Alternativen zum BIP – die fetten Jahre sind vorbei

Glückliches Gesicht aus Bhutan – Quelle: http://www.flickr.com/photos/laihiu/4000849588/sizes/m/in/photostream/

Dass Geld allein nicht glücklich macht, mag den meisten Menschen in unserer Gesellschaft wohl klar sein. Dass die Wirtschaft immer noch an der BIP-Steigerung festhält, liegt am exponenziell ansteigenden Schulden, die es zu zahlen gilt. Ein hohes Bruttoinlandsprodukt sagt ergo sehr wenig darüber aus, wie gut es um die Bürger im jeweiligen Land bestellt ist. Nicht nur Ökonomen können diese Schwachstelle nicht leugenen und kritisieren dies schon seit Jahren – auch Glückforscher konnten immer wieder ihre Stimme erheben und so einen öffentlichen Diskurs über die Sinnhaftigkeit des BIPs als Wohlstandsindikator entfachen.

Bereits im in den 70er Jahren gab es Kritiker, die sich wehement gegen das BIP als Indikator stemmten. Im Jahr 1972 wurde durch den Bericht “Grenzen des Wachstums” des Club of Rome eine Diskussion über Wachstumindikatoren angestoßen. Die Mitglieder des Think Tanks warnten, bei einer Beibehaltung der bisherigen Wirtschaftsmodelle werde das Wachstum aufgrund von Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung bald an seine Grenzen stoßen.
Und heute heißt es wieder: Wir werden bald an unsere Grenzen stoßen. Dass der ganz große Knall noch ausbleibt soll nicht heißen, dass wir die drohende Katastrophe vereitelt haben – ganz im Gegenteil. Je länger solche eklatante Probleme bagatellisiert und verdrängt werden, desto lauter wird der ganz große Knall ausfallen.

Warum das BIP allein als Indikator nicht ausreicht

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der wichtigste Gradmesser für die Leistung einer Volkswirtschaft. Es enthält den Wert aller erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen, die beispielsweise in einem Quartal oder Jahr innerhalb der Landesgrenzen produziert wurden. Soweit, so gut. Die Frage nach der Verteilung der Güter jedoch kann so nicht beantwortet werden.

Nichtberücksichtigung von Umweltzerstörung und Verschwendung von Ressourcen

Kritiker merken oft an, dass das Bruttoinlandsprodukt die Wirtschaftsentwicklung verzerrt darstellt. Als ein Beispiel nennt der Einsetzungsbeschluss des Bundestags Umweltkatastrophen, die einem Land zwar de facto schaden, durch ihre kostspielige Bekämpfung aber zu einer Steigerung des BIP führen.Dieser Fakt offenbart einen der größten Schwächen dieser Messung. Alles was irgendwie zu einem “Mehrwert” veräußert werden kann, fließt mit in die Errechnung des BIP’s ein – ganz egal wieviele kostbaren Ressourcen vernichtet worden und wie hoch die Umweltschäden ausfallen.

Enquente-Kommission macht sich an die Arbeit

Letztes Jahr wurde von der Bundesregierung eine Kommission eingerichtet, die sich mit Alternativen zum jetzigen Messinstrugment des BIPs beschäftigen soll. Das Gremium besteht aus 17 Abgeordneten und einer gleich großen Zahl von Sachverständigen. Bis zum Ende der Legislaturperiode 2013 soll die Kommission ihren Abschlussbericht vorlegen. “Die Enquete-Kommission soll aus den gewonnenen Erkenntnissen konkrete Handlungsempfehlungen entwickeln”, heißt es im Einsetzungsbeschluss. Die Ablösung des BIP durch einen neuen Wachstumsbegriff ist demnach erst in einem zweiten Schritt zu erwarten.

Wertewandel in der Gesellschaft muss berücksichtigt werden

Grenzen des Wachstums – Quelle: http://www.flickr.com/photos/gumtau/3005682982/sizes/m/in/photostream/

Den Erfahrungen Jürgen Gerdes, Mitglied des Konzernvorstands DHL, zufolge erwägen  die Menschen unter dem Eindruck von Finanz- und Eurokrise neu, was ihnen wichtig ist. Das Motto könnte folgendermaßen lauten: “Was bringt mir mein neuer Flatscreen, wenn schon morgen wieder die Massenarbeitslosigkeit droht”. Das Materielle sei weiter wichtig – die Menschen erwarten fairen Lohn für ihre oftmals harte Arbeit. Der Wunsch nach Sinn rücke dabei immer mehr im Vordergrund, der Drang, der Gesllschaft einen Mehrwert zu geben präge sich weiter aus.

Potenzielle Alternativen zum BIP als Messinstrument

Die Vorsitzende der Enquete-Kommission hält das BIP-Messinstrument für das Wohlergehen der Bürger für falsch, wagt aber nur leichte revolutionäre Vorstöße. „In der Eurokrise reden alle nur noch von Wachstum“, sagt Sie. Faktoren wie Verteilungsgerechtigkeit oder ökologische Nachhaltigkeit spielten kaum eine Rolle, wenn es darum gehe, die Krise zu erfassen.

Das BIP als Indikator lässt sich schnell als unbrauchbar und verzerrend abstempeln, soll man nun einen Gegenvorschlag entwerfen, so kommt man schnell ins Grübeln. Wie sieht die Prioritätenliste aus? Ist ein sicherer Arbeitsplatz das höchte Gut? Wie stark bewertet der Bürger unverschmutzte Luft? Wie schwer wiegt das Materielle wirklich? Welche Rolle spielt die Gesundheit? Wie man sieht, stößt das Modell schnell an seine Grenzen, aber es ist zumindest positiv zu bewerten, dass nach Alternativen geforscht wird.

Erste Ergebnisse der Kommission bereits 2013

Die Enquete-Kommission des Bundestages hat sich laut Kolbe nun darauf verständigt, eine möglichst einfache Formel festzulegen, die politisch auch Durchschlagskraft hat. Zu den Kriterien sollen materieller Wohlstand, Zusammenhalt, Bildung und Gesundheit sowie ökologische Nachhaltigkeit zählen. Ein Ergebnis soll Anfang nächsten Jahres vorliegen.

Quelle: http://www.flickr.com/photos/travfotos/6289465966/sizes/m/in/photostream/

Alternative Indizes gibt es schon. Die Vereinten Nationen haben den Human Development Index, die OECD verwendet den Better Life Index, aus Ökologen-Sicht bietet sich der Happy Planet Index an. Was noch fehlt ist ein umfassender Index.

König von Bhutan ist uns Schritte voraus

Der König von Bhutan ist Buddhist. Das Bruttoinlandsprodukt? Interessiert ihn nicht wirklich. Seit vielen Jahren lässt das kleine Königreich im Himalaya das Bruttonationalglück errechnen. Gerechtigkeit, Umweltschutz, Harmonie und Spiritualität – in zahlreichen Kategorien versucht der Monarch, das Glück seiner Untertanen zu vermessen. In Bhutan steht das Wohlbefinden der Bürger im Vordergrund – nicht das Wachstum.


Alternative zum BIP: Der Wohlstand wird neu vermessen – weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/finanzen/news/alternative-zum-bip-der-wohlstand-wird-neu-vermessen_aid_808143.html
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