Trumps Mutter aller Bomben – „eine Beleidigung für uns alle“

17. April 2017 - 12:41 | | Politik | 1 Kommentare
Screenshot taken from US DoD, Wikimedia commons, published under public domain.

Der 13. April 2017 wird als der Tag in die Geschichtsbücher eingehen, an dem Kriegsverbrecher Trump die größte nichtnukleare Bombe aller Zeiten auf Menschen abgeworfen hat. Ein afghanischer Arzt findet die passenden Worte: „All die Bomben, die die Amerikaner in Afghanistan und überall auf der Welt abgeworfen haben, führten dazu, dass der Terrorismus zunimmt und nicht abnimmt. Warum also? Warum sollten wir sie abwerfen? Warum sollten wir die „Mutter aller Bomben“ abwerfen? Es ist solch eine Beleidigung für uns alle.“


Erst vor wenigen Tagen setzte der Kriegspräsident der USA eine Zäsur im Syrienkrieg, zum ersten Mal im mehr als sechs Jahre währenden, so unendlich grauenhaften Krieg attackierten die USA sie syrische Armee direkt, mit 59 Tomahawk-Raketen. Ohne UN-Resolution, ohne Selbstverteidigungsgebot – und damit ohne jeden Zweifel illegal, Trump ist damit schon jetzt ein Kriegsverbrecher.

Doch wer hätte ernsthaft gedacht, dass diese Meldung nur wenige Tage später in den Schatten gestellt wird? Von einer Nachricht wahrhaft historischen Ausmaßes. Trump warf die „Mutter aller Bomben“ auf Afghanistan ab. Der 13. April 2017 wird als der Tag in die Geschichtsbücher eingehen, an dem Kriegsverbrecher Trump die größte nichtnukleare Bombe aller Zeiten auf Menschen abgeworfen hat, die größte Detonation seit den Atombomben von Nagasaki und Hiroshima.

Die 21 Millionen Dollar teure „Mutter aller Bomben“ (MOAB) hat einen Explosionsradius von 1,6 Kilometern und eine Sprengkraft von 11 Tonnen TNT-Äquivalenten. Im Achin District in der Provinz Nangaharn im Osten Afghanistans bebte kilometerweit die Erde, noch in anderthalb Kilometer Entfernung wurden Häuser durch die Explosion zerstört. Entwickelt wurde die MOAB unter George W. Bush, doch war selbst für seine Regierung der Einsatz zu heikel – aufgrund von „Bedenken über zivile Opfer.“ Obwohl Trumps Militärs behaupten, es wurden ausschließlich ISIS-Kämpfer getötet, kommen die ersten Berichte getöteter Zivilisten ans Licht, ein Lehrer und sein Sohn wurden ermordet. Donald Trump spricht von einer „sehr, sehr erfolgreichen Mission.“

Der ehemalige Präsident Afghanistans Hamid Karzai – der nach dem Sturz der Taliban von den USA eingesetzt wurde und gemeinhin als US-Marionette galt – verurteilte hingegen Trumps Angriff mit den Worten: „Das ist kein Krieg gegen den Terror, sondern der unmenschliche und brutalste Missbrauch unseres Landes als Testlabor für neue und gefährliche Waffen.“

Selbst die Taliban verurteilten den Angriff gegen ihren Erzfeind ISIS mit Hinweis auf die „psychologischen Schäden für unsere Bevölkerung.“

Das war es nun, Trumps Signal an all die bösen Männer dieser Welt: „Sieh her, Welt, ich habe die größte Bombe! Und bin skrupellos genug, sie einzusetzen.“ Oder für jemanden, der sich wie ich halbwegs mit Sigmund Freud beschäftigt hat, ist die Message des unsicheren, zutiefst verletzlichen Donald eher die: „Sieh her, Welt, ich habe den größten Penis!“

Die “Mutter aller Bomben” (MOAB) im Eglin Air Force Armament Center im März 2003. By U.S. Department of Defense, Wikimedia commons, published under public domain.

Ich habe lange überlegt, wie ich über dieses Ereignis berichten soll. Als Pazifist, als Kriegsgegner, ja, letztendlich einfach nur als menschliches, empathisches Wesen fehlten mir die Worte. Wie soll ich meine Verachtung, meinen Ekel über diesen niederträchtigen Akt der Gewalt artikulieren? Wie die Ohnmacht in etwas Positives umkehren? Wie die Sprachlosigkeit in Sprache fassen?

Ich kann es nicht. Daher lasse ich den Lehrer Basir Bita und den Arzt Dr. Hakim zu Wort kommen, zwei Afghanen, die sich mit der Organisation Afghan Youth Peace Volunteers vor Ort für Frieden einsetzen, für Aufklärung und Bildung afghanischer Jugendlicher, die sie als Schlüssel zum Frieden ansehen. Zum Selbstschutz mit dem Rücken zur Kamera stehend wurden sie auf Democracy Now! von der großartigen Amy Goodman befragt.

Dr. Hakim: „Das Abwerfen dieser Bombe über Afghanistan bereitet uns größte Sorgen, nicht nur um die Sicherheit von uns allen auf diesem Planeten, sondern auch Sorgen um die Erde selbst. … Ich denke, es ist eine Beleidigung, der Bombe den Spitznamen „Mutter aller Bomben“ zu geben. An diesem Morgen sprach ich mit Ali, einem der Afghan Peace Volunteers, er sagte: „Würde irgendeine Mutter so etwas tun? Würde irgendeine Mutter das unserer Mutter Erde antun? Oder würde irgendeine Mutter so etwas ihren Kindern antun?“ Das Ergebnis ist das, was das US-Militär oder alle anderen Militärs auf dieser Welt den ganz normalen Menschen zufügen: Angst, Panik, Hunger und Wut. Das ist es, was sie erreichen.

Schaut Euch die Zahlen des Global Terrorism Index an, Amerikaner und Menschen überall auf der Welt sollten sich fragen: Warum? Die Zahlen zeigen deutlich, dass all die Bomben, die die Amerikaner in Afghanistan und überall auf der Welt abgeworfen haben, dazu führten, dass der Terrorismus zunimmt und nicht abnimmt. Warum also? Warum sollten wir sie abwerfen? Warum sollten wir die „Mutter aller Bomben“ abwerfen? Es ist solch eine Beleidigung für uns alle.“

Basir Bita stimmt ihm zu: „Ich möchte keine Afghanen mehr sterben sehen. Ich möchte keine weiteren Freunde in der Gegend mehr sterben sehen. Es ist wie Hakim es formulierte, es ist eine Beleidigung für alle Afghanen.“

Amy Goodman fragt nach, was genau beide damit meinen.

Basir Bita: „Es ist eine Beleidigung für uns, weil wir Verwandte verlieren, weil wir Freunde verlieren. Ich meine, stell‘ dir Präsident Trump vor, der jetzt in den Himmel lobt, was die US-Streitkräfte im Achin District angerichtet haben. Stell‘ dir vor, Verwandte von Präsident Trump wären da gewesen. Sie behaupten – ich glaube es nicht – aber sie behaupten, dass die Anwohner, die rund 100.000 Menschen, das Gebiet ein paar Stunden vor Abwurf der Bombe verlassen haben. Ich meine, was wäre, wenn die Mutter des Präsidenten, die Tochter des Präsidenten, der Sohn des Präsidenten dort gewesen wären?“

Amy Goodman fragt die beiden, was sie sich als Alternative vorstellen, als Alternative zu all den Bomben, die die USA auf Afghanistan abwerfen.

Dr. Hakim: „Es gibt so viele, so viele Alternativen. Danke für diese Frage, Amy. Der Grund, warum wir als menschliche Spezies jetzt nicht ausreichend in Alternativen denken können, ist, dass wir zu wenig Vorstellungskraft haben, wir stellen zu wenige Fragen. Eines der konkreten Dinge, die getan werden können, ist das, was die Afghan Peace Volunteers tun: Fragen stellen, jeden Tag aufwachen, sich gegenseitig bilden, nach dem Warum fragen, nach dem Wie fragen, nach dem Was fragen. Allein durch diese Fragen bilden wir uns bereits. Bildung ist einer der konkreten Wege, mit denen wir dieser Katastrophe begegnen können, der die Welt heute gegenübersteht – sowohl der Planet als auch die gesamte Menschheit.

Das zweite, was wir von den Afghan Peace Volunteers lernen können, sind die praktischen Dinge, die wir sowohl für die Erde als auch für einander tun können. Einige Jugendliche gehen raus und üben sich in Techniken der Permakultur, um so für Mutter Natur zu sorgen. Das heißt wirklich, sich um die Mutter zu kümmern, wir müssen uns gänzlich und radikal abwenden von diesem trügerischen Narrativ von der „Mutter aller Bomben.“ Wir müssen aufhören anzuhimmeln, was wir nicht anhimmeln sollten. Wir müssen die politische Situation in unserem eigenen Leben verändern. Wir dürfen Menschen wie Trump einfach keinen Raum geben. Er verhält sich äußerst hässlich. Ich habe nichts gegen Trump. Er ist ein Mensch, und ich respektiere ihn. Aber seine Handlungen sind wirklich etwas, das mich als Arzt sehr beschämt, weil sie nicht auf Beweisen basieren, weil sich nicht auf Fakten basieren. Es ist einfach eine Show. Wir sollten all das hinterfragen. Wir sollten die Veränderung in unserem eigenen Leben suchen. Unterwirf dich keinem Führer irgendeines Landes dieser Welt, wenn sie Dinge ohne Beweise tun und wenn sie für 30 Millionen Menschen in Afghanistan Entscheidungen fällen. Und er ist dort im Weißen Haus. Er ist so weit weg.

Und das dritte, was wir tun können, ist, miteinander zu reden. Sprecht mit den Leuten im Achin District. … Sprich mit einer Mutter. Kurz vor diesem Interview hatte ich eine Klasse der Afghan Peace Volunteers, Straßenkinder. Und ich bat sie, sich die Bombardierung vorzustellen, die Bombardierung im Achin District. Und sie schlossen ihre Augen, und sie hörten diese Geschichte von der „Mutter aller Bomben“, die auf Achin abgeworfen wurde. Sie haben sich in die Rolle einer Mutter des Bezirks hineinversetzt. Ihre Antwort war: „Wir sind traurig, wir sind so traurig darüber, wie wir in Achin behandelt wurden, wie die Menschen, die Afghanen in Achin behandelt wurden.“


Dieser Text erschien auch auf JusticeNow! – connect critical journalism!

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Ein Kommentar

  • 1
    Illoinen says:

    Alleine die Vernichtungswaffe als „Mutter“ zu bezeichnen, ist zynisch. Aber so wie auch die Tötungen von unschuldigen Zivilisten, im Westen zynisch als „Kollateralschäden“ bezeichnet werden? Nur im Westen, wenn es einer schafft einen Terroranschlag zu verüben, wird von „Opfern“ berichtet und geschrieben. Die weiße Herrenrasse tritt das Völkerrecht mit Füßen, und ist auch noch stolz darauf und die Mehrheit jubelt? Es geht hier nicht um Demokratie schon gar nicht um Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit usw. sondern einzig und alleine um Interessen. Wenn Politiker was anderes behaupten sollte man schleunigst den Raum verlassen.