Deutschland einig Autoland?

5. Oktober 2019 - 12:00 | | Politik | 0 Kommentare
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 Wird das Auto zunehmend zum Relikt aus einer vergangenen Zeit?

Seien es Dieselfahrverbote oder die Diskussionen um ticketfreien ÖPNV, es tut sich einiges in Autodeutschland. Obgleich das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium aktuell alles tut um Stellung und Profite der deutschen Autoindustrie auch in Zukunft sicherzustellen, ist gerade im Kontext der diesjährigen Klimaproteste vielen Menschen klar geworden, dass wir als Gesellschaft grundlegend neu über unser Verkehrswesen nachdenken müssen.

Was bisher geschah…

Seit Jahrzehnten hat die Politik voll auf den motorisierten Individualverkehr gesetzt: viele Bahnstrecken, insgesamt knapp 30.000 Kilometer, wurden geschlossen oder durch unattraktive Buslinien ersetzt. Die Folge: Vor allem auf dem Land nutzen immer weniger Menschen den Öffentlichen Verkehr. Mancherorts wurde er, bis auf gelegentliche Schulbusse, längst völlig eingestellt. Der allergrößte Teil der Bahnanschlüsse von Unternehmen wurden ebenfalls geschlossen. Die Folge: Ein immer weiter steigender Anteil des Gütertransports rollt über die Autobahnen, die, obwohl Deutschland schon heute über das dichteste Straßennetz der Welt verfügt, immer weiter ausgebaut werden. Während die Ticketpreise jedes Jahr deutlich steigen, sind Autofahrer nach wie vor ein Goldenes Kalb der Politik, das, etwa durch die Pendlerpauschale, gehegt und gepflegt wird.

Trotz all dieser Tatsachen steigen die Fahrgastzahlen im Öffentlichen Verkehr aber heute wieder deutlich an. Die Fernzüge werden immer voller, sogar die vor wenigen Jahren totgesagten Nachtzüge erleben eine Renaissance. In den Städten haben immer weniger, gerade junge Menschen einen Führerschein, geschweige denn ein eigenes Auto. Das Auto verliert nach und nach seinen Stellenwert als Statusobjekt und erscheint zunehmend als Relikt aus einer vergangenen Zeit, in der das Auto einen Zugewinn an Lebensqualität und Mobilität versprach, was in den heutigen Städten kaum mehr der Fall ist. Anders verhält es sich wohlgemerkt auf dem Land, wo alle notwendigerweise auf das Auto angewiesen sind.

Neue Wege braucht das Land

Und trotzdem steigt weiterhin die Zahl zugelassener Autos auf neue Rekorde. Anfang 2019 wurde die gigantische Zahl von 64,8 Millionen erreicht, während der Anteil von Elektroautos sich weiterhin auf einem marginalen Niveau bewegt. Ebenso wächst auch die Zahl der LKWs, die täglich in Deutschland unterwegs sind. All das macht nicht nur den Autoverkehr wegen zunehmenden Staus unattraktiver, sondern ist auch Gift für das Klima.

Für einen zukunftsfesten und nachhaltigen Verkehr brauchen wir aber nicht nur weniger Autos, sondern einen grundlegenden Wandel unserer Mobilität. Denn Autos sind nicht nur klimaschädlicher als öffentliche Verkehrsmittel; sie sind schlichtweg viel ineffizienter. Können in einem herkömmlichen Stadtbus ca. 50 Personen oder in einer Straßenbahn 100 Personen problemlos Platz finden, nehmen mehrspurige Fahrbahnen oder gigantische Parkplätze, zudem noch einen nicht unwesentlichen Teil des öffentlichen Raums für sich in Anspruch. Besonders im städtischen Raum können wir uns dieses Maß an Individualverkehr langfristig nicht mehr leisten. Wir brauchen vielmehr Fortbewegungsformen, die nicht nur das Klima schonen, sondern allen Menschen, unabhängig davon, ob sie sich einen großen SUV leisten können, den gleichen Anteil am öffentlichen Raum bereitstellen, egal ob sie sich zu Fuß, per Fahrrad oder eben im ÖPNV bewegen.

Um das zu erreichen müssen wir nicht nur einen stark verdichteten und fahrscheinlosen, also nicht sozial diskriminierenden, ÖPNV einführen, sondern ebenso die Bedingungen für Fahrradfahrerinnen, Fahrradfahrer und Fußgänger verbessern. Damit haben wir eine gute Möglichkeit, nicht nur die Lebensqualität für alle zu verbessern, sondern auch dieVerpestung der Atmosphäre deutlich reduzieren.


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