„Demokratie wird so überschätzt“

3. März 2015 - 19:50 | | FL TV | 0 Kommentare

„Dass ich diese Pflicht freiwillig, ohne geheimen Vorbehalt oder ohne die Absicht mich ihr zu entziehen.“ Mit der rechten Hand zum Treueschwur erhoben und die Linke auf der Bibel, wiederholt der kommende Vizepräsident der USA, „dass ich diese Pflicht freiwillig, ohne geheimen Vorbehalt oder ohne die Absicht mich ihr zu entziehen, “ der Hintergrund friert ein und der Vizepräsident schaut in die Kamera am Boden und wendet sich an den Zuschauer. „Nicht eine Stimme bekommen und nur noch einen Herzschlag von der Präsidentschaft entfernt. Demokratie wird so überschätzt.“ Willkommen hinter den Kulissen der Macht in den Vereinigten Staaten von Amerika, willkommen in „House of Cards“.

Es ist ein regnerischer Tag im Herbst in Washington DC. Arbeiten an einem Haus, das zu einer Festung umgewandelt wird, laufen auf Hochtouren. Hinter den neuen Stahltüren des Hauses, welches in einer der wohlhabenderen Gegend der Hauptstadt der USA liegt, spielt sich eine bizarre Szene ab.  Frank Underwood legt den Amtseid für die Vizepräsidentschaft ab, im Beisein seiner engsten Vertrauten und der, aus seiner Sicht, aussichtsreichsten Abgeordneten der Demokraten.
Die Straße vor dem Haus scheint vom Regen sowie Agenten des Secret Service und Streifenwagen überschwemmt zu werden. Denn an diesem Tag wird Frank Underwood, ehemaliger Mehrheitsführer der Demokraten im Kongress, als neuer Vizepräsident der USA vereidigt. Die erste Staffel beginnt nach den Wahlen 2013, nach denen der neue Präsident der Demokraten Frank Underwood den Posten des Außenministers versprach, dieses Versprechen jedoch nicht einlöst und so beginnen Frank Underwood und seine Frau Claire einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen alle, die Ihnen im Weg stehen die absolute Macht zu ergreifen. Claire Underwood leitet in der ersten Staffel die „Clear Water Initiative“, eine NGO für den Aufrechterhalt von Naturschutzgebieten, doch auch im Laufe wird ersichtlich, dass es für sie ebenfalls um mehr als nur eine wohltätige Organisation geht.

In Kooperation mit Lobbyisten und Wohltätern, den reichsten der Reichen, spielen sich die Eheleute jeweils den Ball zu und nutzen gekonnt jegliches ihnen zur Verfügung stehendes Kapital, um Macht über einzelne zu erlangen, die sie für ihre Zwecke der Manipulation gebrauchen können. Doch es ist auch keine Ehe aus ersichtlicher Zuneigung, sondern aus purem Pragmatismus beider Parteien mit gemeinsamer Zielsetzung und keiner der beiden beharrt auf Religion oder Monogamie. Es gibt für sie keine gesellschaftliche, keinerlei politische Loyalität. So berichtet Francis seiner Frau von dem Gespräch in dem er erfährt, dass er nicht Außenminister wird, und ihre NGO keine Spenden für geplante Brunnenbohrungen in Afrika erhält und sie ergreift das Wort: „Ich möchte […] mehr sehen! Du hast mehr drauf Francis!; „Tja, tut mir leid Claire, es tut mir leid!“; „Nein, das kann ich nicht akzeptieren. […] Entschuldigungen, mein Mann entschuldigt sich nicht, nicht mal bei mir!“ Nur um nach einer schier endlos langen Nacht zu einem Plan zu gelangen, welcher sich wie ein roter Faden durch die gesamte Serie ziehen wird und dem Mitarbeiterstab, repräsentiert durch seinen loyalen Gefolgsmann Doug Stamper, von Francis vorgelegt wird. „Die haben uns einen großen Gefallen getan, wir sind ab jetzt nicht mehr zur Loyalität verpflichtet. Wir dienen keinem mehr und wir leben nur noch nach einer einzigen Regel: Nie wieder werden wir zulassen, dass wir in so eine Situation gebracht werden. […] ich mache sie alle dafür verantwortlich. […] Es geht um mehr als [..Vergeltung]. Treten sie etwas zurück und betrachten sie das große Ganze. „Kern (der Außenminister an Francis statt)?“ „So verschlingt man einen Wal Doug, einen Bissen nach dem anderen!“

Es ist ein düsterer Politthriller, der sich langsam aufbaut, die Zuschauer jedoch nicht verpasst mit zu nehmen. Gekonnt bindet Kevin Spacey als Francis Underwood den Zuschauer mit Monologen vor ein in seine Machtspielchen ein, während er, als machthungriger Pragmatist, alles dafür tut seine wahren Motive vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Diese Serie ist die gekonnte Umsetzung von Shakespeares Stück Richard III., in einer modernen Realität und mit einem modernen Tyrannen portraitiert es auf erschreckend ehrliche Art und Weise das alltägliche politische Geschäft in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten, Washington D.C. Geschäft im wahrsten Sinne des Wortes, wie schon in den ersten drei Minuten, der ersten Folge  die Serie von Kevin Spacey eingeleitet wird, „geben und nehmen, willkommen in Washington“. Die Netflix Orginal Series „House of Cards“ mit zwei Golden Globes prämiert, feierte am 27.02.2015 den Start der 3. Staffel und ist momentan nur auf Sky in Deutschland komplett zu sehen, nachdem Netflix die Rechte für die Ausstrahlung der 3. Staffel in Deutschland an Sky verkauft hat.

Der Artikel wurde verfasst von Alexander Gutmann.

 

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