Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung machen kriminell nicht die Herkunft!

3. Januar 2018 - 19:52 | | Politik | 0 Kommentare

Wenn ich jedes Mal für die Frage „woher kommst du wirklich“ einen Euro bekommen hätte, wäre ich bereits Millionär. Seit meiner Jugend höre ich diese Frage sehr häufig. Meistens ist sie gar nicht bös‘ gemeint, sondern zeugt nur vom Interesse des Gegenübers mehr über meinen „nicht deutsch klingenden Nachnamen“ oder „meine schwarzen Haare“ zu erfahren.

Doch für mich und viele meiner Mitmenschen, die einen sogenannten Migrationshintergrund haben, ist die Frage nach einiger Zeit etwas schräg. Denn sie vermittelt uns, dass wir irgendwie anders sind. Dass man dies scheinbar an irgendwas erkennt und wir deshalb nicht so richtig „dazu gehören“ zu dieser Gesellschaft. Zugespitzt könnte man sagen, die Frage sei latent rassistisch. Wobei ich persönlich gar nicht so weit gehen möchte. Wenn es mich stört, dann sage ich dies auch deutlich.

Diese Mehrheitsgesellschaft in Deutschland ist jedoch eigentlich bereits lange sehr but: Mit Namen aus polnischen, masurischen, russischem, türkischen, italienischem und sonstigen geographischen Räumen. Deutschland hat eine jahrhundertelange Einwanderungs- und Auswanderungsgeschichte. Wie übrigens jedes Land dieser Welt, denn es gibt keine statischen „Nationen“ oder „Länder“

Dazu passt die „Wanderungsgeschichte“ meiner Familie, denn sie ist vielfältig: Da tauchen deutsche Namen aus dem Norddeutschen Raum auf. Ich habe Vorfahren aus dem gesamten ehemaligen Jugoslawien, die wiederrum Minderheiten angehören. Man kann Wanderungsbewegungen aus Rumänien und mehr nachvollziehen, bis in das 18. Jahrhundert hinein.

Trotzdem gibt es eine Behauptung die sich wie Stammtischgeblubber seit Jahren immer stärker durch die Gesellschaft zieht: Das Ausleben der kriminellen Energie hätte etwas mit der Herkunft, Religion bzw. der Kultur von Zugewanderten und Menschen mit Migrationshintergrund zu tun.

Doch nicht meine Namensherkunft, die Migrationsgeschichte meiner Eltern und Großeltern oder die Geschichte meiner Vorfahren macht mich weniger oder stärker kriminell. Es sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die diktieren welche Chancen ich in diesem Land habe.

Es hat etwas mit der Bildung zu tun die mir zuteilwurde, die jedoch in Deutschland massiv vom Einkommen der Eltern abhängig ist. Es hat etwas mit meinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Perspektiven zu tun. Es hat etwas damit zu tun, ob die Arbeitslosigkeit hoch ist, ob ich überhaupt eine Arbeitserlaubnis habe. Ob die Gesellschaft mir mit Misstrauen begegnet oder mich als Teil selbiger akzeptiert.

In Dänemark gab es in einer Kleinstadt eine empirische Studie die zeigte, das je besser die Arbeitsmarktsituation ist und je mehr Menschen arbeiten dürfen und können, die Kriminalität umso niedriger ist. Das Max-Planck-Institut Freiburg veröffentlichte eine weitere Studie die zeigte, dass ein starker Sozialstaat sowie Chancengleichheit dazu beiträgt, Kriminalität zu senken.

Das soll nicht bedeuten, dass man den Einzelnen von seiner Verantwortung freispricht. Aber es soll klarmachen: „Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“ (Karl Marx – Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte)

Wer Kriminalität bekämpfen will, der muss an die Ursachen heran. Grob vereinfachend heißt das, er muss den Profit aus dem Mittepunkt gesellschaftlichen Handelns verwerfen und den Mensch zum Mittelpunkt jedweden Handelns erheben: Was ist gut für die Mehrheit der Menschen auf dieser Welt?

Über den Autor

30 Jahre | ehemaliger Bundessprecher linksjugend [‘solid] | Wortakrobat für die Freiheitsliebe und Balkan21 | Nerd | Gutmensch | Marxist| Blogger | Youtuber in Ausbildung
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