Im Zuge des Großbrands des Grenfell Towers kocht auf Londons Straßen die Wut über

19. Juni 2017 - 09:21 | | Politik | 0 Kommentare
Foto von ChiralJon

Ein Schrei der Wut erklang freitagnachts im Westen Londons als ein Protestzug Gerechtigkeit für die Toten im Grenfell Tower forderte. Fast 3.000 Menschen marschierten von Kensington und Chelseas Rathaus aus zur Latimer Street nahe des Grenfell Towers. Einige DemonstrantInnen stürmten das Rathaus.

Auf den Treppen des Rathauses sprachen Augenzeugen zu den DemonstrantInnen über das Feuer, das sie Mittwochmorgen miterlebten. Eine Jugendliche erzählte unter Tränen: „Mein Vater hat mich herausgeholt. Ich habe eine Freundin angerufen, die ich mein Leben lang kannte. Sie sollte im Haus bleiben. Die Regierung denkt immer zuerst an das Geld und an die Reichen. Wir sind ihnen egal.“

Ein Demonstrant, Rydar, erklärte der Zeitung „Socialist Worker“: „Die Menschen sind in Rage. Es gab eine behinderte Frau im 21. Stockwerk. Das Treppenhaus sollte die Menschen vor dem Rauch beschützen aber die Menschen sind dort gestorben.

„Wie kann man zehn Millionen Pfund für die Renovierung ausgeben und nicht an die Installation von Feuermeldern denken? Ich wurde evakuiert. Man hat mich, meine Mutter, meinen Vater und meine zwei Schwestern auf die Straße gebracht. Wir hatten Glück, dass wir bei unsere Großmutter untergebracht werden konnten.“

Ein anderer Sprecher teilte der Menschenmenge mit, dass sie gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen muss. „Wir setzen uns nicht einfach hin und halten die Klappe. Wir werden dagegen vorgehen.“

Rufe wie „Theresa May – sie muss gehen!“ erklangen unter den DemonstrantInnen am Rathaus. Mays Regierung gerät zunehmend ins Schwanken. Zu einem früheren Zeitpunkt an diesem Tag ist May zu einer Kirche nahe der Brandstelle gegangen, um mit AnwohnerInnen und Opfern zu sprechen. Doch sie musste sich hinter einer Reihe von PolizistInnen verstecken als sie von wütenden AnwohnerInnen niedergeschrien wurde. Ein Mann erklärte der Polizei: „Sie sollte nicht hier sein. Was glaubt sie, was passiert?“ Er fügte hinzu: „Was hat sie Nützliches mitgebracht? Der Turm (Anm.: gemeint ist der ausgebrannte Grenfell Tower) ist stabiler als ihre Regierung.“ Die Stimmung des Protestzuges vom Rathaus war sehr angespannt. Ein Demonstrant erzählte: „Was hier passiert ist, ist keine Tragödie. Es ist ein Verbrechen.“

May kündigte an, dass fünf Millionen Pfund für die Opfer bereitstehen würden. Diese kündigten bereits an, dass das nicht einmal ansatzweise genug ist. „Das ist Nichts“, sagte ein Demonstrationsteilnehmer der Zeitung „Socialist Worker“. „Wenn man bedenkt, dass 600 Menschen in diesem Block wohnen und mit 10.000 £ pro Person rechnet, dann muss man knapp 125 Millionen Pfund auszahlen. Mindestens.“

Die Demonstration begann im Zentrum Londons. 2.000 Menschen stießen im Verlauf der Demonstration hinzu. Sie führte über die Downing Street, blockierte später die Straße beim Oxford Circus und zog letztlich nach Westlondon. Jahrain Lamb, aus einem Wohnhaus in der Nähe des Grenfell Towers, brachte ihre sechsjährige Tochter mit. Sie sagte: „Jeder hat uns ignoriert – das liegt daran, wo wir uns befinden, im Sinne einer Klassenhierarchie. Wir haben genug davon. Wir wollen Gerechtigkeit für alle, die gestorben sind.“

Matt Wrack, General Secretary der FBU (Fire Brigades Union), machte die jahrelange Politik der Deregulierung, Outsourcing und Privatisierung für den Vorfall verantwortlich. Er sagte, dass die FBU ihre Expertise nutzen wird und „Hand in Hand mit den BewohnerInnen von Grenfell zusammenarbeiten wird. Wir werden das nicht ruhen lassen.“

Moyra Samuels, ebenfalls aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Grenfell Towers und politische Aktivistin, die den Protest im Londoner Zentrum organisiert hat, erklärte: „Wir haben die Nase voll von der Ungleichheit, die uns in Kensington begegnet. Es wird zahlreiche weitere Kampagnen und Demonstrationen in der Nachhut Grenfells geben. Ich glaube, es geht sehr viel Potential von Grenfell aus.“ Sie forderte, dass BewohnerInnen nicht mehr gezwungen werden ihr Viertel zu verlassen und dass die Verantwortlichen für die schlechten Schutzmaßnahmen zur Verantwortung gezogen werden. „Niemand wird sich aus der Affäre ziehen. Wir verlangen eine umfassende Aufklärung.“, sagte sie.

Grenfell Flowers

Viele, die an der genannten Demonstration teilnahmen, waren Afro-Briten, die Arbeiterklasse Westlondons. , aber sie waren auch verärgert über die Probleme im Zusammenhang mit den Grenfell Towers. Zudem waren sie entschlossen, endlich gehört zu werden.

Amber, die auch in der Nähe des Grenfell Towers wohnt, sagte: „Ich wohne in einem Wohngebäude, dass man für altersgerechtes Wohnen umgestalten möchte. In Wirklichkeit möchte man uns einfach nicht dort haben.“ Addy aus dem Westen Londons sagte: „Es ist vollkommen inakzeptabel, was sie mit uns machen. Sie geben einen Dreck auf die Armen, sie geben einen Dreck auf Muslime, sie geben einen Dreck auf die Geflüchteten. Wenn du aus der ArbeiterInnenklasse kommst, dann kannst du ruhig verbrennen.“

Einige JournalistInnen und PolitikerInnen werden sich gegen die Demonstrationen und kämpferische Aktionen stellen. Aber, ein eskalierender Protest ist der einzige Weg, um Gerechtigkeit zu erreichen und eine Vertuschung zu verhindern.

Grenfell war ein Verbrechen an der ArbeiterInnenklasse, ein Mord. Es muss eine konsequente Strafverfolgung und auch Gefängnisstrafen für PolitikerInnen und verantwortliche Geschäftsleute geben. Die gesamte ArbeiterInnenklasse muss Gerechtigkeit für Grenfell verlangen und einen Protest organisieren, der May aus dem Amt treibt.

Der Artikel erschien zunächst im Socialist Worker. Übersetzt von Tom Bauermann.

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