Italo Calvino: Zuletzt kommt der Rabe

14. Juni 2018 - 16:13 | | Kultur | 0 Kommentare

Was bleibt einem noch zu tun in der kargen Wüste moralischer und existentieller Abgründe die in Deutschland ihre Bühne finden und schamlos darauf tanzen als sei das Kabarett des Absurden das Opium des Volkes. Wenn gesichtslose Diener der Zerstörung und der Doppelzüngigkeit Freudenfeuer des Hasses in jeder Stadt entzünden, während ihre Hohepriester im kalten Gewölbe mit einer Kuppel junge Mädchen als Opfer ihren Göttern darbringen und leise grade zu unhörbar laut lachen, während Körper in ihren Freudenfeuern zerschmelzen. Können wir da noch bewaffnet mit unseren Phrasendreschern im Schützengraben der elektronischen Zahlen sitzen? Wäre es nicht Zeit, die Zeit anzuhalten, den Lauf der Zeit zu verändern, zeitig sich zu besinnen und beizeiten sich zu rüsten? Viel Zeit bleibt uns nicht.

Italo Calvino hatte diese kostbare Zeit auch nicht. Im August 1943 wurde er von den faschistischen Häschern gefangen genommen weil er nicht für sie kämpfen wollte. Im November sollte er gerichtet werden, doch ihm gelang die Flucht. Seine Eltern wurden als Geiseln genommen und seelisch gefoltert. Clavino schloss sich dem Widerstand an. In elf kurzen Geschichten erzählt er uns über seine Zeit in der Resistenza. Er beschreibt grässliche Erfahrungen des Kriechens in dreckigen dunkelen Höhlen um nur dem Tod zu entrinnen, über die letzten kümmerlichen Tiere die, die Deutschen italienischen Bauern weg nahmen und über dunkele lange Ausflüge in den Wald ohne Wiederkehr. Der frühe Calvino ist stets klar und leicht in seiner Sprache, unbeschwert kann er den Tod und eine Tortenorgie beschreiben als wäre es ein und das selbe. Vielleicht war eben deswegen, damals der Unterschied nicht besonders groß.

Nicht nur der historische, sondern auch der literarische Wert macht diese Geschichten aus und muss deshalb auch dringend wieder gelesen werden. Natürlich hätte ich auch Levi oder Ginzburg oder Scholohov oder oder oder nehmen können, ich entschied mich für Calvino. Er ist nicht zuletzt deshalb ein Beispiel für uns weil er gekämpft hat, während andere sich versteckten. Er und seine Genossen. All zu viele Schicksale wurden in dieser Zeit des Faschismus gerissen um von ihr auseinander gefetzt zu werden. Millionen von Schicksalen. Damals wie heute gilt deshalb: Nie mehr Faschismus, nie mehr Krieg!

Über den Autor

Julius ist Publizist und Blogger mit dem Schwerpunkt auf Literatur und Literaturkritik. Seit Jahren engagiert er sich in Politik und Bewegung.