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Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun: Die Grünen – Eine Rezension
Die Grünen stehen für ein Atomkraftwerkfreies Deutschland, zählen Pazifismus und Soziale Gerechtigkeit zu ihren Idealen. Dieses Bild dürfte noch der ein oder anderen Wähler von den Grünen haben, doch haben die Grünen ihre Maxime schon längst über Bord geworfen.
Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun. Jutta Ditfurth gewährt dem Leser einen tiefen Einblick, insbesondere in die frühen 80er, in jener Zeit als eine Horde linker, Atomkraftwerkgegner, aber auch Menschen des rechten Spektrums nach langen und hitzigen Diskussionen die Partei “Die Grünen” gründeten. Dass es zur Gründung der Grünen kam, ist jedoch ein Verdienst der in den 70er Jahren stetig gewachsene Anti-AKW-Bewegung.

Nach den Gründungsjahren 80/81 begann das allmähliche ausmisten von schwarzen Schafen in den eigenen Reihen. Alle schwarzen Schafe konnten jedoch nicht ausgemistet werden, leisteten Widerstand, sahen die Chance zur passenden Zeit den entscheidenen rechten Impuls zu geben, lächszten nach Ministerämtern.
Dadurch, dass die Grünen aus der Anti-AKW-Bewegung entstanden, stand an oberster Priorität der Atomausstieg. Die blutigen Erfahrungen der Anti-AKW-Aktivisten mit der Polizei, führten zu einem weiteren Konsens namens “Entmilitarisierung” der Polizei. Außerdem war man geschlossen gegen die NATO, für einen deutschen Ausstieg aus der NATO. Die Grünen definierten sich selbst als pazifistisch und anti-kapitalistisch. Die soziale Gerechtigkeit war ein weiteres, hoch gesetztes Ziel einer noch so jungen Partei.
Jutta Ditfurth, die nach ihrem Austritt bei den Grünen 1991 die ökologische Linke mitgründete, beschreibt und analysiert die Entwicklung der Grünen von der ihrer Entstehung aus bis heute. Es ist nicht zu übersehen, dass Frau Ditfurth enttäuscht ist, enttäuscht ist von einer Partei, die eine 180 Grad-Drehung hingelegt hat. Was ist übrig geblieben von der einstigen Skepsis gegenüber dem Neoliberalismus? Wie stehen die Grünen heute zur NATO? Wo sind die damals so heiligen pazifistischen Werte hin? Setzt sich die Grüne überhaupt noch für eine sozialere und solidarischere Gesellschaft ein? All diese Fragen werden von der Autorin beantwortet und zudem liefert Frau Ditfurth oft Exkurse zu wichtigen Einzelpersonen.
Das Buch lässt sich aufgrund des angenehmen Erzählstils gut lesen. Fakten werden genannt, in einen Kontext gestellt und schließlich wird über die jeweilige Handlung geurteilt.
Hervorzuheben ist das “Atom-Kapitel”. Gerade für diejenigen Leser, die die 70er Jahre nicht erlebten, werden diesen Part mit Erschrecken lesen: Einst prognostizierten Energieforscher, dass Deutschland im 21. Jahrhundert 500 Atomkraftwerke benötigt werden würde. Man stelle sich nur vor, es hätte nie eine Anti-AKW-Bewegung gegeben, wir wären heute umgeben von AKW’s leben.

