UN-Botschafterin Nikki Haley tritt zurück

10. Oktober 2018 - 16:20 | | Politik | 0 Kommentare

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, kündigt zum Jahresende ihren Job. Donald Trump akzeptierte die Kündigung Haleys, die zum extrem kriegstreiberischen Flügel der Trump-Administration gehört.

Vor wenigen Stunden berichtete die US-amerikanische Website Axios, die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, habe zum Ende des Jahres ihren Job bei der UN gekündigt.

Präsident Trump habe am Dienstagmorgen (Ortszeit) in einem Gespräch mit Haley im Oval Office deren Kündigung akzeptiert, so das Nachrichtenmagazin weiter.

Trump nannte Haley bei dem Gespräch eine „sehr besondere“ Persönlichkeit, die „es drauf hat“, beide hätten „viele Probleme zusammen gelöst“.

Bevor sie in die Trump-Administration eintrat, übte Haley stets harsche Kritik an Trump – den „Sirenengesang der wütendsten Stimmen“ des Landes, die keinen Respekt für die Einwanderer Amerikas hätten, so Haley, die selbst indisch-amerikanische Sikh-Roots hat.

Nikki Haley gehört in der Trump-Administration zum extrem kriegstreiberischen Flügel und galt als Sprachrohr aggressiver US-Politik im UN-Sicherheitsrat und damit vor der Weltöffentlichkeit.

Im März 2017 zeigte sie nach Giftgasangriffen im syrischen Chan Schaichun Bilder verkrampfter Kinderleichen und warb nachdrücklich für Militärschläge gegen Syrien (JusticeNow! berichtete ausführlich).

Die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, präsentiert dem UN-Sicherheitsrat Bilder von toten Babys und hofft so, Sympathien für einen Krieg gegen Syrien zu erhalten. Screenshot from C-SPAN, YouTube.

Im Dezember 2017 präsentierte Haley der Welt eine Rakete, die vermeintlich vom Iran an die jemenitischen Houthi-Rebellen geliefert wurden, ohne jedoch Beweise dafür vorzulegen (JusticeNow! berichtete ausführlich) und warb – wie bei vielen weiteren Anlässen – für den Krieg gegen den Iran.

Auf einer Pressekonferenz in einer Militärbasis in Washington, DC präsentiert Nikki Haley, US-Botschafterin bei den UN, von Saudi-Arabien gelieferte „konkrete Beweise“ iranischer Waffenlieferungen an die Houthis, 14. Dezember 2017. By EJ Hersom, US DoD, published under public domain.

Nikki Haley trug außerdem den katastrophalen Konfrontationskurs der Trump-Regierung im Israel-Palästina-Konflikt mit, der unter Trumps Schwiegersohn Jared Kushner verfolgt wurde. Kushner selbst ist am illegalen israelischen Siedlungsbau in den besetzten Palästinensergebieten im Westjordanland involviert. Haley bezeichnete Kushner heute als „heimliches Genie, den niemand versteht“.

Im Mai stand Haley demonstrativ auf und verließ den UN-Sicherheitsrat, als ein palästinensischer Delegierter im Zuge der massenhaften Erschießungen von Palästinensern am Grenzzaun zu Gaza durch israelische Soldaten eine Rede halten wollte.

Nikki Haley mit Israel Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in dessen Büro in Jerusalem im Juni 2017. By U.S. Embassy Jerusalem, Flickr, licensed under CC BY 2.0.

Unter Haleys Aufsicht traten die USA sowohl aus der UNESCO, als auch aus dem UN-Menschenrechtsrat aus.

Nikki Haley reiht sich ein die lange Liste hochrangiger Mitarbeiter der Trump-Regierung, die gefeuert wurden oder aus anderen Gründen zurücktraten.

Spekulationen, die ehemalige Gouverneurin von South Carolina – die erste Frau in diesem Posten – würde 2020 für die US-Präsidentschaft kandidieren, erteilte Haley heute erneut eine Absage. Der britische Telegraph argumentiert hingegen zu Recht, 2020 „gegen einen amtierenden Präsidenten anzutreten, wäre politischer Selbstmord“, und spekuliert, die in US-Bevölkerung und Politestablishment überparteilich beliebte Haley schiele vielmehr auf eine Kandidatur 2024.

Über den Autor

Ich bin seit Ende 2015 bei Die Freiheitsliebe mit dabei. Als studierter Biochemiker habe ich ein Jahr in Nablus, Palästina gelebt und dort an der Uni die Auswirkungen israelischer Industrieanlagen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in der Westbank erforscht. Nach einiger Zeit in Tel Aviv, Haifa, Prag und Sunny Beach (Bulgarien) lebe ich jetzt wieder in Israel und kenne daher „beide Seiten“ des Konflikts und die jeweiligen Mentalitäten recht gut. Soweit ich zurückblicken kann, bin ich ein politisch denkender Mensch und verabscheue Ungerechtigkeiten jeglicher Art. Aus bedingungslos pazifistischer Sicht schreibe ich gegen den Krieg an und versuche so, meinen kleinen Beitrag zu leisten. Meine Themenschwerpunkte sind Terrorismus, das US Empire, Krieg (Frieden?) und speziell der Nahe Osten.