein, doch jetzt nicht mehr. „Ich denke, dass die Olympischen Spiele nicht stattfinden sollten“, meint Miyamoto und damit ist sie nicht allein.

Von den ursprünglich 110.000 unbezahlten Helferinnen und Helfern, ohne die die Olympische Spiele niemals stattfinden könnten, wurde erst allen 30.000 Ausländerinnen und Ausländern abgesagt und mittlerweile haben weitere 10.000 Japanerinnen und Japaner zurückgezogen, überwiegend wegen der Corona-Pandemie.

80 Prozent gegen die Olympischen Spiele

Laut Umfragen denken in Japan aus gutem Grund über 80 Prozent, dass die Spiele abgesagt oder verschoben werden sollten. Denn zu den 11.000 teilnehmenden Sportlerinnen und Sportlern kommen weitere 53.000 Funktionärinnen, Funktionäre, Trainer, Trainerinnen, Sponsoren-Gäste, Journalisten und Journalistinnen und zwar buchstäblich aus der ganzen Welt. Neben Milliardenprofiten ist die Grundidee der Olympischen Spiele, dass Menschen aus vielen verschiedenen Sportarten und allen Regionen der Erde an einem Ort zur größten Sportveranstaltung der Welt zusammenkommen. Und damit genau das tun, was bei einer globalen Pandemie verhindert werden muss.

Während zum Beispiel die deutsche Männer-Basketball-Bundesliga fast die komplette Saison vor leeren Tribünen gespielt hat, sind ausgerechnet bei den Olympischen Spielen auch in Hallen wieder tausende Zuschauerinnen und Zuschauer erlaubt. Niemand weiß, wie groß die Ansteckungsgefahr dort sein wird.

Schon bei der Ankunft des zweiten Fluges für die Olympischen Spiele ist der erste Sportler positiv getestet und in Quarantäne geschickt worden. Seine Teammitglieder sind jedoch weitergefahren und werden unter anderem an den kontaktreichen Boxwettbewerben teilnehmen.

Erst 6,4 Prozent geimpft

Ähnlich wie in Deutschland ist die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen in Japan zurzeit niedrig. Allerdings hat auch dort die Delta-Variante einen immer größeren Anteil. Der entscheidende Unterschied zu Deutschland ist jedoch, dass erst 6,4 Prozent der Japanerinnen und Japaner vollständig geimpft sind. Die Olympischen Spiele können zu einer großen Verbreitung der Delta-Variante führen, in Japan und der ganzen Welt.

Der Grund, warum die Olympiade nicht längst abgesagt wurde, sind wie so oft riesige Summen Geld. Bei den letzten Spielen nahm die Ausrichter-Organisation IOC 5,7 Milliarden Euro ein, überwiegend durch verkaufte Übertragungsrechte. Der japanischen Wirtschaft entgehen bei einer Absage weitere 8,4 Milliarden.

Verschöbe man die Sommerspiele aufs nächste Jahr, fänden sie relativ kurz nach den Winterspielen im Februar und vor der Männerfußball-Weltmeisterschaft im November statt. Die Sportereignisse drohten dann, sich gegenseitig Zuschauerinnen und Zuschauer und damit Werbeprofite wegzunehmen und 2024 findet schon die nächste Sommerolympiade in Paris statt. Auch die Übertragungsrechte dafür sind für Milliarden Euro verkauft.

Am allerwenigsten gefragt werden bei alldem die Sportlerinnen und Sportler. Denn die Olympischen Spiele sind zur Gelddruckmaschine für IOC, die Wirtschaft der Austragungsorte und Medienkonzerne geworden und sie werden es bleiben, solange der Kapitalismus die Welt regiert.

Der Beitrag von Hans Krause erschien zuerst im neuen Marx21.

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