Russland 1917: »Eine Guillotine für 500 Köpfe pro Stunde«

25. August 2017 - 17:55 | | Politik | 0 Kommentare
US-Truppen marschieren in Russland 1918 ein. By De la Necunoscut, Wikimedia Commons, published under public domain.

Mit solchen haarsträubenden Lügen reagierten die herrschenden Klassen weltweit auf die Russische Revolution. Aus Angst, sie könnten als nächste gestürzt werden, organisierten sie eine Welle der Gegenpropaganda und marschierten mit 14 Armeen in die junge sozialistische Republik ein.

Die Russische Revolution hatte die Mächtigen dieser Welt in Angst und Schrecken versetzt. Nicht ohne Grund. Denn die gleichen Bedingungen, die zur Revolution in Russland geführt hatten, herrschten auch anderswo. Überall ließen sich Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern und Aufständischen in den zahlreichen Kolonien von dem russischen Vorbild inspirieren.

Winston Churchill, britischer Kriegsminister, erklärte, er wolle das revolutionäre Regime »in seinen Geburtsstunde erwürgen«. Er faselte davon, die Bolschewiki würden Russland in eine »animalische Form der Barbarei« versetzen. Die damals führende Zeitung »Times« schrieb: »Das einzige Heilmittel gegen den Bolschewismus sind Kugeln.« US-Zeitung sprachen von einer elektrischen Guillotine in Petrograd, die 500 Köpfe pro Stunde abschlagen könne. Eine Senatskommission im Februar und März 1919 hörte sich solche Anschuldigungen an.

Der Historiker Frederick Lewis Schuman meinte, diese Anhörungen zeichneten ein Bild des revolutionären Russland »als eine Art Tollhaus, bewohnt von erbärmlichen Sklaven, die mörderischen Wahnsinnigen ausgeliefert seien«. Man prangerte an, die Bolschewiki würden die »freie Liebe« befördern, Frauen würden herabgesetzt und seien »verstaatlicht« worden, das ganze Land sei in schlimmste Ausschweifungen versunken.

Ein besonders übles antisemitisches Pamphlet, »Ein Meer von Blut – die Wahrheit über das bolschewistische Russland«, behauptete, die Bolschewiki hätte Folterkammern eingerichtet: »Die Bolschewiki schlugen Nägel durch die Wände leerer Holzfässer, in die sie Menschen einquetschten und lachend hin und her rollten.«

Nachdem die Bolschewiki auf diese Art verleumdet wurden, wurden sie dann als Strippenzieher von allerlei Kämpfen im Ausland gebrandmarkt. Während eines Generalstreiks in Seattle 1919 trugen Zeitungen Schlagzeilen wie »Die Roten dirigieren den Seattle-Streik – um die Chancen für eine Revolution auszuloten«. Sie stellten die Frage, ob der Streik nicht »das Sprungbrett zu einem bolschewisierten Amerika« sei.

US-Einwanderungsbehörden verschärften ihre Untersuchungen gegen Sozialisten und Gewerkschafter als Antwort auf eine Streikwelle im Land. Weitere tausende Arbeiter und Arbeiterinnen wurden verhaftet und in Gefängnisse geworfen, wo sie oft geschlagen und unter düsteren Bedingungen festgehalten wurden. Während der antikommunistischen Palmer-Razzien 1919 wurden 5000 amerikanische Arbeiter verhaftet.

Der sozialistische Autor Dave Sherry schreibt: »Mehr US-Bürger wurden während der acht Wochen Hetze gegen die Roten eingesperrt, als das Sowjetregime während der ganzen acht Jahre seiner Neuen Ökonomischen Politik inhaftierte.«

Die britische Boulevard-Zeitung »Daily Mail« veröffentlichte 1924 den »Sinowjew-Brief«. Der Sowjet-Führer Grigori Sinowjew habe eine Note an die Kommunistische Partei Großbritanniens übermittelt, so ihre Behauptung. Darin sei die Rede davon, »die Internationale und das britische Proletariat zu revolutionieren« und die »Ideen des Leninismus in England und in den Kolonien« zu verbreiten. Mit dieser Veröffentlichung zielte die Zeitung, nur vier Tage vor den Parlamentswahlen, darauf ab, die Labour Party mit anzuschwärzen.

75 Jahre später gaben die Behörden zu, es handelte sich um eine Fälschung.


Auszüge aus »Our terrified rulers spread lies to undermine revolution«
https://socialistworker.co.uk/

Aus dem Englischen von David Paenson.

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