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Die Befreiung der Muslima von ihrem Willen – Diskriminierung im Namen der Freiheit

Eine muslimische Frau bei der Pariser Gay Pride 2008. Foto: Philippe leroyer / flickr CC

Eine muslimische Frau bei der Pariser Gay Pride 2008. Foto: Philippe leroyer / flickr CC

Nach der Einführung des Burka-Verbots in Frankreich und Belgien will nun die Frankfurter CDU Muslima von der Verschleierung befreien und zeigt damit deutlich, dass es ihr um eine Kampagne und nicht um die Frauen geht. Denn das Burka-Verbot hat nichts gemein mit der Emanzipation von Frauen, denn Emanzipation kann nicht aufgezwungen werden.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Burka-Verbot für zulässig erklärt und offenbart damit ein merkwürdiges Verständnis von Religionsfreiheit.
2011 hat Frankreich ein Gesetz erlassen, dass das Tragen von Burkas in der Öffentlichkeit verbietet. Denjenigen Frauen, die auf der Straße oder anderen öffentlichen Plätzen den Ganzkörperschleier Burka oder den Gesichtsschleier Nikab tragen, droht ein Bußgeld von 150 Euro. Zudem können sie zum Besuch eines Kurses in Staatsbürgerkunde verpflichtet werden.
Gegen dieses Gesetz hatte eine französische Muslima geklagt, weil sie darin eine Form der Diskriminierung sieht. Das Gericht hat dem widersprochen und geurteilt, dass die Burka eine Barriere zwischen ihrer Trägerin und der Umwelt errichte und somit das Gefühl des Zusammenlebens in einer Gesellschaft untergrabe, weswegen das Verbot angemessen sei.
Eben diese Meinung unterstützt der Frankfurter CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker, der nun auch ein Burka-Verbot für Deutschland fordert und damit auf den Zugang der antimuslimischen Stimmungsmache aufspringt.
Das Verbot dient nicht den muslimischen Frauen 

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Religion und Politik

Religiöse Vielfalt

Religiöse Vielfalt

Das Verhältnis zwischen Politik und Religion ist fast so ambivalent, wie die Auslegung der Religion an sich. Nach Talal Assad, ist die Trennung von Religion und Politik ein modernes Phänomen des „Aufgeklärten Europas“, welches jedoch nur temporär und lokal begrenzt ist. Er erklärt im Umkehrschluss, dass der Begriff Religion somit aus einer ethnozentrischen Perspektive nicht auf andere Regionen oder „Machtstrukturen“, wie den Islam, übertragbar seien. Vielmehr seien Macht und Religion miteinander verbunden und könnten nicht getrennt werden.

Religion: Ein verschwindendes Phänomen?

In dem Aufsatz „Zum Verhältnis von Religion und Politik in Europa“ von Anja Henning, versucht die Autorin dem Zusammenhang zwischen Religion und Politik im heutigen Europa nachzugehen. Die Autorin stellt sich die Frage, ob Religion im politischen Feld zugenommen hat oder durch vermehrte Konflikte lediglich präsenter ist. Bei der Untersuchung des Verhältnisses zwischen Politik und Religion wird ein vermeintlich großer Rahmen, sowohl für Politik, als auch für Religion gesteckt: „Das, was Religion vom Profanen unterscheidet – der Glaube an einen gemeinsamen Gott, das Transzendente –, ist zwar für das Religionsverständnis wichtig, für die Analyse von Religion und Politik aber zweitrangig.“ – Es wird schnell klar, dass für religiöse Diskurse in der Politik verschiedene Ansätze existieren. Auf der einen Seite steht die Religion, auf der anderen Seite die Politik mit ihren Ideologien, Wahlprogrammen und Parteien. Der erste „Befund“ für die Parteien- und Machtverhältnisse nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland ist, dass „mit Ausnahme der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU)“ und „der Christlich-Sozialen Union in Bayern (CSU)“, christliche Parteien in Deutschland und im restlichen Europa an Bedeutung verloren haben. Diesen Beitrag weiterlesen »

Brasilien plant Quoten für “schwarze” und “indigene” Arbeitskräfte

Quelle: http://www.flickr.com/photos/ministeriodasaude/9244610708/sizes/m/in/photolist-f5V3FN-f5V4z5-f5FkGr-f5V4RL-f5VAeW-f5V48m-f5V5eU-f5V5rj-f5FkKx-f5VAnb-f5V3Xy-f5V4xL-f5V4VY-f5ENti-f5EMqg-f5EMKR-f5ENUB-f5FkyT-f5FkiZ-f5EPU8-f5V4Hj-f5V4fQ-f5VAi5-f5FkXk-f5EPsk-f5VA35-f5EMVx-f5ENjT-f5EP26-f5VA7y-f5V5gq-f5FkUH-f5FkL8-f5Fk6v-f5ENZP-f5V4X7-f5V55J-f5ENzg-f5EMLP-f5EPUn-f5V3Yd-f5EMEe-f5VzXf-f5ENLP-f5V3xY-f5V3T7-f5FkdX-f5EPMv-f5V3Nw-f5FkX4-f5ENCg/

Brasilien: “Ein reiches Land ohne Armut”, Quelle: http://www.flickr.com/photos/ministeriodasaude/9244610708/sizes/m/in/photolist

In den Medien wird Brasilien all zu gern als weltoffenes und tolerantes Land dargestellt. Doch mit der Wirklichheit hat das wenig zu tun. Denn der Rassismus in der brasiliainschen Gesellschaft wächst eher, als dass er bekämpft wird. 

Brasilien.  In diesem Monat  wird das Gesetz (7.716) gegen Rassismus 25 Jahre alt. Dieses Gesetz fordert Haftstrafen für diskriminierende Handlungen aufgrund von “Rasse, Hautfarbe, Ethnie, Religion oder nationaler Herkunft”. Es wird offensichtlich Zeit für neue Gesetze oder Veränderungen der bestehenden Gesetze – denn wie aktuelle Analysen staatlicher Hilfsprogramme und gesetzlicher Förderungen zeigen, setzt sich sich die soziale und ökonomische Diskriminierung in Brasilien fort.

Mehr als 104 Millionen Brasilianer und Brasilianerinnen haben sich in der 2013 veröffentlichten Volkszählung der PNAD (Pesquisa nacional por Amostras de Domicílios) als “schwarz” oder “braun” bezeichnet. Das entspricht einer Mehrheit von 52,9 Prozent.

Schwarze eher von Gewalt betroffen   Diesen Beitrag weiterlesen »

Was glaubst du eigentlich? Weltsicht ohne Religion von Rita Kuczynski

9783861537434Woran glauben eigentlich Menschen, die keine Religion haben? Wie beantworten sie für sich die wichtigsten Sinnfragen im Leben? Fast ein Drittel aller Deutschen gehört keiner Religionsgemeinschaft mehr an – doch wie entscheiden diese Menschen dann für sich ethische Fragen, wie zum Beispiel die Frage nach dem Leben nach dem Tod oder dem Sinn des Lebens? Die Philosophin Rita Kuczynski ist dieser Frage in ihrem Buch Was glaubst du eigentlich“, erschienen im Ch. Links Verlag, nachgegangen und hat 80 Menschen zu ihren Vorstellungen von richtig und falsch, von gut und böse, von Lebenssinn und Spiritualität befragt. Herausgekommen ist ein beeindruckendes Buch, das zeigt, dass es eine lebendige Spiritualität jenseits der etablierten Religionen gibt.

Bereits im Vorwort spricht die Autorin einen bisher vielfach unbeachteten Fakt an: Die Konfessionslosen werden bei der moralischen Konsensbildung häufig ausgeschlossen, so als hätten sie kein Mitspracherecht, weil sie eben nicht glauben. Die organisierten Atheisten, die gegen diese Umstand entschieden ankämpfen, stellen dabei nur eine kleine Minderheit unter den Konfessionslosen dar und bilden daher nur eine winzige Lobby. Dabei ist Glauben eine menschliche Universalie, wie die Autorin festhält:

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Freiheit für und von Religion? – Im Gespräch mit Nic Bloghaus

Nic Bloghaus

Nic Bloghaus

Die Relevanz von Blogs in Deutschland nimmt zu, immer mehr vor allem junge Menschen lesen Blogs und sehen sie als Gegenmedium, zu dem etablierten Mainstreammedien. Die meisten Blogs sind deutlich spezialisierter als große Zeitungen, wir haben deshalb mit dem Betreiber eines der größten religionskritischen Blogs in Deutschland, Nics Bloghaus, über Religion und Religionskritik gesprochen.

Die Freiheitsliebe: Du betreibst einen der größten deutschen Blogs, die sich mit Religion und Religionskritik beschäftigen. Wie bist du zum bloggen gekommen?

Nic Frank: Danke erst einmal für das Kompliment. Ich nehme das so gar nicht wahr und versuche alles Mögliche und Unmögliche, um das Bloghaus bekannter zu machen.
Wie ich dazu gekommen bin? Das kann ich nicht so ganz genau sagen: ich denke, ich habe einfach die Möglichkeit wahrgenommen, als sie sich technisch anbot. Ich schreibe schon seit meiner Jugend – und das ist schon ein paar Tage her.
Anfang der 90iger habe ich das Internet für mich entdeckt – damals gab es noch kein www – und habe aktiv in Newsgroups geschrieben. Als dann die ersten Blogsysteme das einfache Bloggen ermöglichten, war ich dabei. Das war vor etwas mehr als sieben Jahren. Wenn ich nicht irre, ging mein erstes Bloghaus am ersten April 2006 an den Start. Und genau vier Jahre später bin ich auf WordPress umgestiegen – und nutze es noch immer.
Habe ich anfangs einen, maximal zwei Artikel pro Tag gehabt, bin ich heute einiges produktiver. Das ist wie überall: mit dem Zuspruch kommt auch der Anspruch an sich selbst. Wenn man beginnt, schreibt man für sich und drei Freunde, die einen kennen. Doch spätestens dann, wenn man sich einen Leserstamm aufgebaut hat, der auch aus „Fremden“ besteht, möchte man seine Leser nicht mehr enttäuschen. Vor nem Freund kannste dich entschuldigen und faul sein; vor Dritten nicht mehr.
Das Schreiben hilft mir manchmal selbst, mit mir ins Reine darüber zu kommen, was ich denke, was ich fühle, wo ich stehe. Dass ich das zum Teil auch öffentlich mache, mag verwundern. Aber dabei geht es ja immer auch um meinen Standpunkt in der Welt. Und nur äußerst selten um meine privaten Dinge. Die bewältige ich zwar auch durch das Schreiben; diese Texte werde ich aber ganz sicher nicht öffentlich machen
Inzwischen habe ich aus dem Bloggen ja meinem Beruf gemacht. Meine Berufung ist das Schreiben ja sowieso. Und arbeite seit einigen Jahren für den hpd (Humanistischen Pressedienst) – in vier Wochen werde ich von meinem Freund und bisherigen Chefredakteur Carsten Frerk eben diesen „Job“ übernehmen. Und: ja, darauf bin ich stolz und das macht mich glücklich. Das wird natürlich auch Auswirkungen auf den Blog haben – der wird wohl ein wenig darunter leiden, denn ich werde weniger Zeit für ihn aufbringen können.
Das ist aber nicht weiter tragisch: denn die Themen ähneln sich ja.

Die Freiheitsliebe: Wieso haben Religion und Säkularismus eine so wichtige Rolle auf dem Blog? Diesen Beitrag weiterlesen »

Loyal dienen. Diskriminierendes Arbeitsrecht bei Caritas, Diakonie und Co.

Loyal dienen?

Loyal dienen?

Im Alibri-Verlag ist jetzt eine Studie zum dis­kri­mi­nie­ren­den Arbeitsrecht bei Caritas, Diakonie und Co. unter dem Titel „Loyal die­nen“ erschie­nen. Die Autorin Corinna Gekeler läßt hier über 50 Betroffene selbst zu Wort kom­men. Gerade diese Fallbeispiele, die ja wohl nur die Spitze des Eisbergs zei­gen, welch mas­si­ven Gebrauch die bei­den soge­nann­ten Amtskirchen in der Bundesrepublik Deutschland von ihren zumeist selbst ange­maß­ten Sonderrechten machen, und dies mit Duldung, ja sogar Förderung durch Politik und höchste Gerichte.

Aber nicht nur Betroffene kom­men in die­sem Band zu Wort, son­dern auch mit dem Thema befaßte Juristen, Politiker, Parteien und Organisationen. Gekelers Studie und das dar­auf basie­rende Buch dürfte die wohl erste aus­führ­li­che Untersuchung der Auswirkungen „kirch­li­chen Arbeitsrechts“ in der so genann­ten „Dienstgemeinschaft“ auf den bun­des­deut­schen Ausbildungs- und Arbeitsalltag sein. Dieses Buch dürfte selbst gestan­de­nen Kirchenkritikern sehr viel Neues ver­mit­teln.

Eine kri­ti­sche Anmerkung vorab. Sowohl die Autorin, als auch die Betroffenen, und erst recht die die spä­ter befrag­ten Experten spre­chen fast aus­nahms­los unhin­ter­fragt vom „kirch­li­chen Selbstbestimmungsrecht“. Ein Recht, das nicht vom Grundgesetz und der in die­ses inkor­po­rier­ten „Kirchenartikel“ der Weimarer Reichsverfassung gedeckt ist, und das so erst seit der Adenauer-Regierungszeit unwi­der­spro­chen in Gebrauch kam.

Wenn Gekeler auf Arbeitsverhältnisse in und bei Kirchen ein­geht, so erfaßt sie damit zwei Gruppen. Zu einen die inner­kirch­li­chen, also „orga­ni­sa­ti­ons­in­ter­nen“, wie Pfarrer, Vikare, Religionslehrer u.ä. Auch hier gibt es Diskriminierungen, hier vor allem mit Bezug auf die pri­vate Lebensführung: Homosexualität, Scheidung, Wiederverheiratung. Aber bei allem Inhumanen, was hier durch Entscheidungen der Kirchenleitungen, ins­be­son­dere der katho­li­schen, offen­bar wird und auch abzu­leh­nen ist, so muß doch gesagt wer­den: Wer in einer Religionsgemeinschaft Ämter anstrebt, muß nun mal die reli­giö­sen Grundwerte aner­ken­nen. So wie es ja auch Parteipolitiker und Vereinsfunktionäre in Bezug auf die jewei­li­gen Satzungen und Programme müs­sen Diesen Beitrag weiterlesen »

Kreuzberg: Keine Religion an öffentlichen Plätzen – Made in USA

Keine religiösen Feste mehr in Kreuzberg? (Foto: paparutzi/ flickr.com/ CC BY 2.0))

Vor wenigen Tagen titelte es: „Berlin-Kreuzberg“ verbietet Weihnachten in der Berliner Zeitung. Viele warfen daraufhin den Muslimen vor, aufgrund ihres Druckes wäre Weihnachten aus der Öffentlichkeit verbannt worden. Auf Facebook, Twitter und Google+ fand man vereinzelt auch NPD Wahlaufrufe als Reaktion. Auch wenn es sich im Nachhinein als Missverständnis herausstellen sollte,  ist die Reaktion auf ein Verbot aller religiösen Feste mehr als problematisch: Werden christliche und islamische Feste gleich behandelt, das heißt beide nicht genehmigt, führt es zum Aufschrei. Ist es hingegen „nur“ das islamische Fastenbrechen, welches nicht im öffentlichen Leben stattfinden soll, findet man maximal eine Randnotiz in den Medien.

Das praktische Problem das sich der Bezirksverwaltung stellt, ist die „Übernutzung“ der Stadtteile Friedrichshein und Kreuzberg. Aktuell finden jährlich ca. 150 Feste in Berlin-Kreuzberg statt. Die Zuständigen Behörden sehen sich vor einer Herausforderung. „Wenn man dann noch einer Religionsgruppe ein Fest erlaubt, muss man auch allen anderen ihre Feste erlauben, sagte Peter Beckers gegenüber der Berliner Zeitung. Die Entscheidung fällt in Beckers Resort.

Immerhin kann man eine Schlussfolgerung aus der Auseinandersetzung ziehen: Auch wenn Weihnachten nicht mehr im öff. Raum stattfinden sollte, werden alle religiösen Feste gleich behandelt, anders als es vorher der Fall war. Ob im Inn-Bezirk Berlins jedoch lieber kommerzielle oder kulturelle Feste anstelle von religiöser gefeiert werden sollten, ist fraglich. In erster Linie müsste sich hier das Angebot an der Nachfrage orientieren. Doch die Frage nach dem Anfang und dem Ende religiöser Feste bleibt. Ist ein Weihnachtsmarkt tatsächlich ein religiöses Fest? Und das in Deutschland „trendige“ Holi fest, bei dem man sich gegenseitig mit Farbwassermischungen bewirft? Diesen Beitrag weiterlesen »

Christlich, fröhlich, unbequem – Lesben, Schwule, Bisexuelle und TransMenschen in den Kirchen

logos_huk-logo_mit-text_2011-10-11Wovor haben die Kirchenoberen Angst? Dass wir Lesben, Schwule, Bisexuelle und TransMenschen (LSBT) in Stöckelschuhen zur Kirche gehen und ihre Kirche auf den Kopf stellen? Dass Ehe, Familie und die gesamte Gesellschaft untergehen? Man trifft uns einfach überall  – auch in den Kirchen. Ja, unser Coming-out hat die heftigen theologischen  und kirchenpolitischen Debatten erst ausgelöst, deren jüngster Höhepunkt  die Aussagen des noch nicht mal ein halbes Jahr amtierenden Papstes  Franziskus darstellen.

Homosexualität sei nicht natürlich, sagen manche.  Und in der Bibel werde das doch schwer verurteilt. Sie verschweigen,  dass die Bibel nicht zu allen heute bekannten Fragen eine griffige Antwort  bietet und dass für Lesben und Schwule Homosexualität sehr natürlich  ist. Sie relativieren die Erzählungen, die von der Zuneigung zweier  Männer oder zweier Frauen handeln. David und Jonathan hatten ebenso  eine enge Verbindung wie Ruth und Naomi. Die Bibel lässt offen, ob  zwischen ihnen auch eine erotische Beziehung bestand.

Zuletzt heißt es, Homosexualität sei Ausdruck einer  psychischen Störung. Viele Lesben, Schwule, Bisexuelle und TransMenschen  jedoch leiden nicht unter ihrer Orientierung, sondern unter Zurückweisung,  die sie in Familie, Kirche und Gesellschaft erleben. Für sie ist Coming-out  eine befreiende Erfahrung.

Ein solche Befreiung begann ab 1960; es erschienen  erste theologische Bücher, die schwule / lesbische Lebensweise mit  dem Christentum in Einklang brachten. Die Kirchen reagierten mit negativen  Stellungnahmen (viele Kirchenvertreter hatten noch nie mit Homosexuellen  gesprochen, waren sich in ihrer Beurteilung aber sehr sicher – das  ist bis heute so) und ersten bekannten Fällen von Diskriminierung homosexueller  Kirchenmitarbeiter. Genau in dieser Situation entstanden christliche  Homosexuellengruppen in den USA und Frankreich; 1977 gründete sich  in Berlin die Ökumenische Arbeitsgruppe „Homosexuelle und Kirche“  (HuK). In den 90er Jahren wurde sie in den Kirchen immer bekannter.  Mit dem Gemeindeprojekt „Farbe bekennen“ suchte sie den Kontakt  zur kirchlichen Basis, die das Projekt mit Gesprächsangebot und einem  eigens erstellten Arbeitsheft dankbar annahm. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Vernichtung der Juden und das Schweigen von Pius XII.

Pius XII und die Vernichtung der Juden

Pius XII und die Vernichtung der Juden

WEIMAR. (fgw) Die vom Ratzinger-Papst geplante Selig- und Heiligsprechung des Pacelli-Papstes Pius XII. (Pontifikat 1939 – 1958) veranlaßte den belgischen Wissenschaftler Dirk Verhofstadt sich 2008 näher mit dem Wirken des letzteren zu befassen. So entstand seine Promotions-Schrift „Pius XII und der Vernichtung der Juden“, die nun vom Alibri-Verlag in deutscher Sprache herausgegeben wurde.

Ratzinger lobte den Pacelli-Papst für „die heroischen Tugenden, die der Papst in seinem Leben zeigte und die als Beispiel für die Christen dienen könnten”. Verhofstadt stellt dagegen fest, daß eben jener zu keinem Zeitpunkt den Antisemitismus und die Gräueltaten angeprangert habe. Und er listet eine ganze Reihe von Fragen auf, zu denen Pius XII. geschwiegen habe. Die Frage, warum hat der Papst (nicht nur) zur Vernichtung der europäischen Juden geschwiegen, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Man könnte es aber doch sehr kurz machen mit dieser Überlegung: Ja, warum sollten denn Papst und katholischer Klerus gegen faschistischen Antisemitismus protestieren? Ist doch der Antjudaismus (die Juden als Christusmörder) ein Kernpunkt der christlichen Religion!

Widerspruch ruft beim Rezensenten in weiten Teilen Verhofstadts Vorwort hervor. In Bezug auf die Europäische Union bringt er, voller Illusionen und Idealisierung, nur Hagiographisches zu Papier, wenn es um das Verhältnis von Staat und insbesondere der katholischen Kirche geht. Zu einer Gegenfrage provoziert z.B. sein Satz: „Hat die Kirche, hat vor allem der Papst, als Hüter seiner treuen Herde, Ausreichendes geleistet, um die katholischen Werte zu schützen?” – Welches sind denn nun diese ominösen „katholischen Werte”?

Der Autor hat sein Buch in fünf Teile gegliedert: I – Strategie; II – Kapitulation; III Unterlassung; IV – Mitschuld und V – Verleugnung.

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Warum links sein und Laizismus zu einander gehören

Ralf Michalowsky

Ralf Michalowsky

Laizisten sind nicht per se Atheisten, auch richten sich laizistische Forderungen nicht gegen Religionen an sich.

Religiöse Menschen versuchen jedoch oft, in Ermanglung von konstruktiven Gegenargumenten, Diskussionen zu emotionalisieren um ihre religiöse Vormachtstellung in der Gesellschaft zu sichern. Wieso ist denn die Entfernung von Kreuzen aus den Klassenzimmern staatlicher Schulen ein Angriff auf religiöse Gefühle? Warum sollen Kirchen Sonderrechte beim Arbeitsrecht haben? Was ist an der Abschaffung der staatlich finanzierten Militärseelsorge so katastrophal? Und warum sollen die Abschaffung des Blasphemiegesetzes (§ 166 StGB) und der religiösen Feiertagsgesetze (Tanzverbot) religiöse Gefühle verletzen?

Fangen wir doch mal ganz von vorn an. Die Omnipotenz religiöser Symbole und Handlungen in der Öffentlichkeit prägt die Gesellschaft, lassen Religion fast zur Selbstverständlichkeit werden. Kreuze in Kindergärten, Schulen, Rathäusern, Gerichtssälen, Trauerhallen und weiß Gott wo noch , zeugen von dem Versuch allgegenwärtige religiöse Präsenz zu zeigen. Ratshauseinsegnungen, religiöse Eidesformeln, Gottesbezüge in den Verfassungen, Schulgebete, Schulmessen sollen Normalität erzeugen.

Mit diesem Klima soll Akzeptanz erzeugt werden, Zustimmung zur Militärseelsorge, für die der Staat jährlich 30 Mio. Euro bezahlt. Zustimmung zur staatlichen Gehaltszahlung an Bischöfe und Kardinäle in Höhe von 286 Mio. Euro pro Jahr. Zustimmung zu Sonderrechten, die aus dem Status “Körperschaft des öffentlichen Rechts” entstehen: Kirchen zahlen keine Gerichtsgebühren, keine Grundsteuer, können die Mitgliedsbeiträge vom Staat als Kirchensteuer eintreiben lassen, haben es erreicht, dass kostenträchtige Behördengänge erforderlich sind um die Kirchenmitgliedschaft zu beenden usw. Politik und Kirchen spielen da Hand in Hand. Kirchliche Kitas erhalten höhere Landeszuschüsse als kommunale Einrichtungen.

Das kirchliche Arbeitsrecht, ohne Betriebsrat, ohne Streikrecht und ohne Tarifrecht hat derzeit sogar vor Gerichten Bestand. Diskriminierung (Entlassung bei Wiederheirat) von kirchlich Beschäftigten ist gang und gäbe. Diesen Beitrag weiterlesen »

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