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„Die Sprache ist eine Waffe – haltet sie scharf“ – Kurt Tucholsky und der Krieg

354px-TucholskyParis1928Er war ein Freigeist, ein Demokrat, ein Sozialist, ein humorvoller Menschenfreund, ein Freiheitsliebender und ein entschlossener Kritiker: Kurt Tucholsky war einer der einflussreichsten Journalisten der Weimarer Republik, schon früh sah er voraus, dass der Weg der Nationalsozialisten nur in Krieg und Verderben führen konnte, von ihm stammt das berühmte Zitat „Soldaten sind Mörder“.  Seine Bücher wurden von den Nationalsozialisten verbrannt, er nahm sich im Exil in Schweden das Leben.

Wenn man so will, war Kurt Tucholsky einer der Erfinder des modernen Nicknames, denn er hatte gleich mehrere von ihnen: „Ignaz Wrobel“, „Peter Panter“, „Kaspar Hauser“ und „Theobald Tiger“ sind nur einige von ihnen. 1890 in Berlin geboren, erlebte er die Schrecken des Ersten Weltkriegs als Feldzeitungsredakteur mit.  Seine Erfahrungen machten ihn zum Pazifisten:

„Aber wenn wir nie mehr wollen, dann gibt es nie wieder Krieg!“

Heftig kritisierte er in den folgenden Jahren die Politiker der Weimarer Republik, er war für eine echte Demokratie, für Gerechtigkeit und er legte den Finger in die Wunden der jungen Republik, überall da, wo er Heuchelei, wo er Lügen, wo er Unfreiheit entdeckte. Das brachte ihm auch mal Anzeigen wegen Gotteslästerung ein, doch Tucholsky ließ sich nicht beirren. In seinen Büchern und Schriften steckt oft bei aller Ernsthaftigkeit eine augenzwinkerndes Erkennen der Ambivalenz des bürgerlichen Individuums, seinem preußischen Pflichtgefühl, der Moral, der Ehre und zugleich dem Streben nach Freiheit, nach Glück.

„Deutschland ist eine anatomische Merkwürdigkeit. Es schreibt mit der Linken und tut mit der Rechten“

oder

„Verärgerte Bürgerliche sind noch keine Revolutionäre“

Gemeinsam mit Carl von Ossietzky schrieb er für die Weltbühne. 1929 legte er die laut dem Versailler Vertrag verbotene fliegerische Aufrüstung der Reichswehr offen, was beiden, Ossietzky als verantwortlichem Redakteur und Tucholsky als Autor, eine Anklage einbrachte, die jedoch wieder fallengelassen wurde. Er und Ossietzky kritisierten die Wiederaufrüstung, das nationalistische Säbelrasseln, das große Ehrengehabe.

„Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“ Ignaz Wrobel (Kurt Tucholsky), Weltbühne 191 vom 04.08.1931

Unter anderem für diesen Satz wurden Tucholsky und Ossietzky angeklagt und freigesprochen, 1932 wurde per Notverordnung der „Ehrenschutz für Soldaten“ bestimmt, der seine Aussage strafbar machte. 1933 wurde die Weltbühne von den Nazis verboten, die Bücher verbrannt, Tucholsky ging nach Schweden, Ossietzky, der nicht fliehen konnte, blieb und wurde erneut angeklagt. Diesmal wurde Ossietzky verurteilt, gefoltert und in das KZ Esterwegen gebracht.

Tucholsky im Exil machte sich schwere Vorwürfe dafür, den Freund allein gelassen zu haben, bei einer Rückkehr nach Deutschland hätte ihm ein ähnliches Schicksal gedroht. 1936 erhielt Ossietzky rückwirkend für das Jahr 1935 den Friedensnobelpreis, 1938 starb er an den Folgen einer Lungenentzündung in der Lagerhaft.

Kurt Tucholsky beging am 04. November 1935 in Schweden einen Selbstmordversuch mit Tabletten, über sechs Wochen lag er im Koma, bis er am 21. Dezember starb.

Darf man Soldaten Mörder nennen?

Der von ihm geprägte Satz „Soldaten sind Mörder“ beschäftigt Deutschland bis in unsere Gegenwart. 1959 zum Beispiel zeigte der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß den Pazifisten Martin Niemöller an, weil dieser gesagt hatte, die Soldaten erführen eine „Ausbildung zum Massenmord“.

In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Anklagen, wenn der Satz so oder so ähnlich gesagt oder geschrieben wurde, einige endeten mit Freisprüchen, andere mit Verurteilungen.

1995 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass das Tucholsky-Zitat verfassungskonform ist.  Es gab daraufhin Morddrohungen gegen die Richter. FDP und CDU wollten einen „Ehrenschutz der Bundeswehrsoldaten“ per Gesetz bestimmen, scheiterten aber am Widerstand der Presse, die eine Einschränkung der Meinungsfreiheit fürchtete. Das von ihnen geforderte Strafmaß betrug drei Jahre Freiheitsentzug für derartige Äußerungen.

Erst 2010 musste sich der Linke-Politiker Thies Gleiss vor Gericht verantworten, weil er in einem Artikel der Jungen Welt im Zusammenhang mit dem Luftangriff von Kunduz von „Mördersoldaten“ gesprochen hatte. Er bekam eine Geldstrafe verhängt, die jedoch in nächster Instanz wieder aufgehoben wurde.

Soldatenehre vor Menschenrecht – Die neue US-Politik

Freiheit auch für Iraker? - Fotograf: craighnadun Bildquelle:http://www.flickr.com/photos/craighnadun/5551778220/sizes/m/in/photostream/

Etwas mehr als 6 Jahre sind seit dem schreckliche Massaker von Haditha vergangen, vor wenigen Tagen wurde der letzte Angeklagte US-Soldat freigesprochen. Verantwortlich für das Massaker soll der 31-Jährige Feldwebel Frank Wuterich sein, dieser hätte sich ursprünglich wegen 16-fachen Totschlags verantworten sollen, ist nun aber lediglich wegen der von ihm eingeräumten Verletzung seiner Dienstpflicht verurteilt worden.

Einst sprach Obama davon, dass er die amerikanische Außenpolitik verändern wolle und Menschenrechte nun ein Maßstab sein sollen, an dem diese sich zu orientieren haben. Die Bewohner von Haditha haben diese Menschenrechte auf eine ganze neue Weise zu spüren bekommen, diejenigen, die Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte verloren hatten, setzten ihre Hoffnung auf das amerikanische Rechte und wurden bitter enttäuscht!

Irakische Leben nichts wert Diesen Beitrag weiterlesen »

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