LufthansamitarbeiterInnen im Streik

Streik der UFO-Mitglieder

Die Luftfahrt boomt, doch die ArbeitnehmerInnen spüren wenig davon. Die 19.000 FlugbegleiterInnen der Lufthansa scheinen nun endgültig kein Interesse mehr an faulen Kompromissen und schlechten Tarifabschlüssen zu haben und befinden sich seit vorgestern im Streik, das gab der Vorsitzende der Gewerkschaft UFO, Nicoley Baublies, in Frankfurt bekannt, nachdem die Tarifverhandlungen in der Nacht zuvor an der Unnachgiebigkeit der Konzernleitung gescheitert waren.

Die Niederlegung der Arbeit soll zeitlich und örtlich begrenzt sein und nicht zu einem dauerhaften Streik führen, so der Vorsitzende. Die Streiks sollen aber auch erst wenig vorher angekündigt werden und so die Kraft der ArbeitnehmerInnen zeigen.

Erster offizieller Streik

Bisher hatten die FlugbegleiterInnen der Lufthansa nicht gestreikt, 2009 hatten sie zwei Tage lang mit mehrstündigen Warnstreiks für Flugausfälle und Verspätungen gesorgt. Einen wirklichen Streik hatten sie aber nicht durchgeführt, nun scheinen auch sie den Erfolg von Verhandlungen nicht mehr zu sehen.

Die Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO), in der Schätzungen zufolge rund zwei Drittel der Flugbegleiter organisiert sind, veröffentlichte auf ihrer Homepage eine Pressemitteilung, in der sich sich mit den Gründen des Streiks auseinandersetzt, so heißt es: “In den Spitzengesprächen mit dem LH-Vorstand gab es in den vergangenen fünf Tagen eine Annäherung in einigen Einzelthemen. Letztlich ist der Versuch jedoch daran gescheitert, dass Lufthansa eine „ansatzweise echte“ Absicherung gegen die Auslagerung von Arbeitsplätzen kategorisch abgelehnt hat. Wir sind entsetzt, dass es dabei nicht vorrangig um die Finanzierbarkeit einer solchen Absicherung, sondern um ein grundsätzliches NEIN gegenüber unserem Anliegen handelt. Wir haben lediglich stark vergiftete Vorschläge erhalten, die trotz Sparbeiträgen der Kabine eine Auslagerung von Lufthansa-Arbeitsplätzen in eine Billig-Plattform weiter zugelassen hätten.”

Die Gewerkschaftsmitglieder scheinen solche Verhandlungsergebnisse schon geahnt zu haben. Sie hatten sich schon Anfang August mit  deutlicher Mehrheit für den Streik ausgesprochen. Von den 83 Prozent der Mitglieder, die sich an der Urabstimmung beteiligten, votierten 97,5 Prozent für Streik. Anfang August ließ die UFO schon mitteilen, dass für den Fall, dass “der Lufthansa Vorstand seine letzte Chance zur Deeskalation nicht nutzt, werden wir die Lufthansa-Kabine zu Streiks aufrufen müssen. Der Nicht-Fortgang der Verhandlungen der letzten Monate, die besorgniserregenden Meldungen in internen Veröffentlichungen, aber auch in den öffentlichen Medien, haben die grundsätzlich konsensorientierte Kabine an diesen Punkt der Entschlossenheit gebracht. Der Bogen ist zum Zerreißen gespannt.”

Forderungen und Entlassungen

Die Lufthansa will momentan ihre Gewinne erhöhen und wie die meisten anderen Unternehmen, sieht sie den Weg vor allem in Entlassungen.  Der Plan “Score” forderte eine Steigerung von 1,5 Milliarden Euro bis 2015.

Der Plan sieht 3500 Entlassungen, sowie massive Kürzungen bei den Löhnen vor. Dies soll unter anderem durch den Einsatz von deutlich schlechter bezahlten Leiharbeitern, die Auslagerung von Personal in konzerneigene Billigfluggesellschaften sowie die Auflösung der bisherigen Tarifstruktur erfolgen.

Lufthansa kann bei der Umsetzung des Plans auf die Unterstützung von Verdi zählen. Deren Vorsitzender, Frank Bsirske, sitzt im Aufsichtsrat der Gewerkschaft und hat den Plänen schon zugestimmt und die Unterstützung von Verdi zugesagt. Verdi ist durch diese Politik maßgeblich mit Schuld an der Entstehung von kleineren Spartengewerkschaften, wie der Pilotengewerkschaft Cockpit, der Fluglotsengewerkschaft GdF und der Flugbegleitergewerkschaft UFO.

Entstehung und Entwicklung von UFO

UFO ist im Jahre 1992 entstanden, als Abspaltung einer Vorgängerorganisation von Verdi. In der Zeit hatte die Gewerkschaft deutlich höhere Lohnforderungen durchgesetzt als andere Gewerkschaften.

Überraschend kam daher die Erklärung der UFO, die anstehenden Tarifverhandlungen mit Verdi gemeinsam bestreiten zu wollen. Da Verdi allerdings deutlich niedrigere Forderungen gestellt hatte, 6,1 Prozent Lohnerhöhung  wurden zu 3,5 Prozent plus unvorteilhafte Sonderregelungen, forderten die UFO-Mitglieder eigenständige Verhandlungen. Ein Wunsch, dem die Führung der Gewerkschaft schnell nachkam. UFO forderte dann neben einer Lohnerhöhung von fünf Prozent keine Leiharbeit an Bord der Lufthansa-Maschinen, keine Auslagerung von Arbeitsplätzen in Billigtöchter und den Erhalt der bisherigen Tarifstruktur.

Die Lufthansa zeigt bisher wenig Interesse an wirklichen Verhandlungen. Am 16. August legte sie ein Tarifangebot vor, das, so UFO, „nach über drei Jahren Nullrunde kein konkretes Angebot zur Vergütungserhöhung“ enthielt und „selbst die schlimmsten Erwartungen bei weitem übertraf“. Es bestand „aus Verschlechterungen für alle – weniger Gehalt, mehr arbeiten, keine Absicherung“.

Verhandlungen statt Streik

UFO-Chef Nicoley Baublies, der erst seit einem halben Jahr im Amt ist, hatte schon unmittelbar nach der Urabstimmung erklärt, einen Erzwingungsstreik wie etwa in der Metallindustrie halte er für unrealistisch. Aber UFO sei in der Lage, empfindlich Nadelstiche zu setzen. Die Mitglieder der Gewerkschaft scheinen einer anderen Meinung zu sein, wie die Urabstimmung zeigt, sie wollen keine Nadelstiche mehr setzen, sie wollen ihre Forderungen durchsetzen und möglichst alle Entlassungen verhindern.

Die Führung der UFO hat es bisher versäumt mit anderen Gewerkschaften zusammenzuarbeiten, die Entwicklung lässt aber hoffen, dass es nicht bloß bei Nadelstichen bleibt.

Quelle für das Bild ist die Linkezeitung.de

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