Michel Foucault: Theorien und Institutionen der Strafe

26. April 2018 - 19:16 | | Kultur | 1 Kommentare

Ich kann mich vor Foucault‘s scharfem Verstand nur verbeugen! Bereits bei „Überwachen und Strafen“ staunte ich nicht schlecht über all die Verbindungen, die Foucault in aller Sachlichkeit offenbarte um das Dahinterliegende freizulegen. Er vermochte wie keiner vor ihm die Verstrickungen und ursprünglichen Absichten der Mächtigen freizulegen und sie in die Ordnung zu bringen vor der sie sich eben verstecken! Foucaults Philosophie hilft uns zu verstehen wie bis heute sich repressive Apparate gehalten haben, wie sie funktionieren un wem sie in Wahrheit dienen.

In seinen frühen Vorlesungen, die noch im Hintergrund der Nachwehen der französischen 68ger standen, zu den Theorien und Institutionen der Strafe untersucht Foucault minuziös und mit kalter Präzision das Französische Strafsystem. Ausgehend vom Aufstand der Nu-Pied (also der Barfüßigen) 1639 entwickelt er in dreizehn höchst spannenden Vorlesungen seine Argumentation in der Hinsicht auf Interessen und Handlungen der königlichen Macht im ausgehenden Feudalismus in den Absolutismus. Er führt Aussagen und Schriftstücke vor, die die Einsätze der französischen Armee bei der Unterdrückung des Aufstandes dokumentieren und präsentiert den Verlauf der Intrigen die anschließend kamen. Dazu und das muss man anmerken hat sich Foucault nicht, wie gerne andere Philosophen, hinreißen lassen eine übermäßig komplexe Sprache zu gebrauchen sondern bewahrt die notwendige Einfachheit der Sprache ohne gleichzeitig Inhalt einzubüßen.

Wenn ich es also nicht besser wüsste würde ich sagen dass sich seine Vorlesungen wie die philosophische Version von Game of Thrones lesen. Dazu belegt er jegliche auch nur kleinste Aussage punktgenau. Ein Schmankerl ist natürlich dass all seine Originalkommentare in diese neue Ausgabe integriert wurden. Natürlich haben die Herausgeber*innen sich eine wirkliche Arbeit gemacht all die ursprünglichen Manuskripte zu sichern und diese zu entziffern. Tatsächlich interessant war für mich der Brief von Etienne Balibar am Ende des Buches. Darin bettet Balibar die Vorlesungen zeit- und philosophiegeschichtlich ein und macht auch einige Widersprüche zu anderen Marxisten auf. Für Philosoph*innen, Historiker*innen und Jurist*innen also ein wirkliches Geschenk im Studium!

 

Über den Autor

Julius ist Publizist und Blogger mit dem Schwerpunkt auf Literatur und Literaturkritik. Seit Jahren engagiert er sich in Politik und Bewegung.

Ein Kommentar

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    günter says:

    ich kenne zwar das erwähnte buch von ihm nicht, aber andere Schriften, und mag ihn gar nicht. Foucault blieb zeitlebens ein Anhänger der islamischen Revolution im Iran 1979, auch wenn er als homosexueller dort aufgehängt worden wäre. („spirituell“ fand er diese rev.). nunja, er hatte auch aus seinen masochistichen Neigungen keinen hehl gemacht. marxistisch waren seine Anschauungen jedenfalls nicht.