Aufstände im Sudan: Die Arabellion lebt!

6. Februar 2019 - 12:00 | | Politik | 0 Kommentare

Seit Wochen treibt der mangelnde Zugang zu grundlegenden Gütern im Sudan Tausende auf die Straßen. Trotz brutaler Repression fordern die Demonstrierenden neben Brot und Benzin den Sturz des Regimes – und erwecken dafür die Parolen des Arabischen Frühlings zu neuem Leben.

Mindestens 40 Menschen wurden seit Dezember, dem Beginn der Massenproteste, im Sudan getötet, mehrere hundert verletzt und über tausend inhaftiert. Die Regierung reagiert auf die Forderungen der Demonstrantinnen und Demonstranten auch weiterhin mit brutaler Repression: Mithilfe von Tränengas, Blendgranaten und scharfer Munition versucht das Militär, die Protestbewegung gewaltsam niederzuschlagen.

Die sudanesische Armee ist fest verbunden mit dem Machthaber Omar al-Bashir, der den Vielvölkerstaat in Nordafrika seit einem Militärputsch im Jahr 1989 regiert. Besonders in den letzten Jahren gelang es seinem Regime, das Verhältnis zu diversen Regional- und Weltmächten zu normalisieren. 2017 hob US-Präsident Donald Trump die Sanktionen gegen den Sudan als Dank für dessen Entsendung von 1.000 Bodentruppen für den Krieg gegen den Jemen unter der Führung Saudi-Arabiens auf. Auch der Golfstaat selbst sicherte der sudanesischen Regierung finanzielle Unterstützung zu, nachdem sie die Beziehungen zum Iran beendete. Dieser Schritt veranlasste sogar Israel dazu, eine Öffnung gegenüber dem Sudan zu fördern. Millionenspenden erhielt das sudanesische Regime ebenfalls von der Europäischen Union – als Ausgleich für dessen Unterstützung beim Blockieren von Flüchtlingsbewegungen aus dem Sudan, aus Eritrea, Äthiopien, Somalia und anderen subsaharischen Ländern, die über das Land in Europa Zuflucht suchten.

Aber auch wenn sie die internationalen Beziehungen zu westlich-orientierten Staaten jüngst verbessern konnte, kann die Regierung unter al-Bashir nicht über die Verdopplung der Kosten verschiedener Grundnahrungsmittel hinwegtäuschen, unter der die einfache Bevölkerung zu leiden hat. Obwohl der sudanesische Machthaber sich als „Hüter des Islams“ darstellt, vermag er nicht einmal in der Hauptstadt an einer Hochzeitszeremonie teilzunehmen, ohne von der Menge unter lauten Buhrufen zum Verlassen der Moschee aufgefordert zu werden. Die Regime-Propaganda, die „ausländische Mächte“ für die Aufstände verantwortlich macht, kann den Menschen nicht erklären, warum es ihnen am Nötigsten mangelt, während die eigene Herrscherriege ein extravagantes Leben führt. Die 40 Millionen Menschen im Sudan haben allen Grund, sich gegen die Missstände in ihrem Land zu erheben.

Die Protestbewegung selbst wird dabei von einer auffälligen Mehrheit an jungen Leuten getragen: Das Durchschnittsalter beträgt laut Berichten gerade einmal 20 Jahre. Das heißt aber nicht, dass die Aufstände sich aus einer reinen Studierendenbewegung formieren. Verschiedenste Sektoren der sudanesischen Gesellschaft sind beteiligt. Zu den organisierten Gruppen, die innerhalb der Demonstrationen aktiv sind, gehören der SCP, die Sudanesische Kommunistische Partei, die panarabische Ba’ath Partei und nasseristische Organisationen. Sowohl Dörfer als auch zentrale Städte werden von den Protestwellen erfasst.

Es kann also nicht von vereinzelten Unruhen die Rede sein, die seit über einem Monat den Vielvölkerstaat in Nordafrika ereilen. Es sind Massen, die in Anlehnung an die arabischen Revolutionen der Vorjahre Parolen wie „Das Volk will den Sturz des Regimes!“ oder „Brot, Freiheit, Gerechtigkeit!“ rufen. Doch genauso kann auch im Sudan die Verknüpfung des Regimes an internationale Interessen zu einer tieferen Militarisierung führen, wie es in Syrien oder anderen arabischen Ländern zur traurigen Wirklichkeit geworden ist.


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