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Wir brauchen ein Verbot der Leiharbeit – Im Gespräch mit Jutta Krellmann

Jutta Krellmann

Jutta Krellmann

Leiharbeit ist in den letzten Jahren ein immer stärkeres Problem geworden. Viele Beschäftigte haben wenig Möglichkeiten aus ihren Leiharbeitsverträgen rauszukommen, die Einkommensentwicklung ist noch schlechter als bei Normalbeschäftigten und die Unsicherheit noch größer. Wir sprachen mit Jutta Krellmann über Leiharbeit und die Möglichkeiten dieser zu begegnen.

Die Freiheitsliebe: Die Leiharbeit hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, welche Gründe gibt es für den Anstieg?

Jutta Krellmann: Leiharbeit ist aus mehreren Gründen attraktiv für Unternehmen.
Erstens erlaubt der Einsatz von Leiharbeitern die Flexibilisierung des Arbeitskräfteeinsatzes. Für die Firmen rechnet sich das: Sie geben so die Personalverantwortung an die Leiharbeitsfirma weiter. Sie können im Bedarfsfall Arbeitskräfte ausleihen, die sie flexibel wieder „abbestellen“, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Die Leiharbeitsfirmen wälzen die Personalverantwortung ihrerseits auf ihre Beschäftigten ab: Leiharbeitsbeschäftigte arbeiten die gleiche Arbeitszeit wie die Stammbeschäftigten der Entleihfirma. Die Mehrarbeitsstunden werden bis zu 150 Stunden in ein Arbeitszeitkonto gepackt. Wenn der Auftrag im Unternehmen zu Ende ist, wird die beschäftigungslose Zeit bis zum nächsten Auftrag oder die Kündigungsfrist mit ihnen überbrückt. Leiharbeit bedeutet für die Beschäftigten also eine mangelhafte Absicherung und keine Gewissheit was morgen kommt.
Zweitens dient die Leiharbeit häufig der Senkung der Löhne. Leiharbeiter verdienen in der Regel deutlich schlechter als ihre regulär angestellten Kollegen mit gleicher Tätigkeit. Die Leiharbeit ist also ein Mittel, um die Löhne von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen zu drücken. Diesen Beitrag weiterlesen »

“Fleischmarkt – weibliche Körper im Kapitalismus” – von Laurie Penny

9783894017552_150_TLaurie Penny, eine junge englische Bloggerin untersucht in ihrem bereits im Februar 2012 auf deutsch erschienen Buch “Fleischmarkt – weibliche Körper im Kapitalismus”, warum die Ausbeutung von Frauen und die Illusion einer käuflichen, künstlichen Weiblichkeit immanent zum Kapitalismus gehört. Auf höchst unterhaltsame Weise formuliert sie Sätze, so scharf wie Rasiermesser, die schonungslos offenlegen, warum der Feminismus noch immer an so vielen Fronten zu kämpfen hat und dass der Kampf um die Befreiung der Frau untrennbar verbunden ist mit dem Kampf gegen den Kapitalismus.

In vier Kapiteln zeigt der schmale Band, wie Sexualität und Weiblichkeit zu sterilen Mitteln für Konsum und Marketing geworden sind, während für echte Sexualität und weibliche Körper kein Raum mehr ist. Auf der einen Seite begegnet uns überall sexualisierte Werbung, nackte, perfektionierte, sterile Körper, die ständig locken und verführen, auf der anderen Seite werden junge Frauen, die versuchen, diese Form der Sexualität nachzuäffen, weil sie sie für die Wirklichkeit halten, als Schlampen stigmatisiert und durch den Dreck gezogen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Eiszeit – Staatsstreich des Kapitals oder Renaissance der Linken

Eiszeit: Staatsstreich des Kapital?

Eiszeit: Staatsstreich des Kapital?

Die Linke befindet sich momentan in einer Krise, sie liegt laut Umfragen nur bei 7% und das obwohl die Mehrheit der Bevölkerung das aktuelle System und seine Folgen ablehnen. Antworten auf die Frage wie die Linke sich in Krisenzeiten verhalten soll gibt es viele verschiedene, eine kommt von Uli Maurer, parlamentarischer Geschäftsführer der Linken.

Als ehemaliger Sozialdemokrat in Baden-Würtemberg kennt er die verschiedenen Seiten der Politik, die Regierung, wie auch die Opposition, in seinem  neuen Buch in erfrischend kräftiger Sprache mit der neoliberalen “Eiszeit” ab und skizziert eine Strategie für die neue Linke.

Sebastian Zehetmair hat für Marx21 das Buch besprochen: Er schildert den „Klassenkampf von oben”, der von den Eliten unter dem Deckmantel der Globalisierungsdebatte betrieben wird. Hierbei stellt er die allgegenwärtige Korruption ebenso dar wie die „kontrollierte Meinungsmache” einer hochmonopolisierten Presse.

Das intellektuelle Repertoire der “Macht- und Bildungseliten” beschränke sich auf “pragmatischen Nihilismus” und Zynismus. “Zorn und Aufruhr” seien “die richtige Antwort auf deren schändliches Regime.” Maurers ehemalige Partei, die SPD, zelebriere  hingegen nur noch ihre eigene Passivität und Machtlosigkeit. Mittelfristig sei ihre Spaltung unvermeidlich. Diesen Beitrag weiterlesen »

Menschenleben oder Kapital – Was zählt ?

Der Versuch, Antwort zu geben auf die Frage :“ Wie kann es sein, dass die Menschen, die andere Menschen bedrohen oder ihnen Gewalt zufügen, so verhältnismäßig milde Strafen erhalten, während Menschen, die Sachwerte zerstören, so hart bestraft werden?kann nur beim Versuch bleiben.

Am 27.01. gedachte ganz Deutschland und wahrscheinlich auch der Rest Europas dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Dieses Gedenken symbolisiert ein Lernen aus der Geschichte, den Willen, Vergangenes nicht wieder zuzulassen, aufzupassen, sensibel zu sein.

Die Gründer der Bundesrepublik verfassten als Resultat des Gelernten das Grundgesetz mit dem Ziel, Vergangenes nicht wieder zuzulassen, aufzupassen, sensibel zu sein. Die Gleichheit des Menschen war ein Leitmotiv, die Ausgrenzung und Bewertung nach Religion und Herkunft und aus welchen Gründen auch immer sollte künftig ausgeschlossen werden.

Wir haben aus der Vergangenheit gelernt.

Haben wir?

Seit 1990 wurden vom Verfassungsgericht über 150 Gesetze und Gesetzesentwürfe für Verfassungswidrig gelegt oder auf Eis gelegt.

Nicht enthalten sind die Gedanken, die bereits im Vorfeld abgelehnt wurden oder diejenigen, die nicht beklagt wurden und deshalb passierten.

Diese nüchterne Zahl steht für einen Wandel im Geiste, der meint, aus Vergangenem gelernt zu haben und sich für stark genug hält, zu Widerstehen.

Man wähnt sich möglicher Weise in der Illusion, dass man alles im Griff habe, die Vergangenheit schließlich stets im Blick und übersieht dabei, dass es viele Möglichkeiten gibt, das Maß zu verlieren.

 

Man glaubt wieder, selektieren zu können. So schrieb ein auch heute sehr präsenter Politiker, der nicht unmaßgeblich an der künftigen Politik in unserem Land beteiligt sein wird: „Soziale Gerechtigkeit muss künftig heißen, eine Politik für jene zu machen, die etwas für die Zukunft unseres Landes tun: die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitsplätze schaffen, kurzum, die Leistung für sich und unsere Gesellschaft erbringen. Um die – und nur um sie – muss sich Politik kümmern.“  Das ist jetzt zugegebener Maßen etwa 10 Jahre her, dennoch, es fand keine Distanzierung von dieser Aussage statt, bis heute. Warum auch? Es gab allenfalls zaghafte Kritik, wenn überhaupt, in jedem Falle in einem Ausmaß, an das in Vergessenheit geraten ist. Einen Aufschrei gab es schon gar nicht. Mit dieser Aussage findet eine bis heute Gültigkeit habende Kategorisierung in wertes und unwertes Leben statt. Das zarte Aufflackern eines Deja vù.

 

Die Richtung, die wir eingeschlagen haben, deutet an, dass das vermeintlich Erlernte nicht zu einer wirklich greifbaren Verhaltensänderung geführt hat. Es wird wieder gespalten, gut und böse nach willkürlichen Maßstäben definiert, unter Generalverdacht gestellt und diffamiert. Der Mensch wird nach seiner Nützlichkeit betrachtet, die Nützlichkeit nach produktiver Effektivität beurteilt. Der Mensch verdient seine Würde nicht mehr qua Geburt, sondern muss sie sich nach den Maßstäben der Politik verdienen. Er wird im Gefüge des produktiven Kreislaufs versachlicht, als austauschbarer Teil einer Produktionskette, die, je billiger, desto besser, der seinen Wert erst dadurch erhält, dass er Mehrwert schafft.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass Menschenleben gegenüber materiellen Werten ins Hintertreffen geraten. Das höchste Gut ist heutzutage der Besitz von materiellen Werten. Dem liegt die Urteilssprechung zu Grunde, der wir nicht folgen können.

Ein Beitrag von Frank Braunert- Saak

SYRIZAs Aufstieg – Griechenlands Ausweg

Proteste für ein anderes System - vereint stark!

Proteste für ein anderes System – vereint stark!

Die Krise der bürgerlichen Demokratie in Griechenland wird immer deutlicher. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die Regierung bald auseinanderfallen könnte. Die griechische Linke arbeitet immernoch nicht zusammen, doch die Bevölkerung scheint zu erkennen das SYRIZA die einzige Partei ist, die eine glaubhafte Alternative zum neoliberalen Spardiktat hat, während die KKE an Einfluss verliert und die Goldenen Morgenröte zur größten Gefahr wird.

Laut den aktuellen Umfragen dürfte SYRIZA die mit Abstand stärkste Partei werden:

  • Nea Dimokratia 26%, gegenüber 29,7% bei den Wahlen am 17 Juni 2012
  • SYRIZA  30,5%, gegenüber 26,9%
  • PASOK  8%, gegenüber 12%
  • Unabhängige Hellenen 9%, gegenüber 7,5%
  • Chrysi Avgi 10,5%, gegenüber 6,9%
  • DIMAR 6,5%, gegenüber 6,3%
  • KKE 5,5%, gegenüber 4,5%
  • Andere Partei 4%, gegenüber 6%

Nach diesen Umfragen würde SYRIZA nach der Wahl ein Bündnis gemeinsam mit KKE und/oder der inzwischen wieder stabilisierten DIMAR bilden. Ein Bündnis dem viele linke Griechen kritisch gegenüber stehen, nicht nur wegen den staatstragenden Aussagen von Tsipras. Schon kurz vor der vergangenen Wahl gab sich Tsipras in einem Beitrag für die Financial Times Deutschland geradezu staatstragend: ” Syriza (…) ist aktuell die einzige politische Bewegung in Griechenland, die dem Land wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Stabilität bringen kann. (…) Nur Syriza kann den Griechen Stabilität garantieren, denn wir bringen nicht die politischen Altlasten mit wie jene etablierten Parteien, die Griechenland an den Abgrund geführt haben. Aus diesem Grund unterstützen die Wähler unsere Bemühungen, das Land vom Abgrund zurückzuholen. Durch transparente Regierungsarbeit werden wir das Land auf einen neuen Pfad des Wachstums führen.” Neben der Sorge vor einer Sozialdemokratisierung der Partei scheint auch die Angst vor der stärker werdenden neofaschistischen Goldene Morgenröte viele linke GriechInnen zu verängstigen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Zwischen Konkurrenz und Rassismus – Die Spaltung der ArbeiterInnen

Gemeinsam gegen Spaltung

Gemeinsam gegen Spaltung

Rassismus ist eines der größten Probleme in unserer Gesellschaft, die Art des Rassismus hat sich in den letzten Jahren geändert. Es wird nicht mehr mit biologischen Argumenten, von einer moderneren “Rasse” argumentiert, sondern mit der Überlegenheit der westlichen Kultur gegenüber anderen Kulturen, besonders der muslimischen. Diese dürfen heute als neue Sündenböcke dienen, die weder Interesse haben sich zu integrieren noch zu Arbeit gehen, so die herrschenden Vorurteile.

Rassismus wird in Deutschland oft als Problem der sogenannten “Unterschichten” dargestellt, die über wenig Bildung verfügen und deswegen nicht mit anderen Kulturen umgehen könnten, dass der Rassismus vom herrschenden Teil der Gesellschaft gefördert und nicht nur toleriert wird, bleibt meist unerwähnt.

 

Rassismus als einigendes Mittel

ArbeitnehmerInnen befinden sich in Zeiten der Krise in direkter Konkurrenz zu einander, sie haben Angst vor den Folgen des Arbeitsplatzverlustes, den damit einhergehenden Geldsorgen und der Ausgrenzung durch die Gesellschaft. Diese Ängste sorgen dafür, dass die ArbeiterInnen sich verstärkt um den  Erhalt ihres Arbeitsplatzes kümmern. Die ökonomische Konkurrenz zwischen verschiedenen Gruppen in der Arbeiterschaft sorgt dafür, dass die Gruppen, die sich anhand von Religion, Herkunft oder Sprache finden, sich unter einander solidarisieren und sich von anderen Gruppen abtrennen, um eigene “Privilegien” zu erhalten. Die verschiedenen Gruppen konkurrieren in dem Wettkampf um Arbeitsplätze, statt auf gemeinsame Aktionen und gemeinsamen Widerstand zu setzen.

Grund für die Konkurrrenz zwischen den “verschiedenen Gruppen” der Arbeiter, ist das Gefühl sich den verschiedenen Gruppen anpassen zu müssen. Eines der besten Beispiele wie verschiedene Gruppen der Arbeiterklasse gegeneinander aufgespielt wurden, waren die amerikanischen Südstaaten im vergangenen Jahrhundert. Der Wissenschaftler Du Bois stellt in seinem Werk “Black Reconstruction in America” dar, wie die Unterschiede zwischen weißen und nicht-weißen Arbeitern aufgebaut wurden, durch verschiedene Rechte, die die beiden Gruppen hatten.
“Es muss daran erinnert werden, dass die weiße Gruppe von Arbeitern, wenngleich sie auch niedrige Löhne bezog, einen Ausgleich in der Form eines politischen und pychologischen Lohns erhielt. Weil sie weiß waren, wurden sie in der Regel besser behandelt und geachtet. Sie konnten wie alle Weißen unabhängig von ihrer Klassenposition öffentliche Veranstaltungen, Parks oder Schulen nutzen.” Dem gegenüber stand die Situation der nicht-weißen Arbeiter:

“Auf der anderen Seite wurde der Schwarze öffentlich beleidigt. Er fürchtete den Mob, wurde von Kindern verspottet, war den unberechtigten Ängsten weißer Frauen ausgesetzt und musste sich fast ununterbrochen verschiedenen Formen der Diskriminierung (z.B. auf Reisen oder Ämtern) unterwerfen.”

Die Folge dieser Aufspielung der arbeitenden Menschen gegeneinander, erkennt Du Bois: “Das Resultat war, dass die Löhne beider Klassen niedrig gehalten werden konnten.”

Die Politik die arbeitende Klasse gegeneinander auszuspielen war im Süden der USA besonders deutlich, sie funktionierte aber auch in allen anderen Teilen der Welt. Während den 70er Jahren kam es in Deutschland zu verschiedenen Streiks, die maßgeblich von Migranten organisiert worden waren. Die Medien stellten diese Streiks als Wunsch der Migranten dar, sich gegen die deutschen Arbeiter zu behaupten und in ihre Privilegien zu rauben. Die Folge der Medienkampagne war, dass die wenigsten deutschen ArbeitnehmerInnen sich an den Streiks beteiligten und die Arbeitgeber so die Möglichkeite hatten mit verschiedenen Gruppen zu sprechen, deren Interessen nur gemeinsam durchgesetzt werden konnten. Die Trennung in deutsche und migrantische Arbeitnehmer sorgte dafür, dass diese sich als konkurrierende Gruppen sahen, die Folge waren nur geringe Lohnsteigerungen, sowie ein Zugehörigkeitsgefühl der deutschen ArbeiternehmerInnen zur herrschenden Gruppe. Dieses Zugehörigkeitsgefühl sorgte dafür, dass der Zusammenhalt in der Gruppe wichtiger wurde als die Durchsetzung der eigenen Interessen, die alle Arbeiter teilten.

Kapital – Profiteur der Spaltung?

Die Vorurteile, die durch Medien und PolitikerInnen gefördert werden, dienen alle der herrschenden Klasse. Die Spaltung der Gesellschaft, beschrieb Marx schon als er sagte: “Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.” Der Rassismus wird gefördert von denjenigen, die davon profitieren, wenn die ArbeitnehmerInnen viel mehr auf ihre Differenzen als auf ihre Gemeinsamkeiten achten. Das Kapital bietet einem Teil der Arbeiterklasse, den weißen und männlichen Arbeitern, einen Ersatz für ihre schlechte Entlohnung, in dem diese sich zu den Profiteueren und Anhängern der herrschenden Ideologie zählen dürfen.

Die Suche nach einem “gemeinsamen” Feindbild, z.B. Arbeitslosen und ArbeitnehmerInnen mit Migrationshintergrund, dient der Bildung einer Gemeinsamkeit zwischen dem Kapital und einem Teil der Benachteiligten, die das Wirtschaftssystem mit sich bringt. Rassismus wird gefördert und verwendet um die Schaffung von Konkurrenzverhältnissen unter den ArbeitnehmerInnen zu verstärken.

 

Wir brauchen wirkliche Demokratie – Mitbestimmung in allen Bereichen

Volksentscheid - Lösung der Probleme?

Wirkliche Demokratie heißt, zumindest wenn man Aristoteles folgen will, dass alle BürgerInnen an den Beratungen über Entscheidungen teilnehmen und mitentscheiden. Demokratie nur auf Wahlen zu Parlamenten zu beschränken, wäre nach Aristoteles sicher nicht wirklich demokratisch. Wenn man seiner Theorie folgen würde, dann  müsste sich einiges in unserer Gesellschaft verändern.

Das Wahlrecht und die Mitbestimmung müssten in allen Lebensbereichen durchgesetzt werden, die Verantwortlichkeit der Mandats- und Verantwortungsträger wäre notwendig. Die Entscheidung müssten dabei für alle Bereichte des Lebens gelten, ob nun in der Wirtschaft, der Energieversorgung, dem Bildungssystem oder der Forschung. Eine Vorstellung von der wir heute weit entfernt sind.

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Mindeststeuer für Millionäre – 10% Steuern bei Einkommensmillionären

Steuern erstmal eintreiben!

Millionäre können in Großbritannien nur 10% Steuern bezahlen, wenn sie alle Schlupflöcher ausnutzen die ihnen das englische Recht bietet. Während Arbeiter mindestens 20% Steuern auf ihr Einkommen bezahlen, kann sich die Oberschicht, ausgerüstet mit einer Armee von Steuerberatern und Anwälten, vor angemessenen Zahlungen drücken.

Großbritannien kämpft mit der Krise des Kapitalismus und hat in deren Folge hundertausende Menschen im öffentlichen Dienst entlassen oder ihre Löhne gesenkt. Millionen Briten demonstrierten gegen die unsoziale Politik der konservativ-liberalen Koalition in Großbritannien, die der Ansicht ist, dass die Krise nur gelöst werden kann, wenn die einfachen Arbeitnehmer einen noch höheren Beitrag an den staatlichen Ausgaben zahlen müssen. Reiche stärker belasten, wollten weder Torries noch Liberaldemokraten, dies scheint sich nun geändert zu haben.

Mindessteuer statt Reichensteuer

Nick Clegg, Parteichef der Liberaldemokraten und Vizepremier, erklärte der konservativen Tageszeitung “The Telegraph” vor einigen Wochen, dass hunderte Millionäre weniger als 20 Prozent und tausende weniger als 30 Prozent ihres Einkommens versteuern, in dem sie sich einer Armee von Rechtsanwälten und Steuerberatern bedienen und dem Spitzensteuersatz von 50 Prozent umgehen. Sie würden Steuerschlupflöcher und Vergünstigungen nutzen, um dann einen geringeren Anteil als normale Angestellte an Steuern zu zahlen und damit dem hoch verschuldeten Staat viel Geld vorenthalten, so der Liberaldemokrat gegenüber der Zeitung.

Nick Clegg will eigentlich den Steuersatz von 50% senken und den Reichen noch mehr entgegenkommen, doch die mangelende Zahlungsbereitschaft der Reichsten, scheint selbst ihn zu schockieren. Statt einer Reichensteuer, wie sie in Deutschland die linkeren Parteien in verschiedenen Ausmaßen fordern, will Clegg einen Mindestsatz einführen, den jeder zahlen müsste. Auf die Idee einer solchen “tycoon tax” sei er gekommen, nachdem der amerikanische Präsidentschaftskandidat und Multimillionär Mitt Romney erklärte, er würde gerade einmal 13,9 Prozent an Steuern zahlen, wie englische Medien ihn zitierten.

Konservative ziehen nach

Nach den Liberaldemokraten scheint auch der britische Finanzminister Osborne, Mitglied der Torries,  auf das Themagestoßen zu sein.  Er fordert nun auch, dass jeder Bürger ab einem bestimmten Einkommen, einen Mindeststeuersatz zu bezahlen hat.

Osborne erkennt, wie auch die Liberaldemokraten, nicht, dass den Reichsten keine Anreize geboten werden müssen, damit sie sich an die staatlichen Regeln halten, sondern die Zahlung von Steuern eine Verpflichtung jedes Bürgers ist, die mit der Höhe des Einkommens natürlich zunimmt.

Trotz seiner konservativen Einstellung scheint aber selbst Osborne zu erkennen, dass die Ausnutzung des britischen Steuersystems nicht weitergehen kann. Osborne erklärte daher dem britischen Telegraph, dass er nun überzeugt sei von der Einführung einer “Tycoon tax”. Reiche sollten mindestens ein Drittel ihrer Einkommen an Steuern zahlen müssen. Osborne gab sich “schockiert”, dass selbst Menschen, die viele Millionen Pfund jährlich verdienen, keine oder fast keine Steuern entrichten. Einige der reichsten Menschen hätten es geschafft, “praktisch keine Einkommenssteuer” zu zahlen, was ganz legal, aber nicht richtig sei. Meist würden Verluste in einer der Firmen mit der Einkommenssteuer aufgerechnet.

Ab nächstem Jahr werden Steuerentlastungen auf maximal 25 Prozent des Einkommens oder 50.000 Pfund beschränkt. Diese Regelung wird zusätzliche Milliarden in die Kassen des Staates spülen, die Reichsten werden aber immernoch genug Möglichkeiten finden mit denen sie diese Gesetze umgehen können. Die Forderung nach der Zahlung von einem Drittel des Einkommens für Einkommensmillionäre, wäre daher ein Schritt in die richtige Richtung und wird daher auch von vielen Briten begrüßt, wenn er für viele auch nicht weit genug geht!

geplante Obsoleszenz – ein Leben für das Wachstum

Geplante Obsoleszenz. Hinter diesem Begriff verbirgt sich das Herstellen von Gütern, welche absichtlich minderqualitativ konzipiert werden, sodass das Endprodukt überfrüht verschleißt. Wer kennt es nicht? Das Mikrofon am Headset funktioniert nach knapp zwei Jahren nach dem Kauf nicht mehr, eine Reparatur lohnt sich nicht: Ein Neukauf muss das alte Gerät ersetzen. Dann macht auch noch das Handy schlapp, die Glühbirne ist schon länger kaputt und der Drucker, der vor kurzer Zeit noch einen intakten Eindruck machte, spuckt plötzlich keine bedruckten Papiere mehr aus.

Wie würdest Du reagieren, wenn Dir jemand sagen würde, dass eine Glühbirne, die seit 1901 in Betrieb ist, noch heute funktionstüchtig sei? Eine glatte Lüge? Nein, Realität! Im amerikanischen Shelby brennt diese Glühbirne noch heute – seit bereits mehr als 111 Jahren! Der Glühfaden ist so robust, dass er einfach nicht reißen mag. Die perfekte, qualitativ so hochwertige Birne war bis 1924 noch auf dem Markt frei erhältich. Doch seit dem großen Treffen der Weltgrößten Glühbirnenhersteller im Dezember 1924 änderte sich alles: Fortan wurde die Lebensdauer einer gängigen Glühbirne um ein vielfaches reduziert – wer dauerhaft Geld verdienen will, darf den Markt eben nicht sättigen, sondern muss durch gezielten Verschleiß die Nachfrage ankurbeln.

Ein Artikel, der sich nicht abnutzt, ist eine Tragödie fürs Geschäft

Kapitalismus oder Kommunismus? Weder noch! Diesen Beitrag weiterlesen »

Gewerkschaften sollen kämpfen – nicht betteln und kuscheln!

Früher ein Freund der Linken, DGB-Vorsitzender Sommer - Bildquelle ist die Linksfraktion

Die Gewerkschaften sind die Vertretung der Arbeiter und sollen deren Interessen gegen das Kapital vertreten, so zumindest die schöne Theorie. Die deutschen Gewerkschaften, zumindest deren Führung und dabei im besonderen die Führung des DGBs, scheinen diesen Auftrag ihrer Mitglieder vergessen zu haben.

In Zeiten der sinkenden Reallöhne können Gewerkschaften ihre Macht zeigen und Forderungen stellen, die die Arbeiter entlasten und die Reichsten belasten, so sehen es zumindestens die meisten Gewerkschaften weltweit. Die deutschen Gewerkschaften haben sich auch von dieser Aufgabe verabschiedet und gehen lieber auf Kuschelkurs mit der Regierung Merkel und den Unternehmern.

Krisenproteste?

Deutschland profitiert momentan noch von der Krise, da Deutschland von den Ratingagenturen gut bewertet wird und die deutschen Unternehmen ihre Waren immernoch exportieren können und die wichtigsten Absatzmärkte noch nicht unter dem Druck der Finanzindustrie zusammengebrochen sind. So ist das BIP in den vergangenen Jahren gewachsen, wenn auch nur in sehr geringem Maße. Von dieser Entwicklung haben aber nur die Reichsten in dieser Gesellschaft profitiert. Die Ärmsten haben zwar Lohnerhöhungen erhalten, die  konnten aber nicht mit dem Anstieg der Infaltion mithalten. So mussten die Arbeiter mit Einkommensverlusten auskommen und hatten real immer weniger Geld zur Verfügung. Diesen Beitrag weiterlesen »

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