Gregor Gysi – „Ein Leben ist zu wenig“

28. Mai 2020 - 12:30 | | Politik | 0 Kommentare

Gregor Gysi ist einer, wenn nicht sogar der bekannteste linke deutsche Politiker unserer Zeit. In seiner Autobiographie „Ein Leben ist zu wenig“ erzählt er von den privaten sowie den politischen Höhen und Tiefen seines außergewöhnlichen Lebens.

„Ein Leben ist zu wenig“ berichtet von dem Leben von Gregor Gysi sowohl in DDR-Zeiten, als auch in Zeiten des vereinten Deutschlands nach dem Mauerfall. Es verdeutlicht vor allem die Schwierigkeit, einen solch hohen politischen Posten zu besitzen und trotzdem ein erfülltes privates Leben zu haben. Früh lässt sich im Buch durch seine Kindheit und Erziehung in der DDR erkennen, warum er eine linksgerichtete Politik verfolgt.

Gregor Gysis Kindheit

Gregor Gysi wächst in einem guten Elternhaus mit Kindermädchen auf. Ihm mangelt es nicht an Zuneigung und er besitzt oftmals mehr Privilegien als andere Kinder in seiner Klasse, was auf den Posten seines Vaters in der SED zurückgeht. Ein schönes Beispiel dafür ist der Besitz einer Beatles-Platte, mit der er so gut wie eines der einzigen Kinder in der DDR war, die Platten aus dem Westen besaßen. Allerdings war Gysi kein Streber wie viele heute vielleicht denken würden. Er tat oftmals nur das nötigste, um durchzukommen.

Seine Zeit als Anwalt

Nachdem er in der Schule unfreiwillig den Beruf eines Rinderzüchters erlernen musste, studierte Gysi nach seinem Abitur Jura an der Humboldt-Universität in Berlin. Mit 23 Jahren wurde er der jüngste Rechtsanwalt der DDR-Geschichte. Als Anwalt gehörten zunächst viele Ehepaare, die sich scheiden lassen wollten, zu seinen Klienten, aber nach und nach vertrat er auch immer mehr Menschen, die in der DDR als Systemkritiker galten, oder Ausreisewillige. Darunter waren auch bekannte Namen wie Robert Havemann oder Rudolf Bahro. Somit galt er als einer der wenigen freien Rechtsanwälte der DDR.

Schwierigste Aufgabe seines Lebens

Neben Erich Honecker und Egon Krenz gehörte auch Gregor Gysi zum Vorsitzenden der SED.  Genauer genommen, war er der letzte Vorsitzende der SED-PDS. Somit führte er die SED noch in der DDR von März 1990 bis zur Wiedervereinigung an. Nach der Wiedervereinigung sorgte er dafür, dass die SED nicht aufgelöst wurde, sondern durch die Umbenennung in PDS eine linke Partei in der BRD etabliert wurde. Darin lag wohl die größte Schwierigkeit. Denn viele wollten nach dem Untergang der DDR vor allem im Westen keine linke Partei auf ihrem Wahlzettel haben, weil diese automatisch mit der Gewalt und der Unterdrückung des SED-Regimes verbunden wurde. Gregor Gysi schaffte es allerdings trotz vieler Anfeindungen durch das deutsche Volk und der nicht vorhandenen Akzeptanz durch andere Parteien, im Bundestag eine linke Partei in Deutschland zu etablieren und salonfähig zu machen. Im Jahr 2015 legte Gysi dann allerdings sein Amt als Bundestagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der Linken nieder. Auch wenn Gysi im Gegensatz zu vielen anderen Politikern und Zeitgenossen auch die ein oder anderen guten Erfahrungen aus der DDR mitnahm, sagte er trotzdem vor ungefähr einem Jahr in einem Interview: „So, wie die DDR war, ist sie zu Recht gescheitert“.

Gregor Gysi geht genau wie sein Vater Klaus Gysi bis heute davon aus, dass der Kapitalismus nicht die letzte Antwort gewesen seien kann.

Die Autobiographie ist für jeden geeignet, der sich für Politik interessiert und sich auch mal aus einer anderen Perspektive mit der DDR auseinandersetzen will. In so gut wie keinem Buch bekommt man so intensive Einblicke, wie eine Partei vom politischen Abgrund hinauf zu einer etablierten Partei wird und das in nur ungefähr 20 Jahren. Des Weiteren gehört Gregor Gysi zu den wenigen linken Politikern, die eine Auslandsreise nach Israel anführen durften und außerdem Persönlichkeiten wie Che Guevara traf.

Gregor Gysi: „Ein Leben ist zu wenig“ – Die Autobiographie. Das Buch kann hier direkt beim Aufbau Verlag bestellt werden.

Dieser Text stammt von Nils Boneberger.


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