Befreiung von Auschwitz vor 70 Jahren

27. Januar 2015 - 13:00 | | Gesellschaft,Politik | 1 Kommentare

Heute vor 70 Jahren wurde Auschwitz-Birkenau befreit. Eine Chance zu gedenken. Aber auch eine Chance um nachzudenken, dass auch heutzutage Antisemitismus hochaktuell, wenn nicht sogar so aktuell wie seit langem nicht mehr, ist.

 

Jeder trauern um die Opfer von Auschwitz-Birkenau, von Dachau, von Treblinka. Doch wenn es um Juden geht, haben immer noch viel zu viele Personen in Deutschland und in aller Welt Ressentiments. Bewusst will ich nicht genau festlegen, was für Äußerungen und Ressentiments antisemitisch sind. Israelkritik ist es pauschal zum Beispiel nicht. Sie kann jedoch natürlich auch antisemitisch aufgeladen sein.

Warum wurden Politiker wie Möllemann innerhalb der Partei geduldet, warum Leute wie KenFM auch innerhalb der Linken teilweise abgefeiert? Die Gerichtsentscheidung zugunsten Jürgen Elsässers zeigt, dass der subtile Antisemitismus bis heute nicht wahrgenommen wird. Ein Online-Magazin titelte einmal „Judenhass fängt nicht erst bei 6 Millionen Toten an“ und es stimmt. So lange man Antisemitismus nur in seiner reinen und offenen Form erkennt, kann er niemals überwunden werden.

Es werden heute also wieder alle demonstrieren. Gegen Antisemitismus, gegen das Vergessen. Doch nach ein paar Tagen werden einige von ihnen wieder an den Rechnern sitzen, gebannt Videos von ganz offenen Antisemiten schauen und sich in der Kommentarspalte über die vermeintliche Verschwörung des 11. Septembers auslassen. An dem Tag, so heißt es, wären keine Juden in den Gebäuden gewesen. Und an allem seien ja sowieso die Rothschilds schuld. Solche Leute merken nicht, dass sie Antisemiten sind. Offen sind sie nicht antisemitisch, haben nichts gegen „die Juden“ und verurteilen die Nazi-Verbrechen. Trotzdem fallen sie durch antisemitische Denkmuster und Äußerungen auf. Nicht falsch verstehen: Nicht jeder Verschwörungstheoretiker ist ein Antisemit, nicht jeder der den 11.September hinterfragt oder die Rothschilds kritisiert ist einer. Die Frage ist, wie man es macht. „The European“ schrieb dazu etwas und ganz gleich, wie man ihre Einschätzung zu manchen Israelkritikern und manchen Antizionisten beurteilt: etwas bleibt hängen. Die modernen Antisemiten haben gelernt, unter dem Radar zu fliegen, sich nicht als Antisemit darzustellen. Wenn diese Leute dann doch einmal als Antisemiten tituliert werden reden sie von einer vermeintlichen „Antisemitismuskeule“ und davon, dass „die Schuld doch mal so langsam vorbei“ sei. In einem bekannten Online-Blog hieß es einmal: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals verzeihen“.

Von einer vermeintlichen Schuld der heutigen Generation, abgesehen von den NS-Tätern, redet aber keiner. Wir haben eine Verantwortung, dass sich etwas wie Auschwitz nie wiederholt, dass so eine Barbarei niemals wieder zustande kommen darf. Und deshalb sollten wir uns ganz genau überlegen, mit wem wir morgen demonstrieren. Mit den „Elsässer, KenFM“-Leuten, die als „Hetzer in deutscher Tradition, den Holocaust nicht leugnen“ sondern in umdeuten, wie es die „Antilopen Gang“ mal aussprach? Eher nicht.

Über den Autor

Themenschwerpunkt: Demos (aktuell vor allem Pegida), Gesellschaft, Antisemitismus, Flüchtlinge Ich schreibe für die Freiheitsliebe, da ich auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen will. Zum Beispiel Antisemitismus. Etwas, was eigentlich seit 70 Jahren nichtmehr existieren sollte, wird wieder salonfähig. Die vielen Anschläge auf Synagogen in Deutschland beweisen das. Außerdem geht mir der Rassismus, der vielen Flüchtlingen entgegenschlägt, ziemlich auf die Nerven. Dort will ich aufklären und zeigen, dass Leute, die Asylsuchende „Sozialschmarotzer“ nennen eindeutig rechte Parolen nachplappern. Daher mag ich so Aktionen, wo Flüchtlingen mit Blumen und dem Satz „Nice to have you here“ begrüßt werden. In ihrem Herkunftsland hatten sie schon genug Leid, das muss nicht in Deutschland weitergehen!

Ein Kommentar

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    Florian Hohenwarter sagt:

    Passt nicht gerade zur Überschrift, aber ich möchte dieses Video hier trotzdem nochmal reinstellen, da mich es immer noch wundert, warum es so wenig verbreitet ist.

    Der ehemalige Spiegel Journalist Harald Schumann redet Klartext und prangert die Interne Pressefreiheit in Deutschland an.

    Schumann: “… das ist in der deutschen Presse Gang und Gäbe, dass Chefredakteure oder Resortleiter ihren Untergebenen sagen, wie sie zu denken haben. Dass Vorgaben gemacht werden, was sie recherchieren dürfen und was nicht, und dass viele junge Kollegen daran gehindert werden überhaupt kritische Journalisten zu werden weil ihre Vorgesetzten das gar nicht wollen.”

    Interviewer: “Sie nehmen ausdrücklich die ÖR-Anstallten nicht aus, warum?”

    Schumann: “Weil ich genügend Kollegen aus ÖR-Anstallten kenne, die mir genau solche Geschichten berichtet haben und mir das hundertfach bestätigt haben. Insofern, die sind da nicht aus zunehmen.”

    https://www.youtube.com/watch?v=d1ntkEbQraU