Rassismus ein Teil des Kapitalismus?

Kapitalismus ist Krise?

Jeder Rassismus basiert auf der Konstruktion grundlegender Trennungen zwischen dem “Eigenem” und dem “Anderen”. Diese Identitäten entstehen aus Macht- bzw. Nicht-Machtpositionen innerhalb gesellschaftlicher Widersprüche, wie dem Lohnarbeitsverhältnis, Patriarchat oder der möglichen oder unmöglichen Wahrnehmung von sozialen Rechten.

Die verschiedenen Arten des Rassismus sind durch ihre historische Entstehung, ihre ideologische Herleitung, sowie ihre gesellschaftlichen Funktionen unterschiedlich. Der Antisemitismus in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts  ist mit dem postkolonialen Rassismus nicht identisch und beide unterscheiden sich vom modernen Hass auf Muslime, welcher als Islamophobie verharmlost wird.  Während die »Juden« als mächtige Repräsentanten des Marktes, als Verkörperung des Tauschwertes, erschienen und teilweise heute noch so dargestellt werden, gelten die Muslime als “Ausbeuter des staatlichen Wohlfahrtsystems”. Wenn nun die Frage nach der Verbindung von Kapitalismus und Rassismus gestellt wird, dann ist es sinnvoll die aktuellsten Formen des Rassismus zu beleuchten.

Veränderung des Rassismus

Zu Beginn der  1990er Jahre war noch der »klassische« biologistische und völkische Rassismus selbst in der so genannten Mitte der Gesellschaft vorhanden. Im Rahmen der Globalisierung und des Falls der Mauer nahmen Wohlstandschauvinismus sowie Standortnationalismus zu. Die Unterscheidung wurde nicht mehr nur anhand von völkischen Rassentheorien erkannt, sondern auch anhand von Standortfaktoren, welche mit Rassentheorien gepaart wurden.

Soziale Konflikte werden heute als Kampf der Kulturen beschrieben mit denen besonders die “Muslime” angegriffen werden. Im Namen der Integration wird die Ein- und Unterordnung von Menschen in das jetztige System gefordert. Gleichzeitig werden “die Muslime” aber als Fremdkultur wahrgenommen, welche nicht in die eigene Gesellschaft integrierbar ist. Bei der “Islam-Debatte” sind kulturrassistische Elemente, die am häufigsten verwendete Form von rassistischer Diskriminierung . Die muslimische Bevölkerung wird als eine Einheit betrachtet und das trotz der verschiedensten Herkunftsländer, religiöser Zugehörigkeiten und finanziellen Situation. Alle Menschen aus muslimischen Ländern werden pauschal als Muslime dargestellt, damit die Unterscheidung dieser von der Mehrheitsgesellschaft einfacher wird.

Die Ressentiments gegenüber der muslimischen Bevölkerung bekommen im Vergleich zum völkischen Rassismus des vergangenen Jahrhunderts eine neue Dimension insofern der völkische Rassismus sich auf Konstruktionen von Volk und Rasse berief, welche scheinbar immer unvereinbar mit dem Gleichheitspostulat der bürgerlichen Gesellschaft waren.  Der antimuslimische Rassismus beruht dagegen nicht auf der Idee von Volk und Rasse, sondern auf dem Gegensatz von “Fremdem” und bürgerlicher Gesellschaft.

Der “Islam” und damit alle Muslime gelten als das zu integrierende, in diesem Falle zu unterordnende Element. Gegen den Islam und die Muslime wird mit den Werten der westlichen Welt argumentiert, welche von “Muslimen” angeblich nicht beachtet werden. So bieten jene Ressentiments selbst liberalen Kreisen Anknüpfungspunkte für eine offensive Forderung nach Ungleichbehandlung und Aberkennung bürgerlicher Rechte bei MuslimInnen, da diese eine angebliche Gefahr für die eigene Lebensweise darstellen. Die kulturrassistische Argumentationsweise gegen Muslime ist für wesentlich größere Teile der Gesellschaft nachzuvollziehen, als die völkische Argumentationsweise, da viele deutlich stärker der bürgerlichen Gesellschaft verhaftet sind, als dem Volk.

Bürgerliche Gesellschaft als Basis

Die Verteidigung der bürgerlichen Gesellschaft gegen “die Muslime”, dient vor allem dem Schutz der eigenen Interessen der Privelegiertesten in der Gesellschaft. Diese haben aber keinen Nutzen davon, wenn die Masse der Menschen gegen die eigene Situation aufbegehren und die sozialen Unterschiede als Ursache ihrer eigenen Situation erkennen.

Um zu verhindern, dass die Menschen sich gegen das eigene Unrecht wenden, wird von den Medien und den Herrschenden gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen gehetzt. In der letzten Zeit wurde dies vor allem auf Basis des kulturellen Rassismus sehr erfolgreich getan, so nehmen in allen Schichten der Gesellschaft die rassistischen Ideen zu. Er beruht auf dem Widerspruch, dass die Menschen auf dem Papier gleichberechtigt sind, aber es trotzdem Reiche und Arme, Mächtige und Machtlose gibt. In der heutigen Gesellschaft werden die gesellschaftlichen Unterschiede auf angeborene Intelligenz, Fleiß und andere Charaktereigenschaften zurückgeführt, vergessen werden Erbe und Ausbeutung.

Kapitalismus ohne Rassismus ist nicht möglich” so sprach einst Malcolm X. Wenn man betrachtet, dass die Wut der Mehrheit der Menschen, sich ohne Ablenkung ihrer Wut auf andere Gruppen, auf die Verursacher ihrer Situation richten würden, dann wird deutlich, dass der Kapitalismus eine Form von Diskirminierung benötigt um seine Existenz zu sichern. So wird die Wut der Menschen, in Gedanken wie diesem manifestiert: “Wenn ich gegen die Bonzen nix machen kann, dann will ich wenigstens gegen Muslime vorgehen, die meine Demokratie bedrohen.” Dieser Satz könnte so oder so ähnlich bei vielen Menschen verankert sein, die sich über die aktuelle Situation aufregen, aber nur ihre Wut gegen Muslime oder andere Minderheiten offen zeigen.

In einer Gesellschaft, die immer mehr ertragen muss, ist es selbstverständlich, wenn die Menschen wütend werden. Wenn diese Wut aber auf andere Opfer des Systems gelenkt wird, wie z.B. Muslime denen unterstellt wird, sie seien nicht integrationsfähig, oder Asylanten denen ein Unwille zur Arbeit vorgehalten wird, dann trifft der eigene Zorn nicht die Verusacher, sondern nur Personen, die in der gesellschaftlichen Rankordnung untergeordnet sind.

Rassismus und Diskriminierung sind wichtig für den Erhalt des jetztigen Wirtschaftssystem.

Sozialismus ohne Rassismus?

Der demokratische Sozialismus schafft die Bedingungen, die es ermöglichen gegen den Rassismus vorzugehen, da sowohl wirtschaftliche als auch soziale Unterschiede abgebaut sind. Das Ende der wirtschaftlichen Unterschiede bedeutet aber nicht, dass der Rassismus direkt aus allen Köpfen getilgt ist.

Eine Gesellschaft in der alle Menschen wirklich gleichberechtigt sind, schafft die Möglichkeiten für den Kampf gegen Rassismus!

 

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  • Ahmet aus dem Internet

    Vieles ist natürlich richtig, was im Artikel steht, aber ich bin nicht der Meinung, dass der heutige antimuslimische Rassismus sich wesentlich vom bekannten Antisemitismus unterscheidet, sondern dass er vielmehr eine Spielart davon ist. Auch der moderne Rassenantisemitismus ist kulturalistisch, und so gut wie jeder antisemitische Topos wird heute auf Muslime angewendet. Es stimmt auch nicht, dass Volk und Rasse im antimuslimischen Rassismus keine Rolle spielen würden, sondern es geht ganz zentral um “Überfremdung”, und mir ist auch keine antiislamische politische Kraft bekannt, die sich nicht eindeutig nationalistische Positionen einnimmt. 

    Drittens geht es den Islamgegnern eben nicht um die Integration der Muslime, sondern die Feststellung ihrer Nichtintegrierbarkeit mit dem Ziel der Ausgrenzung, Entrechtung, Vertreibung und letztlich Vernichtung. Genau wie der moderne Rassenantisemitismus geht der antimuslimsiche Rassismus von einer Weltverschwörung aus, die von “der Elite” oder “den Gutmenschen” (“Mainstreammedien”, “Dressurelite”, “Linksgrüne”, “Alt68er”, “Volkspädagogen”, “Umvolker”, “Dhimmis”, etc.), also Demokraten und Antifaschisten, maßgeblich betrieben wird, um “Deutschland abzuschaffen”. Das politische Programm in Sarrazins Buch ist völkisch. Und ja, es ist Antisemitismus. Es gibt immer wieder Andeutungen in der antimuslimischen Publizistik, dass hinter der “Islamisierung” die Juden stecken.

  • Thanthalas

    “Kapitalismus ohne Rassismus ist nicht möglich”

    Naja, wer ruft denn nach “Facharbeitern”? Doch wohl eher Firmenchefs um die Löhne zu drücken.
    Ich kann mich für die hier dargestellte Theorie nicht so ganz erwärmen.

    • Freiheitsliebender

      Und durch solche Rufe wird dann bei den Arbeitenden der Rassismus bzw die Abgrenzung gefördert.

      PS: warte noch auf deinen Gastbeitrag :)

  • Peter Bobrowski

    In den so genannten sozialistischen Ländern gab es also keinen Rassismus ? Falsch; es wurde nur besser versteckt, weil die Staatsmacht das verordnete. Ich habe diese Erkenntnis nicht aus Büchern, sondern aus eigener Erfahrung… auf einem Auge blind zu sein hilft auch nicht weiter.
    MfG

  • derMK

    Okay. Jetzt muss nur noch jemand mal _erklären_, warum bzw. ob “Kapitalismus” und Rassismus miteinander untrennbar zusammenhängen sollen. Das wird nämlich hier nicht reflektiert, sondern einfach postuliert. Ziemlich schwach. Vielmehr ist es doch so, dass Rassismus und Sozialismus bzw. genauer: der sozialdemokratische Umverteilungsstaat zwingend zusammengehen. Letztlich geht’s bei Rassismus nur um den Verteilungskampf am Futtertrog eben dieses Umverteilungsstaates. Es geht darum, die “Futter”-Konkurrenz auszuschalten. Um nichts weiter. Das wird durch Rassisten nur bemäntelt, indem sie dieses Verteilungskampf um die Ressourcen des Staates als Kampf für irgendwelche Werte, für die Kultur oder für was auch immer bemänteln. Was interessiert es hingegen jemanden, der an Kapitalakkumulation interessiert ist (ökonomischer Kapitalist), was seine Kunden, seine Mitarbeiter etc. für ‘ne Hautfarbe, Religion und dergleichen haben? Genau, es interessiert ihn gar nicht.

    • derTyp

      @derMK: Nicht ganz richtig. Den Kapitalisten interessiert woher er seine Ressourcen bekommt – kurz: wen er ausbeuten darf. Oder um in deiner Sprache zu bleiben: wessen Futter er essen darf. Sozusagen welche Futter-Konkurenz man ohne schlechten gewissen Ausschalten darf. Und da ist der Rassismus ein Freund und Helfer.

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