Die Schlacht um Berlin – Das letzte Kapitel von Faschismus und Krieg

9. Mai 2020 - 12:00 | | Politik | 0 Kommentare

Als Kriegsdonner und Rauch sich verzogen hatten, gab der strahlend blaue Frühlingshimmel den Blick auf eine untergegangene Stadt frei. „Der Weg durch die Stadt“, schreibt Ursula Spaltowsky in ihr Tagebuch, „treibt einem die Tränen in die Augen“.


Dies ist Teil 3 der Reihe Schlacht um Berlin. Teil 1 findet ihr hier, und Teil 2 hier.


„Von manchen Straßen gibt es nur noch Schutt, der zum Teil noch raucht. Auch die Parkanlagen sind voller Schutt, und die meisten Bäume sind abgebrannt.“ Insgesamt bestand Berlin im Mai 1945 aus 75 Millionen Kubikmetern Trümmerschutt. Damit hätte man einen 35 Meter breiten und 5 Meter hohen Damm von Berlin bis nach Dortmund bauen können. In Gesamt-Berlin waren 48 Prozent aller Gebäude total zerstört: Von den ehemals 1,5 Millionen Wohnungen existierten noch 870.000, aber nur 730.000 waren noch halbwegs bewohnbar. 140 der 225 Brücken waren durch Bombardierungen und Sprengungen zerstört, das S-Bahn-System an Hunderten Stellen unterbrochen. Die Stadt besaß von 153.000 Kraftfahrzeugen jetzt noch 115.

Dem Berliner Volksmund wird ein Zynismus nachgesagt, der aus Lichterfelde nun Trichterfelde, aus Steglitz Steht nix und aus Charlottenburg Klamottenburg machte. Besonders betroffen waren die Arbeiterquartiere. Dies lässt sich anhand von Friedrichshain aufzeigen. Von allen damals 20 Stadtbezirken wies dieser östliche Berliner Bezirk den zweitgrößten Zerstörungsgrad auf. Nach dem Krieg waren von 8.088 Gebäuden zu Kriegsbeginn 27 Prozent völlig zerstört und 18,5 Prozent schwer beschädigt. 54 Prozent der Friedrichshainer Wohnungen waren unbewohnbar. Und auch was noch stand, hatte gelitten. „Was mit einem Gründerzeithaus bei einem Bombenangriff passiert“, schreibt Annett Gröschner, „haben die Kinder in (…) Schulaufsätzen zu beschreiben versucht: ‚Eine Riesenfaust hat uns gepackt, zuerst gehoben und dann zu Boden geschmettert.‘ (…) Kein Wunder, dass in den alten Gebäuden trotz Luxussanierung in der Nacht wie von Geisterhand die Türen aufgehen und die Bleistifte noch ein Stück weiterrollen, wenn sie herunterfallen. Die Luftminen und Sprengbomben haben auch die äußerlich unzerstörten Häuser krumm und schief gemacht. Wer das weiß, wundert sich, wenn die Leute mit den gierigen Augen durch die Häuser ziehen, um die begehrten Wohnungen zu astronomischen, wenn nicht sogar astrologischen Preisen zu kaufen.“