Du kontrollierst das Smartphone, nicht umgekehrt

7. Februar 2018 - 15:55 | | Kultur | 1 Kommentare

Nach dem Computer kam keine Erfindung, die unser Leben so radikal verändert hat, wie das Smartphone. Wir sind ständig erreichbar: Per E-Mail, WhatsApp, SMS oder Anruf. Facebook, Twitter und Instagram lassen uns immer wieder auf das Smartphone schauen. Wie schaffen wir es, dass wir die App kontrollieren und nicht die App uns?

Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich mein iPhone aus der Hosentasche hole. Hat mir wer geschrieben? Gibt es neue Benachrichtigungen auf die ich reagieren muss. Eine Vielzahl Apps „zwingt“ uns immer wieder dazu, das Handy aus der Hosentasche zu ziehen: Im Schnitt holt ein Mensch das Smartphone 150-mal am Tag aus der Tasche. Da muss man sich die Frage stellen: Kontrolliere ich das Handy oder kontrolliert es mein Leben?

Apps to go

Wie häufig nehmt ihr das Handy in die Hand, um etwas Konkretes zu machen und erwischt euch selbst dabei, wie ihr durch die Apps wischt? Wie häufig zwingt euch eine Push-Benachrichtigung dazu, zu reagieren? Zu häufig. Ich selbst habe bereits etliche Stunden meines Lebens dadurch verloren und man wird auf eine seltsame Art und Weise dauernd Nervös: Verpasse ich etwas? Ist es wichtig?

Wie man den Spieß umdrehen kann

Ich habe mir nun einiges zurecht gelegt, damit ich die Kontrolle über meine Apps und das Handy habe und nicht umgekehrt. Zunächst müsst ihr euch klar werden: Welche Apps brauche ich wirklich zum Arbeiten, für meinen Alltag. In der Regel sind dies nicht viel mehr als der Kalender, Kamera, Erinnerungen, Notizen, Maps und eventuell die Galerie oder Kontakte. Diese Apps nennen wir „Notwendige Apps“. Daneben gibt es die Kategorie der Zeitfresser: All jene die Apps die euch ständig dazu verführen, euer Handy zu checken: E-Mailprogramme, Facebook und Spiele. Die dritte Kategorie sind jene Apps, die ihr gerne häufiger benutzen würdet, es aber nicht tut. Bei mir sind dies zum Beispiel die Podcast App, Audible und das Online-Abo der regionalen Tageszeitung. Seid jedoch realistisch, was die Einordnung angeht: Apps die ihr zwar gerne benutzen würdet, es aber nicht tut, gehören nicht in diese „Würde ich gerne nutzen“ Kategorie.

Benachrichtigungen abschalten

Als zweiten Schritt solltet ihr in eurem Handy, außer für die notwendigen- und „würde ich gern Nutzen“ Apps alle Benachrichtigungen abschalten: Ihr sollt selbst entscheiden, ob ihr auf Facebook geht oder eure E-Mails checkt und nicht das Handy.

Neuer Homescreen

Danach bastelt euch einen Homescreen, der aus maximal 10 Apps der Kategorie Notwendig und würde ich gern nutzen bestehen. Alle anderen verbannt ihr auf die folgenden Seiten oder löscht sie bei Android gleich vom Startscreen.

Als zweiten Schritt: Anstelle die Apps, wie Mail, Netflix und Co. händisch zu suchen, solltet ihr die Suchfunktion nutzen. Alleine durch das Tippen werdet ihr etliche Apps seltener nutzen und zusätzlich nicht auf unnütze Apps stoßen, in dem ihr die Screens durchwischt.

Nachts kein Handy

Zu guter Letzt: Verbannt euer Smartphone aus dem Schlafzimmer. Kauft euch einen Wecker, ladet das Handy im Wohnzimmer auf und schaut nicht immer wieder auf das Handy. Damit am Ende klar ist: Ihr kontrolliert das Smartphone, nicht das Smartphone euch.

 

Über den Autor

30 Jahre | ehemaliger Bundessprecher linksjugend [‘solid] | Wortakrobat für die Freiheitsliebe und Balkan21 | Nerd | Gutmensch | Marxist| Blogger | Youtuber in Ausbildung
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Ein Kommentar

  • 1

    Ein Smartphone besteht aus zwei Computern: aus einem, der praktisch wie ein PC funktioniert. Der wird entweder von Google oder von Apple kontrolliert. Und einem zweiten, dem Baseband. Der wird von der Telefongesellschaft und dem Geheimdienst kontrolliert.

    Der Nutzer kontrolliert hingegen gar nichts. Er darf Knöpfchen drücken, und wird im Gegenzug überwacht. Im Telefonnetz, das aus Funkzellen besteht, wird immer auch erfasst, wo sich der Smartphone-Nutzer im Moment gerade befindet. Und Betriebssystem und Apps liefern Daten an die Datenkraken. Mit Siri und Google Now hören die Konzerne übers Internet mit.

    Was der Nutzer da im Griff haben soll, bleibt bei der Konstellation das Geheimnis des Autors.