Gut und günstiges Wohnen ist möglich

30. November 2016 - 14:42 | | Wirtschaft | 0 Kommentare

Rasant steigende Mieten in Großstädten, Verfall von Wohnblöcken die sich im Besitz rein profitorientierter Investoren wie Black Rock befinden und eine Gentrifizierung, die selbst den Mittelstand klagen lässt. Derzeit alles Alltag in Deutschland.

Zu sagen, der Wohnungsmarkt sah schon einmal besser aus, wäre eine Untertreibung, angesichts der derzeitigen Entwicklungen. In manchen Ecken Deutschlands zahlt man bis zu 20€ Kaltmiete pro Quadratmeter. Dies sind natürlich Extremfälle, zeigen aber, dass es so nicht weiter gehen kann.

Kleine sowie mittlere Städte wie zum Beispiel Bochum sind davon weniger betroffen, aber auch auch spürt man die Effekte der Preissteigerungen bereits. Die im Juni 2015 beschlossene Mietpreisbremse greift nicht weit genug. Positive Effekte spüren die wenigsten Mieter und Enttäuschung hat sich breit gemacht

Die Mietpreisbremse gilt nur für Häuser, die weder neu noch saniert wurden, was vergleichsweise wenige sind. Außerdem soll die Mietpreisbremse nur dafür sorgen, dass die Mieten nicht mehr als 10% über dem Mietspiegel liegen, was an dem grundsätzlichen Problem nichts ändert.

Hohe Mieten, aber warum?

Aber warum sind die Mieten so hoch? An den Kosten, Wohnraum herzustellen und intakt zu halten, kann es nicht liegen. Denn die Möglichkeiten, Wohnraum kostengünstig zur Verfügung zu stellen, sind längst da und werden noch lange nicht ausgeschöpft. In Deutschland, wie in weiten Teilen der Welt wird noch sehr auf konventionelle Baumethoden vertraut, obwohl diese, gemessen an den Möglichkeiten die der technische Fortschritt bietet, sehr ineffizient sind.

Alternativen zu den arbeitsintensiven Baustellen, die teuer sind und viel Zeit in Anspruch nehmen, gibt es bereits. Die chinesische Baufirma WinSun stellt mit einem gigantischen 3D-Drucker mehrere Häuser-Rohbauten am Tag her, zu Preisen, die utopisch niedrig sind.

Rohbauten für nur 4.000 Euro

Für circa 4.000 Euro können diese Rohbauten gekauft werden, solche Preise sind mit herkömmlichen Produktionsmethoden nicht denkbar. Doch nun ist das anders. Durch die Produktion mit einer Mischung aus herkömmlichem Baumaterial und Bauschutt lassen sich Kosten sparen, die einen Paradigmenwechsel einleiten könnten.

Eine ganze Reihe von Arbeitsschritten entfällt, vor allem die kostenintensiven Schritte können durch additive Fertigung vermieden werden. Die Rohbauten sind danach sofort bereit, fertiggestellt zu werden, alles Dank der revolutionären Fertigungstechnik.

Durch diese Art zu bauen ist nicht nur unheimlich schnell, sondern auch ökologischer als die konventionelle. Die Firma stellte die ersten Ergebnisse bereits im Frühjahr 2014 vor.

Anfang 2015 produzierte WinSun, oder eher gesagt ein Team von acht Bauarbeitern, eine Stadtvilla mit über 1.000 m² zum Preis einer kleinen Eigentumswohnung und innerhalb von nur sechs Tagen ein fünfstöckiges Wohnhaus.

Villen zum Preis von Wohnungen

2016 wurde in Dubai das erste Büro-Gebäude fertiggestellt, in dem Gebäude soll unter anderem ein Museum seinen Platz haben, eröffnet wird das Gebäude allerdings erst in 2 Jahren. WinSun hat angekündigt expandieren zu wollen und diesen Plan teilweise bereits umgesetzt.

Die 3D-Technologie könnte, wenn sie richtig genutzt wird, jede Wellblechhütte auf der Welt der Vergangenheit angehören lassen. Dazu sind allerdings bestimmte Eingriffe nötig. Überlasst man “den Markt“ sich selber, würde es wohl eine Ewigkeit dauern, bis die Technologie von WinSun zum Standard wird.

Auch wenn das Unternehmen vor hat zu expandieren, die Technologie dahinter wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich niemandem ein Begriff sein, der sich nicht mit 3D-Druck beschäftigt oder zufällig auf eine Meldung stößt.

Doch nicht nur in China wird radikal mit herkömmlichen Produktionsmethoden gebrochen. Weltweit gibt es Projekte, die in der Produktion von Wohnraum neue Wege gehen wollen. Dem Fortschritt stehen in dieser Hinsicht allerdings marktwirtschaftliche Bedingungen entgegen.

Würde im marktwirtschaftlichen Rahmen weltweit so produziert werden, würde die Anzahl von Arbeitsplätzen im Baugewerbe massiv abnehmen. Die wenigen übrig gebliebenen Menschen würden als reine Hilfstruppe für die riesigen Gerätschaften funktionieren, die in immer mehr Ländern zum Einsatz kommen. Hinzu kämen neue Arbeitsplätze für Techniker und Ingenieure, die die Maschinen betreuen.

Ein massiver Verlust von Arbeitsplätzen und somit Einkommen, Kaufkraft und Steuereinnahmen wäre die Folge, im derzeitigen Wirtschaftssystem hätte das katastrophale Folgen. Doch weder die herkömmliche und arbeitsintensive Produktionsmethoden noch die Marktwirtschaft selber sind ewig, allerdings verschieben sich Entwicklungen wie diese um Jahrzehnte, wenn der Staat oder die Gesellschaft nicht eingreift.

Ein weiterer Lichtblick ist Italien: Dort wurde eine Villa aus dem 3D-Drucker mit Bauschutt errichtet

In der Gemeinde Massa Lombarda, im Norden Italiens entsteht bereits ein Plan-Dorf durch additive Fertigung, hier kommt der 12 Meter hohe BigDelta WASP (World’s Advanced Saving Project) zum Einsatz.

Das Dorf soll Shamballa heißen und innerhalb von 3 Jahren komplett fertig sein. Es werden Häuser und auch vertikale Gärten gedrückt, als Material wird eine Mischung aus Stroh, Erde und einigen Zusatzstoffen verwendet. Auch hier wird sehr ökologisch produziert. Der Name “Shamballa“ kommt aus der tibetischen Mythologie und ist in alten Überlieferungen ein Ort im Norden Tibets, in dem eine Linie von Königen herrscht, die eines Tages alle Übel dieser Welt beseitigen werden.

Konzepte für vertikale Gärten hat WASP bereits entwickelt. Ein Gebäude, dass sich nach oben hin zuspitzt und so Platz für Bepflanzung bietet gehört zum Beispiel zu den typischen Modellen von WASP. Auch kleinere 3D-Drucker, genannt Desktop 3D-Drucker, kommen zum Einsatz. Keramik, Möbel und biomedizinische Produkte sollen so gedruckt werden.

Das Ziel von WASP ist eine sogenannte “Maker Economy“, in der niemand mehr von Großkonzernen abhängig ist und die Grenze zwischen Konsumenten und Produzenten verschwimmt. Auf einem extra zu dem Zweck veranstalteten Festival (Festival of Dreams) bot WASP Workshops an, bei denen es um den Umgang mit den Druckern ging.

Zweifellos sind Projekte dieser Art noch nicht ausgereift und es passieren viele Fehler bei der praktischen Anwendung. Doch wo sie gemacht werden, findet in der Regel besonders durch Kooperation mit anderen Interessierten schnell Fortschritte statt.

Aktuell lässt sich noch nicht genau sagen, wo das alles hinführen wird

Es ist sicher, dass additive Fertigungsmaßnahmen (vor allem im Baubereich) nicht nur ein Trend sind. Sie sind mittlerweile überall, sie verändern Schritt für Schritt die Art wie wir Dinge produzieren und konsumieren, unser Verhältnis zur bisherigen Wirtschaftsweise und unser Verhältnis zu unserer Umwelt. Wohnraum war noch nie so günstig und so ökologisch herzustellen wie heute, auch wenn die Technik noch kaum bekannt ist. Sie ist den herkömmlichen Methoden weit überlegen.

Ein sicheres Dach über dem Kopf zu haben wäre inzwischen für jeden möglich, was im Weg steht, ist die den Fortschritt bremsende Marktwirtschaft.

Über den Autor

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.