„Lügen kosten Leben“ – Das schmutzige Spiel mit der Wahrheit

Die Welt scheint schon seit Langem aus den Fugen geraten zu sein. Kriege, Terrorismus, Umweltzerstörung, schreiende soziale Ungerechtigkeiten, und trotzdem berichten viele Mainstreammedien über die Kardashians oder Justin Bieber. Wo sind die mündigen BürgerInnen, ZuschauerInnen, LeserInnen, die den Regierenden auf die Finger schauen wollen und sich nicht von ihren Lügenkonstrukten beirren lassen? In den USA gibt es einige mutige Journalistinnen und Journalisten, die sich abseits der Großmedien trauen, der politischen Elite Widerspruch zu leisten, ihnen ihre Lügen vor Augen zu halten, die richtigen Fragen zu stellen, und so die eigentliche Rolle der Medien wahrnehmen: die vierte Gewalt zu sein. Die ARTE-Dokumentation „Jede Regierung lügt“ ruft das Vermächtnis des großen US-Journalisten I.F. Stone ins Gedächtnis, pünktlich zum Amtsantritt des wohl umstrittensten Präsidenten der US-Geschichte.

Lügen sind schon immer Teil des politischen Geschäfts gewesen. Nur so gelingt es Regierungen überall in der Welt die eigene Macht  zu sichern und die als nationale Interessen deklarierten politischen Entscheidungen durchzusetzen. Besonders dramatisch ist und war der Fall der fingierten Beweise im Vorlauf des Irak-Krieges 2003. Die Regierung um Präsident George W. Bush behauptete, der irakische Diktator Saddam Hussein besäße Massenvernichtungswaffen, die Geheimdienste ausfindig gemacht haben sollen. In der sogenannten Koalition der Willigen attackierte eine internationale Militärallianz den Irak, tötete mehr als eine Viertel Million Menschen, vertrieb Millionen von Zivilisten, destabilisierte das Land bis zum heutigen Tage, und ganz nebenbei, auch in den USA selbst hat der Irak-Krieg einen immensen Schaden hinterlassen. Große Teil der Medien haben nämlich völlig unkritisch und dem Pentagon hörig berichtet, kritischen Stimmen gegen die völkerrechtswidrige Invasion, die vornehmlich auf geostrategische Interessen der USA basierte, wurden kaum zugelassen. So machten sich die Mainstreammedien am massenhaften Morden mitschuldig und bis heute haben sie ihre eigentliche Kernaufgabe, die unabhängige Kontrollfunktion offensichtlich nicht verstanden. Im Gegenteil, auch durch ihr Zutun hat es ein notorischer Lügner wie der Immobilienmogul Donald Trump jetzt sogar ins Weiße Haus geschafft, einer der höchsten Machtzentren dieser Welt.

Erschütternd sind die Beispiele, die JournalistInnen wie Glenn Greenwald und Laura Poitras („Citizenfour“), Cenk Uygur (ehemals „The Young Turks“ und MSNBC), Amy Goodman („DemocracyNow!“), Jeff Cohen, Matt Taibbi, und Jeremy Scahill schildern. Die Medien werden als Kriegsmaschinerie genutzt, statt die „größte Friedenswaffe“ zu sein, wie DemocracyNow-Reporterin Amy Goodman sagte. Alternative Medien und Mediennetzwerke decken weiterhin die kriminellen Machenschaften eines dunklen Geflechts aus Politik, Wirtschaft, und Finanzen auf. Hochrangigen US-Politiker wie die ehemaligen Präsidenten Nixon, Bush Jr., Obama, ex-Außenminister Colin Powell und Hillary Clinton, oder der amtierende Präsident Trump haben einen für eine Liberaldemokratie skandalösen Umgang mit der Wahrheit gepflegt. ARTE erinnert an den Geist I.F. Stones und die Beteiligten der Dokumentation, wie die renommierten Chris Hedges und Noam Chomsky, machen deutlich, dass die Bevölkerung wie selten zuvor gefordert ist, gegen die propagierte Meinung der Etablierten endlich Widerstand zu leisten, um gewollte Kriege, Terrorismus, und Armut zu beenden. Wie der Pulitzer-Preisträger Hedges es formulierte: „Wenn du ein Gewissen hast, kannst du Unterdrückung, Grausamkeiten, Genozide nicht verleugnen“. Weder PolitikerInnen noch BürgerInnen haben das bislang ausreichend beachtet.

Die außergewöhnliche Dokumentation ist unter anderem unter dem folgenden Link zu finden:

Über den Autor

Politikwissenschaftler // Internationale Politik // Schwerpunkte: Türkei, Kurdistan, Europa und die Europäische Union