Schlecker zeigt die böse Fratze des Kapitalismus
In den letzten 60 Jahren dürfte es in der Bundesrepublik zu keiner ähnlichen großen Insolvenz gekommen sein, wie der von Schlecker. Die Drogeriekette Schlecker muss in die Insolvenz gehen und einzelne Teile des Unternehmens, wie die Schlecker-Tochter »Ihr Platz«, die rentablen Auslandsgesellschaften und die Schlecker-XL-Märkte, werden verkauft. Mehr als 13700 Beschäftigten des schwäbischen Konzerns mit einst 40000 Angestellten droht die Arbeitslosigkeit.
“Eine Gesamtlösung für die Anton Schlecker eK war nicht möglich” sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Freitag in Berlin. Nachdem sich zahlreiche Kaufinteressenten zurückgezogen hätten, sei auch die letzte Offerte »preislich für die Gläubiger nicht akzeptabel “gewesen”, so Geiwitz. Die mehreren tausend Kündigungsschutzklagen der Mitarbeiter und die anhaltenden Verluste seien “die K.o.-Pille” gewesen.
Schuld bei “verarmter” Schleckerfamilie
Schuld für das endgültige aus derDrogeriekette Schlecker sieht der Insolvenzverwalter, Arndt Geiwitz, bei der Familie Schlecker und bei der FDP. Beide seien mitverantwortlich, dass die Rettung des Unternehmens nicht glückte, so Geiwitz gegenüber dem Spiegel. Geiwitz hat demnach die weiterhin vermögende Familie Schlecker noch kurz vor dem Beschluss über die Zerschlagung am vergangenen Freitag um eine Verlustfinanzierung von sieben bis neun Millionen Euro für den Monat Juni gebeten. Doch die Familie “war entweder nicht bereit oder nicht in der Lage”, diese Summe zu zahlen, so der Verwalter. Die Familie soll aber noch über etliche Millionen verfügt haben und hätte diese Kosten ohne Probleme tragen können.
Nach Angaben des Handelsblatt besitzt die Schlecker-Familie nach trotz der Insolvenz weiter ein Privatvermögen von 35 bis 40 Millionen Euro. Die Schlecker-Kinder Lars und Meike sollen den Millionenbetrag mit ihrer Leiharbeitsagentur »Meniar« erwirtschaftet haben. Über das Subunternehmen seien rund 4300 zuvor entlassene Schlecker-Mitarbeiter zu deutlich schlechteren Konditionen in Leiharbeitsverträgen an Schlecker zurück vermittelt worden.
FDP trägt Mitschuld
Der FDP warf Geiwitz vor, dass sie eine Bürgschaft für eine Transfergesellschaft abgelehnt hatte.”»Das hat nicht nur uns den Garaus gemacht, sondern war auch eine Farce für die Betroffenen”, sagte Geiwitz dem Spiegel. Die FDP könne eine Transfergesellschaft aus ordnungspolitischen Gründen zwar ablehnen, doch dann müsse sie “auch die Konsequenzen klar benennen und nicht nur auf die Vermittler der Arbeitsagentur verweisen.” Die Liberalen werden auch von den Betroffenen in die Pflicht genommen, die genau wissen, dass sie bald arbeitslos werden. So riefen über 150 Schlechter Betriebsratsmitglieder während einer Kundgebung “Rösler verpiss dich, keiner vermisst dich”. »Die Rettung wurde von der FDP verhindert«, sagte ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske in einer Ansprache.
Böse Fratze des Kapitalismus
Kritik an den Handlungen der Regierung, sowie dem weiterhin großen Privatvermögen der Schleckerfamilie, kam auch von der Linken. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der linken Bundestagsfraktion, Sabine Zimmermann, erkannte in den Handlungen die böse Fratze des Kapitalismus. Bei einer Pressekonferenz sagte sie:
“Die Schlecker-Pleite hat einmal mehr die böse Fratze des Kapitalismus zum Vorschein gebracht. Ein größenwahnsinniger Firmenpatriarch treibt sein Unternehmen in die Pleite und fällt selbst auf finanziell weichen Boden. Die Beschäftigten aber, die den ganzen Reichtum geschaffen haben, stehen mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes vor dem Aus. So etwas darf die Politik nicht akzeptierten. Aus dem Fall Schlecker müssen entsprechende Schlussfolgerungen gezogen werden.”
Sie forderte die Bundesregierung und die anderen Parteien auf, eine Möglichkeit zu finden, bei der die weiterhin reiche Schleckerfamilie für die Kosten und den Übergang sorgen soll:”Jetzt gilt es nicht nur, alle vorhanden rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um an das Vermögen der Familie Schlecker heranzukommen.”
Sie forderte Bundesregierung ebenfalls auf, dass diese “geeignete gesetzliche Maßnahmen ergreifen soll, damit sich Großunternehmen künftig nicht mehr über Rechtsformen wie die des ‘eingetragenen Kaufmanns’ der Gewinn- und Verlustrechnung und der Einrichtung eines Aufsichtsrates entziehen können.” Sie erkannte, dass es wichtig ist die Mitbestimmungsrechte der ArbeitnehmerInnen zu stärken, damit diese deutlicher ihren Einfluss zeigen können, wenn es um die Politik der Unternehmen geht.
Auch die Grünen und die SPD kritisierten die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung und den weiterhin großen Reichtum der Schleckerfamilie.
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