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Krise als Dauerzustand

zeitungenSERBIEN/BELGRAD Mein zweiter Tag und ich habe bereits eines begriffen: Die Krise gehört hier zum Alltag. Denn sie begann Ende der 1980er als Jugoslawien wirtschaftliche Probleme bekam. 1991 bis 1995 folgte der Bürgerkrieg, das Wirtschaftsembargo, Der NATO Angriffskrieg 1999, Die „Revolution 2002. Darauf folgte eine Staatskrise zwischen Serbien und Montenegro und seit 2007/2008 befindet sich das Land, wie der Rest Europas, in einer Wirtschaftskrise.

Um die aktuelle Tagespolitik und die Probleme der Menschen festzuhalten,

"Jugostalgiker" gibt es in Belgrad noch immer.

“Jugostalgiker” gibt es in Belgrad noch immer.

habe ich mir einige Tageszeitungen besorgt und mit Passanten auf der Straße gesprochen. Die Zeitungen sind randvoll mit Nachrichten über Korruptionsverdacht, das serbische Haushaltsdefizit, niedrige Löhne und einem Thema, das immer wieder an die Oberfläche tritt: das Kosovo im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt. Die Menschen haben in diesem Land kein Vertrauen mehr in die Politik. Jede Woche gibt es Fälle von Korruption: „Politiker krallen sich alles unter den Nagel“, erzählt mir eine jüngere Belgraderin. Firmen wurden systematisch heruntergewirtschaftet, um sie dann für wenig Geld zu verkaufen. Jobs werden nur an Bekannte und Verwandte vergeben und in mehreren staatlichen Banken sind Fälle von Prämienbetrug aufgeflogen. Ich möchte hier jedoch einer Stereotypisierung seitens der Leser_Innen entgegenwirken: Genau dieselben Phänomene gibt es auch in Deutschland. Vom Amigo-System Bayerns bis zu Managerprämien für Leiter von Pleite-Banken. Diesen Beitrag weiterlesen »

Ökonomie der Zukunft – Tagung: Anders wirtschaften, wie kann das gehen?

Der Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 macht deutlich: Die konventionelle, auf Wachstum basierte Wirtschaftsordnung ist problembehaftet, kann Krisen nicht verhindern und erscheint daher wenig zukunftsträchtig. Eine Reihe alternativer Wirtschaftsansätze schlagen Verbesserungsvorschläge vor und bieten somit einen Ausweg in die Zukunft. Die Tagung rückt diese alternativen Ökonomien ins Zentrum und fragt:

Welche alternativen Wirtschaftsmodelle existieren und in welcher Beziehung stehen sie zu den Problemen der globalen Weltgesellschaft?
Welche Akteure alternativen Wirtschaftens existieren in Düsseldorf und Umgebung und wo können wir Lösungsbeiträge anbieten?
Welche Verbesserungsvorschläge zur Realisierung einer zukunftsfähigen Wirtschaft könnte die Lokal- und Landespolitik aufgreifen?

Ablauf:

10 Uhr: Einstiegsreferat von Brigitte Kratzwald, Sozialwissenschaftlerin und Aktivistin,
11 bis 15 Uhr: Workshops zu Commons, Genossenschaften, Solidarische Ökonomie/Selbstorganisation, Gemeinwohlökonomie, Welthandel/Fairtrade und regionales Wirtschaften,
15:30 bis 17 Uhr: Podiumsdiskussion mit Politiker_innen und Brigitte Kratzwald, moderiert von Pascal Beucker (taz).

Eine Veranstaltung von attac Düsseldorf, zakk und Rosa-Luxemburgstiftung NRW, Anmeldung.
Tagung / Konferenz
20.04.2013 | 10:00 Uhr
ZAKK, Düsseldorf

Wirtschaft zwischen Demokratie und Verbrechen – Grundzüge einer Kritik der kriminellen Ökonomie

Marxisten und andere Kapitalismuskritiker wirken sehr hilflos, wenn sie öffentlich zu den wirtschaftskriminellen Praktiken von Banken, Versicherungen und Konzernen der «Realwirtschaft» Stellung beziehen. Wie der klassische Kleinbürger beschränken sich die meisten auf Kritik am versagenden Staat, an der Pseudodemokratie, an käuflichen Parteien, Abgeordneten und Beamten. Oder aber sie beschimpfen Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsräte als geldgierig und gewissenlos.

Die systematische Kritik der kriminellen Ökonomie rückt – was in einem noch so unzulänglichen Rechtsstaat unumgänglich ist, aber bisher allenfalls mal am Rande diskutiert wird – das Wirtschaftsstrafrecht in den Mittelpunkt. Damit erübrigt sich zwar nicht, immer wieder die Eigentumsfrage grundsätzlich zu stellen. Aber das bisher völlig unzureichende Wirtschaftsstrafrecht – allerdings in unauflösbarer Verbindung mit der ebenfalls kaum noch kämpferisch vertretenen Forderung nach mehr und besseren Mitbestimmungsrechten der Nichtkapitalisten – gehört zur Eigentumsfrage. Hier wird zunächst nicht mehr über Enteignung, sondern über schrittweise Entmachtung gesprochen. Denn Verfügungsgewalt über Eigentum, ob staatliches oder privates, kommunales oder genossenschaftliches, sozialistischen oder kommunistisches, ist Macht. Und Macht kann jederzeit missbraucht werden. Ihre Einschränkung durch wirtschaftsdemokratische Rechte von Nichteigentümern, ob beschäftigte Arbeiter, Angestellte, Beamte, ob Arbeitslose, noch nicht oder nicht mehr Arbeitsfähige, auch partei- und verbandsunabhängie Organisationen, müssen (zum Beispiel durch die Einrichtung überbetrieblicher Kapitalkontrollräte) rechtlich befugt sein, die Rechtmäßigkeit wirtschaftlicher Entscheidungen zu überprüfen und auch wirksam zu stoppen. Solche Kapitalkontrollräte müssten für jede Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung (also auch für künftige sozialistische) gefordert und erkämpft werden.

Parteien, die sich – mit Blick auf die Sozial- und Umweltschädlichkeit der aktuellen kriminellen Ökonomie – diese Forderung auf ihre Fahnen schreiben, kann nicht mehr nachgesagt werden, sie hätten keine Vision. Wenn überhaupt, haben nur sie eine Zukunft, die über den Kapitalismus hinausweist. Es macht Sinn, die Kritik der kriminellen Ökonomie als Dritte Aufklärung zu beschreiben. Die erste bekämpfte die «selbstverschuldete Unmündigkeit» der Menschen, die zweite, für die Marx und die Arbeiterbewegung stehen, kämpft gegen die fremdverschuldete Unmündigkeit, die Entmündigung derer, die über kein Eigentum verfügen. Beide scheiterten auf halben Weg, weil sie ihre eigene Klasse für unfehlbar, für integer hielten. Die dritte Aufklärung kämpft gegen kriminelles Wirtschaften, gegen Missbrauch wirtschaftlicher Macht. Und sie setzt nicht am Staat an, sondern nimmt direkt die demokratiefreien Herrschaftsbereiche ins Visier, die wir Chefetagen nennen und als Kommandobrücken derer kennen, die, wenn sie es bis ganz oben geschafft haben, ganz gleich, welche Religion oder Weltanschauung sie haben, welcher Partei, welchem Verband oder welcher Gewerkschaft sie angehören, sich mit Hilfe der ihnen zugebilligten Machtbefugnisse zu Diktatoren entwickeln.

Der Kapitalismus ist auch ohne Wirtschaftskriminelle eine Gefahr für Mensch und Natur, Demokratie und Kultur, aber es sind die Wirtschaftskriminellen, die verhindern, dass die sozialen Kämpfe, die gesellschaftliche Entwicklung, die Friedensbemühungen und menschenrechtlichen Fortschritte sich festigen und vergesellschaftet werden können.

Hans See ist Mitglied bei Business Crime Control und war Mitherausgeber der Zeitschrift «Demokratisches Gesundheitswesen» und ist Herausgeber der Zeitschrift «Big Business Crime».

Diskussion / Vortrag
08.04.2013 | 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Kultur- und Congress-Centrum Graf-Zeppelin-Haus, Kapitän-Lehmann-Zimmer , Friedrichshafen
Mit Prof. Hans See

Die rechtspopulistische Lücke!

Sarrazin-Debatte, Eurokrise, steigende Muslimfeindlichkeit! In Deutschland wächst das rechtspopulistische Potenzial.

Doch im Unterschied zu anderen europäischen Ländern konnte die extreme Rechte hierzulande diese Entwicklung bislang noch nicht in Wählerstimmen ummünzen. Warum das so ist, versucht der Referent Alexander Häusler zu beantworten.

Nach dem Referat bleibt viel Zeit zur Diskussion über den Rechtspopulis­mus und seinen Rassismus als Bindeglied der „Mitte“ der Gesellschaft und dem Neonazismus.

Mitglieder und SympathisantInnen von neofaschistischen Parteien, Organisationen und Zusam­menschlüssen, sowie Personen, die uns als TeilnehmerInnen von neofaschistischen Veranstaltungen, Aufmärschen und Aktionen bekannt sind, erhalten keinen Zutritt gm. § 6 Versammlungsgesetz

Alexander Häusler, Fachhochschule Düsseldorf

  • FB Sozial. u. Kulturwissenschaften
  • Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus / Neonazismus

Zum Weiterlesen:

Diskussion / Vortrag
04.03.2013 | 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Raum 3/4 DGB-Haus, Lübeck
Mit Alexander Häusler, Fachhochschule Düsseldorf , Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus / Neonazismus

Was verbirgt sich hinter “Wirtschaftsdemokratie”?

Mit diesem Workshop besteht die Möglichkeit, tiefer in das Thema Wirtschaftsdemokratie einzutauchen:

  • Was verbirgt sich hinter Wirtschaftsdemokratie?
  • Was sind die historischen Erfahrungen, sind Traditionslinien heute noch erkennbar?
  • Gibt es Erfahrungen mit unterschiedlichen Modellen der Wirtschaftsdemokratie?
  • Bietet Wirtschaftsdemokratie ein Fenster zur Transformation?

Alex Demirovic war bereits 2011 Referent bei der Konferenz „Freundliche Übernahme?! Transformation zu einer solidarischen Ökonomie“ in Saarbrücken.
Er ist Politologe und Sozialwissenschaftler, hat verschiedene Lehraufträge und ist im wissenschafltichen Beirat von attac.

In Kooperation mit dem Netzwerk “Werkstatt Wirtschaftdemokratie”.

Workshop
01.03.2013 | 15:00 Uhr
Saarbrücker Schloss, Kleiner Saal, Saarbrücken

Eine Krise viele Antworten?»

Die herrschende Krisenpolitik zeigte wieder einmal: Wer die Definitionsmacht über ein Problem hat, bekommt die (politische) Lösungskompetenz. Konkret: Aus der Krise des Kapitals wurde eine Staatsschuldenkrise gemacht, für die alle bzw. vor allem die Lohnabhängigen haftbar gemacht werden mit Sparhaushalten, Renten- und Lohnkürzungen, Flexibilisierung der Arbeitsmärkte etc.

Gleichzeitig ist die linke Diskussion über Krise und Wege aus der Krise lebendiger denn je. Krise bedeuten immer auch Risse im Putz – Morgenluft für eine andere Gesellschaft. Welche linken Erklärungen prägen die letzten Jahre? Welche Konzepte werden von links angeboten? Kann es einen «linken» Austritt Griechenlands aus der Eurozone geben? Was bringt ein Schuldenschnitt? Helfen Eurobonds oder die Finanztransaktionssteuer? Ist eine Verstaatlichung oder eine Zerschlagung von Banken angesagt? Was ist mit Kampagnen wie UmFairteilen? Was hat es mit Vollgeld auf sich? Wie aktuell ist die Frage nach einer Gesellschaft jenseits von kapitalistischer Herrschaft?

Mit Stephan Kaufmann und Ingo Stützle; Moderation: Antonella Muzzupappa.

Die Seminarreihe «Eurovision in der Krise»

Braucht Deutschland den Euro? Soll Griechenland aus der Eurozone austreten? Ist der Rettungsschirm groß genug? Muss mehr oder weniger gespart werden? Ist die Euro-Krise vorüber? Permanent konfrontieren Politiker, Ökonomen und die Medien die Bevölkerung mit solchen großen Fragen – und fordern Anteilnahme vom Publikum. Doch je weiter die Krise voranschreitet, desto unübersichtlicher wird das Feld. Da hilft nur eines: zurück an den Ursprung! Um die aktuellen Probleme Europas einzuordnen, befasst sich die Seminarreihe mit dem Grundkonzept der Euro-Konstruktion. Zunächst soll der Zweck des Euro-Projekts erklärt werden, dann sein Widerspruch und als Drittes die Art und Weise, wie die Politik mit dem Widerspruch umgeht, ohne ihn zu lösen. Als Schlusspunkt sollen linke Antworten auf die Krise diskutiert werden.

Seminar
12.02.2013 | 19:00 Uhr
Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin
Mit Mit Stephan Kaufmann und Ingo Stützle; Moderation: Antonella Muzzupappa.

DIE LINKE: 100 Prozent Bespaßung

Immer mit der Ruhe. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. So oder so ähnlich könnte derzeit das Motto zahlreicher Parteimitglieder der Linkspartei lauten. Trotzdem haben sich Katja Kipping und ihre Mitstreiter den Mund definitiv verbrannt, als sie die Besteuerung von 100 Prozent auf Gehälter oberhalb der Grenze von 500.000 Euro im Jahr forderten. Aber, nein, so war es ja gar nicht, wie sich später herausstellte. Es war ganz anders. Aber irgendwie auch nicht unbedingt besser.
Der „Spiegel“ ist bekannt dafür, dass er nicht gerade der beste Freund der Linken ist. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, muss DIE LINKE sich den Angriffen des Hamburger Nachrichtenmagazins erwehren, das sich mit Vorliebe auf die DDR-Vergangenheit oder Verfassungsschutzbeobachtungen einschießt. Man kann darüber klagen, was aus dem ehemals seriösen und kritischen Magazin geworden ist – und wie man kann! -, aber das soll hier nicht das Thema sein. Der „Spiegel“ jedenfalls stürzte sich wie ein Falke auf DIE LINKE, als es darum ging, über eine sehr merkwürdige Forderung zu berichten. Wer mehr als eine halbe Millionen Euro im Jahr verdiene, solle laut dem Wahlprogramm der Linkspartei gleich 100 Prozent Steuern darauf zahlen. Das ist doch mal eine Meldung! Der „Spiegel“ berief sich seinerseits auf die „Mitteldeutsche Zeitung“, die Gleiches zu berichten hatte. Nun ging ein Raunen durch die Medienlandschaft, das zu einem Grollen und dann zu einem … nein! Dann kamen Katja Kipping und Matthias Höhn und stellten klar, dass alles im Grunde quasi gewissermaßen ganz anders ist. Einerseits.

Danke, liebe ARD!

Parteimitglieder und Freunde der Linkspartei sind nicht gerade verwöhnt, wenn es um die Berichterstattung der Medien über sie geht. Doch im Falle der 100-Prozent-Besteuerung war es die ARD, die schnell reagierte und Katja Kipping zu Wort kommen ließ. Die wurde auf der Website der Tagesschau mit den Worten zitiert: „100 Prozent Steuer steht in dem Programmentwurf nicht drin.“ Vielmehr, so Kipping, gehe es um die Anhebung des Spitzensteuersatzes auf 53 Prozent und die Besteuerung von 75 Prozent, wenn das Gehalt eine Millionen Euro oder mehr pro Jahr betrage. Das ist ja nochmal gut gegangen. Alles im grünen Bereich also. Wäre da nicht Matthias Höhn, der auch etwas in dieser Angelegenheit beizutragen hatte. Und damit verlassen wir den grünen Bereich dann auch gleich wieder.

Unklarheit in reinster Transparenz

Aus dem Raunen und Grollen war nun also doch ein mächtiges Mediengewitter geworden, denn innerhalb weniger Stunden war das Thema der 100-Prozent-Besteuerung in aller Munde. Während Wirtschaftsexperten nur verwirrt die Köpfe schüttelten ob einer solchen Forderung, vermuteten andere eher eine ausgeklügelte PR-Aktion. Immerhin, Aufmerksamkeit kann nicht schaden im Moment, wir befinden uns im Wahlkampf. Doch sollte das alles wirklich ein PR-Gag gewesen sein, hat es schon bessere, lustigere und vor allem effizientere Aktionen gegeben. Matthias Höhn schaffte es jedenfalls, die Sache noch ein bisschen komplizierter zu machen. Dabei hat er es nur gut gemeint, als er schrieb: “Geringe und mittlere Einkommen sollen entlastet werden, indem der Grundfreibetrag auf 9.300 Euro erhöht wird. Monatliche Bruttoeinkommen bis 6.000 Euro werden entlastet, indem die ‘kalte Progression’ im Tarifverlauf der Einkommenssteuer geglättet wird. Der Spitzensteuersatz soll ab einem Einkommen von 65.000 Euro pro Jahr wieder auf 53 Prozent erhöht werden. Jeder Euro Einkommen über einer Million jährlich wollen wir mit einer Reichensteuer von 75 Prozent besteuert.”
An dieser Stelle hätte er vielleicht besser aufgehört. Aber stattdessen schob er hinterher: „Die in den Medien zitierte Formulierung ist eine Forderung gegenüber den Unternehmen, die Gehälter ihrer Spitzenleute maximal auf das 40fache des gesellschaftlichen Minimums zu begrenzen. Das wären im Moment etwa 40.000 Euro.“

Ja! Nein! Doch! Vielleicht! Oder ganz anders ähnlich.

Alle haben Katja Kipping falsch verstanden, so viel steht fest. Sie korrigierte das Gesagte, bzw. sagte, dass sie es so gar nicht gesagt habe. Natürlich ginge es nicht darum, eine 100-Prozent-Steuer für Einkommen oberhalb der 40.000 Euro im Monat einzuführen. Die Unternehmen sollten eben einfach nicht mehr an ihre Mitarbeiter zahlen.
Klingt komisch, ist aber so. Und die Frage drängt sich auf, wer das kontrollieren will oder soll oder wie es letztlich realisiert werden kann? Vielleicht doch über Steuern? Es dürfte jedenfalls schwierig werden, die Unternehmen dazu zu zwingen, denn wenn es dem Gewinn dient, sind sie nur allzu gern bereit, üppige Gehälter zu zahlen. Und die Gewerkschaften für einen Arbeitskampf zu gewinnen, ist in diesem Zusammenhang ebenfalls unrealistisch.
Feststeht jedenfalls, dass die Meldung vom 1. Februar 2013 eine deutlich größere Wirkung erzielt hat als die vom 17. Juni 2012, als die „Frankfurter Allgemeine“ Katja Kipping zum Interview bat. Auch von der Redaktion der FAZ wurde Kipping nach den inzwischen viel zitierten 40.000 Euro Gehalt pro Monat befragt. Und antwortete, dass „kein Mensch braucht mehr als das Vierzigfache des Mindesteinkommens. Alles was darüber liegt, kann man getrost mit 100 Prozent besteuern.“
Kann man. Muss man aber nicht. Verstehe einer diese PR-Leute.

Ein Kommentar von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
www.wolfswort.wordpress.com

Geschönte Zahlen – es hat uns gefälligst gut zu gehen!

Es geht uns bestens. Zumindest wenn man den Medien und der Politik glauben will. Doch die Zahlen der letzten Monate sind nicht nur geschönt, sie vermitteln ein schiefes Bild, das den Eindruck einer konstant positiven Entwicklung vermitteln will.
Die Presse überschlug sich in den letzten Wochen. Sie titelte „Mehr Beschäftigte als je zuvor“ oder „Nie gab es so viele Erwerbstätige wie heute“. Grund für dieses Frohlocken waren die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Doch die sind kein Grund zum Jubeln, im Gegenteil, wenn man hinter sie blickt, wird das Drama deutlich. Außerdem bedienen sie sich einer perfiden Methodik, denn die Vergleichszahlen sind nicht zufällig aus dem Jahr 2005.

Auf zur Vollbeschäftigung

Erst einmal klingt es gar nicht schlecht, wenn man liest, dass mit 41,5 Millionen Erwerbstätigen im Jahr 2012 rund 416.00 oder etwa 1 Prozent mehr Menschen Arbeit hatten als im Vorjahr. Noch besser wirkt es, wenn man bedenkt, dass von 2005 bis heute ein stetiger Anstieg der Erwerbstätigen gemessen werden konnte. In diesem Zeitraum kam es zu einer Steigerung von 6,8 Prozent bzw. 2,66 Millionen Personen, die Arbeit haben. Allerdings war 2005 das Jahr mit miesen Zahlen, wir hatten die seit Langem höchste Arbeitslosigkeit zu beklagen und mussten mit einem sehr niedrigen Beschäftigungsstand zurechtkommen. Die schlechten Zahlen von damals lassen die von heute also in einem ganz besonders schönen Glanz erstrahlen. Doch die viel entscheidendere Frage lautet: Was heißt eigentlich „Erwerbstätigkeit“? Diesen Beitrag weiterlesen »

Parlamentarismus und Revolution

Rosa Luxemburg ist anlässlich ihrer Ermordung im Januar 1919 wieder in fast aller Munde. Am berühmtesten ist das von ihr stammende Zitat über die „Freiheit der Andersdenkenden“. Gerade für viele Oppositionelle in der DDR galt sie als Bezugspunkt. Jedes Jahr gehen Tausende unterschiedlichster linker politischer Prägung zu ihrem Grab. In diesem Jahr gibt es gleich zwei Gedenkdemonstrationen in Berlin, die sich auf Luxemburg beziehen.

Rosa Luxemburg war eine scharfe Kritikerin eines bürokratischen Reformismus sowie der Beschränkung des politischen Kampfes auf den Parlamentarismus.

Dagegen stand ihr vielmehr eine Umwälzung der Gesellschaft vor Augen, wie sie sich 1917 in Russland ereignete und so kämpfte sie bis zuletzt für den Erfolg der Revolution auch in Deutschland. Diesen Beitrag weiterlesen »

Extreme Armut in Nicaragua halbiert

Ortega und Castro

Seit 2007 regiert Daniel Ortega, einst Anführer der Sandinisten, Nicaragua, in dieser Zeit konnte die Regierung einige bemerkenswerte Fortschritte im Kampf gegen Armut und Hunger erziehlen, wie der Sekretär für nationale Politik, Paul Oquist gegenüber verschiedenen Medien im Land verkündete.

Nach seinen Angaben ist die Zahl der Menschen die in extreme Armut leben, in Nicaragua halbiert worden, seit dem Regierungsantritt von Daniel Ortega. Zu Beginn seiner Amtszeit lebten noch 11,2% der Bevölkerung in extremer Armut, die Anzahl ist inzwischen auf 5,5% gefallen. In Nicaragua gelten alle Menschen als extrem Arm, die von weniger als einem 1,25 US$ pro Tag leben müssen. Er räumte in einigen Bereichen Misserfolge der aktuellen Regierung ein, dass für das Ziel einer vollständigen wirtschaftlichen Transformation Nicaraguas das Land mit einer Rate von mindestens 8% pro Jahr wachsen müsste, dass es aber nur etwa mit der Hälfte dieser Rate wachse. Er drückte jedoch die Hoffnung aus, dass die großen Projekte, die von der Regierung gefördert würden, in Verbindung mit sozialen Programmen das Land schließlich an jene Zahl heranführen könnten. Die Regierung plant die Umstrukturierung der Wirtschaft, hat es bisher aber nicht geschafft, dass die ArbeiterInnen die Kontrolle über die Industrie erhalten.

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