Österreichisches Parlament brüskiert Holocaustüberlebende Hedy Epstein

26. März 2016 - 09:37 | | Politik | 0 Kommentare
© Free Gaza Movement

Hedy Epstein, 92 Jahre alt, deutsche Jüdin und Holocaustüberlebende, ist eine Person, die zu ihren humanistischen Überzeugungen steht. Am Weltfrauentag am 8. März sollte sie im österreichischen Parlament auftreten. Aber sie wurde wieder ausgeladen! Geplant war am diesjährigen „Internationalen Frauentag“, Überlebende des Zweiten Weltkriegs zu interviewen. Die Veranstaltung wurde abgesagt, nachdem die Jerusalem Post und das Simon Wiesenthal Center Druck auf das Parlament gemacht und Frau Epstein wirklich beschämend diffamiert haben. Sie sei „keine Überlebende im klassischen Sinn“ und eine „notorische Antizionistin“.

„Keine Überlebende im klassischen Sinn“ – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ihre Eltern sind in Auschwitz ermordet worden, haben es aber noch geschafft, ihr Kind mit den Kindertransporten aus Deutschland nach England zu retten. Schmälert so ein „Vorwurf“ tatsächlich die Anteilnahme der österreichischen Nationalratsabgeordneten? Es geht den Angreifern natürlich nur um den zweiten Vorwurf, Hedy Epstein, die „notorische Antizionistin“.

Hedy ist eine bekannte Kritikerin Israels und sie hat alles Recht dazu. Als 21-Jährige hat sie an den Nürnberger Prozessen teilgenommen und die Verbrechen der NS-Ärzte untersucht und aufgedeckt. Bis dahin wusste sie zwar, dass ihre Eltern im KZ umgebracht wurden, aber nicht welche Foltermethoden die Nazis angewandt haben. Für die einzige Überlebende der Familie Wachenheimer aus Kippenheim am Schwarzwald ein prägendes Erlebnis.

Sie arbeitete nach Nürnberg in einer Flüchtlingshilfsorganisation, engagiert sich in der Bürgerrechtsbewegung, hat mit Henning Mankell am Gaza-Hilfskonvoi teilgenommen und wurde 2014 in St. Louis verhaftet, als sie wegen der Ermordung Michael Browns durch US-Polizisten protestierte.

Wo bleibt Meinungsfreiheit?

Im österreichischen Parlament sollte Hedy Epstein ganze sieben Minuten lang über ihre Arbeit im Nürnberger Prozess reden. Neben ihr wären Reiko Yamada, eine japanische Überlebende des Atombombenabwurfes über Hiroshima, und Rosina Wernig, eine Kärntner Slowenin, die 1942 deportiert wurde und die Lager der Nazis überlebt hatte, aufgetreten. Aber lieber hat das Parlament alle ausgeladen, als eine Person dazuhaben, die bei Zionisten unerwünscht ist.

Vielleicht ist Zivilcourage von österreichischen Parlamentarier_innen zu viel verlangt, aber dass die österreichischen Medien die Anfeindungen kritiklos übernommen haben, ruft internationalen Protest hervor. Noam Chomsky und Alice Walker haben einen Protestbrief an die österreichischen Medien unterzeichnet und erinnern daran, dass Meinungsfreiheit und Redefreiheit Werte sind, die sie aus eigenem Interesse verteidigen sollten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf linkswende.org, von Manfred Ecker.

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