Glyphosat verhindern

23. Februar 2017 - 12:37 | | Politik,Wirtschaft | 1 Kommentare

Die Europäische Bürgerinitiative “Stop Glyphosate” zählt in weniger als zwei Wochen nach ihrem Start bereits 300.000 Unterschriften. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Glyphosat in der EU komplett zu verbieten. Ein breites Bündnis aus über 50 Umwelt- und Kampagnenorganisationen aus ganz Europa steht hinter der Europäischen Bürgerinitiative (EBI).

Die europäische Kampagnenorganisation WeMove.EU ist eine der treibenden Kräfte hinter der Bürgerinitiative. Für die Glyphosat-Initiative wurden eigens Mitarbeiter eingestellt die seit fast einem halben Jahr mit dem stetig wachsenden Unterstützerkreis gemeinsam dieses Mammutprojekt vorbereiten, planen und durchführen. Aus dem Umweltbereich unterstützen die EBI zum Beispiel Greenpeace, Global2000, die Health and Environment Alliance (HEAL) und das Pesticide Action Network (PAN). Aber auch Kampagnenorganisationen wie Campact aus Deutschland, Skiftet aus Schweden oder Uplift aus Irland sind mit von der Partie. Die einen bringen das fachliche Wissen, die anderen die Möglichkeit zur Massenmobilisierung, um den Widerstand gegen Glyphosat möglichst wirksam zu gestalten.

Es werden drei Hauptziele mit der EBI verfolgt: Neben dem totalen Verbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat soll die EU Kommission sich für Pestizid-Neuzulassungen nur noch auf unabhängige und allgemein zugängliche Studien berufen dürfen. Viel zu viele Studien mithilfe derer EU-Behörden über eine Zulassung entscheiden, werden von der Pestizid-Lobby finanziert. Zuletzt werden von der Kommission verpflichtende, schrittweise Reduktionsziele für die Nutzung aller Pestizide verlangt, bis hin zu einem kompletten Verbot. Viele Organisationen arbeiten schon lange daran, Pestizide wie Glyphosat komplett zu verbieten. Im Sommer 2016 konnte durch massive Proteste erreicht werden, dass der Zeitraum für die Zulassung von Glyphosat auf lediglich 18 Monate begrenzt blieb. Die EU Kommission hatte eigentlich geplant, das Pflanzenschutzmittel für weitere 10 Jahre zuzulassen, Monsanto und Partner warben für 15 Jahre. Viele der Unterstützerorganisationen der jetzigen EBI gegen Glyphosat waren an der großen und äußerst erfolgreichen Kampagne gegen die Neuzulassung letzten Sommer beteiligt. In der Summe aller Organisationen konnten damals mehr als 2,5 Millionen Unterschriften gesammelt werden.

Große Gefahren für Mensch und Umwelt

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist hoch umstritten. Von Monsanto in den 50er Jahren erstmals zur Unkrautbekämpfung auf Feldern synthetisiert, steht es inzwischen im Verdacht krebserregend für den Menschen zu sein. Durch Rückstände in unserem Essen gelangt es in unsere Körper. Ein weiteres Problem ist, dass Pflanzen die gegen Pflanzenschutzmittel resistent sind öfter in Monokulturen angebaut werden und somit direkt zu einem Verlust von Biodiversität beitragen. Neben diesen Gefahren für Mensch und Natur geht es auch um die Art wie die EU mit potenziellen Risiken umgeht: Wobei die USA traditionell den risikobasierten Ansatz verfolgen, galt in der EU bisher der gefahrenbasierte Ansatz. Risikobasiert bedeutet, dass man erst dann etwas unternimmt, wenn wirklich eine Gefahr für den Menschen bewiesen ist. Handelt man gefahrenbasiert versucht man hingegen, mögliche Gefahren schon von vornherein zu unterbinden. Glyphosat als potenzielle Gefahr für den Menschen sollte also – bis das Gegenteil bewiesen ist – verboten werden.

Nachdem die Bürgerinitiative offiziell registriert wurde, haben am 8. Februar verschiedene öffentliche Aktionen in europäischen Hauptstädten statt gefunden: Von Berlin über Brüssel, Madrid, Paris, Rom und Tallinn. Der Weg zu einer Millionen Unterschriften, die es für eine erfolgreiche Bürgerinitiative braucht, wird anstrengend und weit. Die breite zivilgesellschaftliche Koalition hat sich das ehrgeizige Ziel gesteckt, bis zum Sommer 2017 diese Marke zu knacken. Damit soll vor der voraussichtlichen Entscheidung der Kommission zur Zukunft von Glyphosat im Oktober diesen Jahres so viel Druck wie möglich ausgeübt werden. Dafür muss auch bei den europäischen BürgerInnen das Bewusstsein geschaffen werden, Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat zu verhindern und damit auch die Macht der Lobbyisten zu brechen. Die Gesundheit von Menschen und die Unversehrtheit der Umwelt geht vor Profit, diese deutliche Botschaft vermittelt die Kampagne.

Weitere Bilder hier: http://media.greenpeace.org/collection/27MZIFJJ2SMKI

Dies ist ein Gastbeitrag von Till Ehrmann

Till Ehrmann ist Master-Student in „European Studies“ an der Universität Aalborg in Dänemark. Er arbeitet derzeit bei der politischen Organisation und Bürgerbewegung „WeMove.eu„.

Über den Autor

Politikwissenschaftler // Universität Aalborg, Dänemark // Schwerpunkte: Türkei, Kurdistan, EU/Europa

Ein Kommentar

  • 1
    Roberta says:

    Die Bürgerintiative gegen Glyphosat ist wichtig, aber sie braucht mindesten 1 Mio. Menschen aus der EU, die sie unterzeichnen.

    Nach zwei Wochen sind zwar schon über 399.000 Unterschriften zusammengekommen, aber davon knapp 300.000 allein aus Deutschland.

    Die genau aktuelle Stimmverteilung nach Ländern sortiert gibt es auf der Petitonsseite:

    https://sign.banglyphosate.eu/stats

    Denn aus Ländern wie Spanien (erst 15.351 von 40.500), Österreich (erst 10.517 von 14.250), UK (erst 5.349 von 54.750), Frankreich (erst 16.508 von 55.500), Polen (erst 468 von 38.250), Italien (erst 13.353 von 54.750), Belgien (schon 17.108 von 16.500) oder Niederlande (erst 1.731 von 19.500) kommen aber jeweils erst wenige tausend Stimmen. 


    Dies ist schwach, denn es müssen bei der EU Initiative, je nach Einwohnerzahl, mindestens zwischen 4500 (Malta) und 74.250 (Deutschland) Unterschriften pro Land abgegeben worden sein.
    
Den genaue Anzahl der Stimmen pro Land, die benötigt werden, kann man hier nachlesen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Bürgerinitiative

    
Daher wäre es wichtig, vor allem Menschen in den Nachbarländern zu aktivieren, denn die Kampagne läuft zwar 1 Jahr lang, soll aber bereits im Juni 2017 das Ziel erreichen.

    Dies ist entscheidend, da im Juni wohl auch die Glyphosat Ergebnisse der ECHA veröffentlicht werden. 

Denn die ECHA Ergebnisse werden dann die Basis für die Entscheidung der einzelnen EU Länder für oder gegen eine Verlängerung ovn Glyphosat.

    D.h. kontaktiert bitte so viele Bekannte und Freunde wie möglich im Ausland, denn sonst scheitert die Bürgerinitiative.

    Und wer noch Gründe gegen Glyphosat braucht, findet beim Umweltinstitut München eine 12-seitige PDF Zusammenfassung der gefährlichen gesundheitlichen Folgen von Roundup und Co für Mensch und Tier.

    http://www.umweltinstitut.org/images/gen/aktionen/Roundup/Studien-Glyphosat.pdf

    Oder in diesem sehr gut recherchierten Artikel von Sascha:


    https://sascha313.wordpress.com/2016/05/24/toedliche-luegen-glyphosat-bfr-die-schande-fuer-deutschland-das-treiben-der-laemmer/

    Danke.