Um uns Gehör zu verschaffen, müssen wir viele sein – Im Gespräch mit Marianna Ventouri

24. Mai 2019 - 12:00 | | Politik | 2 Kommentare

Ein Interview mit der griechischen Studentin Marianna Ventouri. Sie ist in Griechenland in der Syriza Jugend aktiv und Unterstützerin des Aufrufs Reclaim Youth Rights in Europe.

Critica: Die deutsche Linke kämpft gegen das Leiden der griechischen Bevölkerung als Folge der Austeritätspolitik. Wie schätzt du den Einfluss Deutschlands und seine imperiale Rolle in der EU ein?

Marianna Ventouri: Die aktuelle neoliberale Elite in Deutschland besteht auf dem Prinzip der Austerität und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit durch die weitere Verschärfung des Stabilitäts- und Wachstumspakts und fordert die Europäische Kommission auf, die nationalen Haushalte der Mitgliedstaaten der Eurozone zu überwachen. Daher sind die Strukturreformen ihr einziger Ausweg. Mit diesen Reformen und seiner Schockpolitik erlegt Deutschland den Mitgliedstaaten rigorose Sparmaßnahmen auf und übt seine Hegemonie durch die Kontrolle der Haushaltsdefizite und der Staatsschulden aus. Auch wenn es seine Haltung im Bereich des Anleihenmarkts durch die EZB leicht verändert zu haben scheint, müssen sich die Staaten in die strenge Sparpolitik einbinden lassen, um zu profitieren.

Critica: Was sind die aktuellen Kämpfe der griechischen Linken? Wie schätzt du zum Beispiel das Ende des dritten Finanzpakets der Troika ein?

Marianna Ventouri: Griechenland ist es gelungen, aus dem Teufelskreis der fiskalischen Anpassungsprogramme herauszukommen und seine Souveränität zurückzugewinnen. Wir haben viel erreicht, aber wir haben noch viel mehr zu tun, für eine Politik die auf Demokratie, Entwicklung, Sozialstaatlichkeit und auf einer Ablehnung von Austerität fußt. Wir haben es geschafft, Armut und Arbeitslosigkeit deutlich zu verringern, die soziale Sicherheit zu festigen, die Rechte der gesellschaftlichen Mehrheit zu verteidigen und den Jugendlichen jene Chancen zu geben, die sie verdienen. Die Linke muss sich beweisen und überzeugen, dass sie die Zukunft gestalten und ein anderes Modell einer links-progressiven Regierung mit klaren sozialen Werten bilden kann. Nach Spaltung und Kompromissen muss sich die griechische Linke zu dem Idealbild einer links-progressiven Allianz gegen Konservatismus und Rechte zusammenfinden.

Critica: Wie können wir als Internationalist*innen zusammen kämpfen? Wie können wir eure Kämpfe in Griechenland unterstützen? Welche Chancen siehst du für eine europaweite Anti-Austeritäts-Bewegung, wie sie in der Erklärung Reclaim Youth Rights in Europe vorgeschlagen wird?

Marianna Ventouri: Die Europawahlen im Mai sind eine der wichtigsten Schlachten, die wir gegen Sparzwang und Neoliberalismus führen müssen – und wir müssen gewinnen. Daher ist es unsere Pflicht als Jugendliche voranzugehen. Unser Ziel ist es, unsere Überzeugungen in die ganze Welt zu tragen – Überzeugungen, die jeden einbeziehen, der seine Grundrechte achtet. Dabei wird niemand, der die gleiche Vision mit uns teilt, ausgeschlossen. Wir sind für einen offenen Dialog, um Ideen und Bedenken, viele Ansichten und Vorschläge zu sammeln. Um uns Gehör zu verschaffen, müssen wir viele sein. Deshalb müssen alle linken fortschrittlichen Kräfte an diesem Kampf teilnehmen und ihre Stimme erheben, um ihre Visionen und Überzeugungen zu verteidigen.

Der Artikel erschien in der neuen Ausgabe unseres Medienpartners Critica.


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