Spardiktat oder Menschenleben – Die Tragik des griechischen Winters
Das Spardiktat, dem sich die griechische Regierung beugen muss, ist hart und es zeigt, dass die EU vor allem dem Kapital nützt und nicht viel mit der Idee Europa gemein hat. In der vergangenen Monaten demonstrierten hundertausende Griechen gegen den Sozialabbau, die Rentenkürzungen und die “Einsparungen” im Bildungsbereich, die die EU und der IWF den Griechen aufgezwungen hat. Der Einbruch des Winters zeigt nun die schlimmste Seite des Kapitalismus.
Fast dem kompletten nordgriechischen Dorf Neohori Serron wurde am Mittwoch bei Temperaturen von 8 Grad Minus der Strom abgedreht. Die 50 Familien, des vor allem von alten Leuten und Roma bewohnten Dorfes hatten die neue über die Stromrechnung erhobene Sondersteuer auf ihre bescheidenen eigenen vier Wände nicht bezahlt. Dies führte dazu, dass mehrere Menschen Erfrierungen erlitten und besonders Alte und Kinder mit Angst in die Zukunft blicken.
Athen und die Not der Obdachlosen
In Athen räumte die Bereitschaftspolizei unterdessen am selben Tag ein von Obdachlosen besetztes Gebäude, das leerstand und den Obdachlosen zumindest ein Dach über dem Kopf gesichert hätte. Die auf Anweisung des ehemaligen Ombudsmannes und jetzigen Bürgermeisters der Hauptstadt, Giorgos Kaminis, handelnden Polizisten nahmen 15 Obdachlose und Unterstützer fest, die in den nächsten Tagen dem Schnellrichter vorgeführt werden und für ihren “Einbruch” bestraft werden sollen.
Die Tempraturen liegen auch in Athen momentan unter 0 Grad und die Obdachlosen haben fast keine Möglichkeiten der Kälte zu entfliehen, statt in einem leerstehenden Gebäude zu übernachten, dürfen sie sich nun auf Strafen gefasst machen. Lediglich im weit vom Stadtzentrum entfernten ehemaligen Olympiastadion werden geheizte Räume für Übernachtungen bereitgestellt. Ansonsten überläßt man die Hilfe Organisationen der Zivilgesellschaft. Deren Ressourcen werden allerdings immer knapper, da viele Griechen mit dem Hunger zu kämpfen haben und so nur schwer etwas abgeben können.
Die wahre Tragik des griechischen Winters liegt nicht in seiner Kälte oder in den Sparmaßnahmen, sie liegt in der Offenbarung des Neoliberalismus. Wenn der Staat Menschen auf offener Straße erfrieren lässt, nur um von Ratingagenturen gut beurteilt zu werden und von der EU und dem IWF neues Geld zu erhalten, dann zeigt das eindeutig, wie sehr dieses System die Menschlichkeit gefährdet.
Ein System, in dem die Menschen und die Politik den Wünschen der Finanzindustrie ausgesetzt sind, kann kein menschliches sein. Wenn in Griechenland die Menschen den Kältetod sterben, weil die Regierung alle Kosten den Armen aufwälzt und diese keine Mittel haben um die Heizung zu bezahlen, die abgeschaltet wird, dann offenbart dies nur, dass das System Neoliberalismus alles sein mag, aber sicher nicht menschlich und sicher nicht sinnvoll!



Pingback: Die Griechen müssen Deutschland danken! | Die Freiheitsliebe