Theologie ist keine Wissenschaft – Sie hat an öffentlichen Universitäten ebensowenig zu suchen, wie Gebetsräume jedweder Glaubensrichtung
Bis die gesetzlich verankerte Trennung von Kirche und Staat Realität wird, ist es noch einen langer Kampf. Es kann nicht sein, dass bei sinkender Zahl von Mitgliedern in den Glaubensgemeinschaften, bei immer mehr Kirchenaustritten, bei mehr als einem Drittel konfessionsfreier Menschen in Deutschland, sich die Kirchen zunehmend in öffentliche Räume drängen, um ihren Einfluss auszudehnen.
Das geht nicht zuletzt auf Kosten aller Steuerzahler, auch derjenigen, die bewusst aus einer der Kirchen ausgetreten sind. Sie werden über die allgemeinen Steuereinnahmen auch zur Bezuschussung der Glaubensgemeinschaften herangezogen. Rund 40 Mrd. Euro kassieren Kirchen und ihnen nahestehende Sozialwerke jährlich vom Staat und ihr eigener Beitrag aus Kirchensteuern ist nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nach eigenen Angaben geben sie weniger als 10 % ihrer 9 Mrd. Euro Kirchensteuereinnahmen für soziale Zwecke aus.
Nehmen wir ein Beispiel: das Hilfswerk Misereor e.V. Es hat 2009 ca. 50 Mio. Euro an Spenden eingesammelt. Das sind etwa 33 % des Gesamtetats. 62 % gibt Vater Staat und nur 5 % rücken die Kirchen raus. Dabei übersteigen Verwaltung (mit 2,6 %) und Werbung (mit 3,3 %) den Kirchenanteil schon um 0,9 %. Die Mär von der Unersetzlichkeit kirchlichen Engagements bestätigt sich auch hier wieder.
Doch zurück zur Universität. In Münster soll jetzt auf universitärem Grund eine Moschee gebaut werden. „Wir haben eine katholische und eine evangelische Universitätskirche“, sagt Universitäts-Rektorin Prof. Ursula Nelles. Da sei es nur konsequent, wenn die islamische Theologie eine Moschee erhalte. Die Baukosten in Höhe von vier Millionen Euro sollen durch Spenden finanziert werden. Die Pläne für das neue islamische Zentrum mit der Moschee sind sehr konkret, sagt dessen Leiter Prof. Mouhanad Khorchide. Mit einem Flyer wirbt die Universität um Spender. Khorchide: „Wir sind im Gespräch mit großen islamischen Stiftungen in Indonesien, Marokko und Katar.“ Voraussetzung für die Annahme von Spenden sei, dass daran keine Bedingungen geknüpft würden, dass das Zentrum unabhängig bleibe, so Khorchide. Er ist optimistisch, „dass die erforderliche Summe in einem Jahr zur Verfügung steht“.
Nachdem es in NRW seit Februar 2012 in einem Modellprojekt alevitischen Religionsunterricht in staatlichen Schulen gibt, will die Landesregierung an der UNI Duisburg-Essen nun einen Lehrstuhl für alevitische Religionskunde einrichten.
Dabei sollte doch jedem aufgeklärten Menschen klar sein: Theologie ist keine Wissenschaft, auch wenn es Thomas von Aquin war, der diesen Unsinn hoffähig gemacht hat! Alle Religionen sind Produkte menschlicher Phantasie. Meist basieren sie auf konstruierten Schöpfungsgeschichten, sind mit Dogmen verknüpft und haben alle einen entscheidenden Mangel: sie sind realitätsfern und nicht überprüfbar.
Deshalb kann es sich bei der Theologie nicht um eine Wissenschaft handeln. Die religiösen Systeme dienen vielmehr dem Machterhalt selbsternannter Cliquen, die ihren Nachwuchs mit Steuergeldern in einer Pseudowissenschaft ausbilden dürfen.
Die pseudowissenschaftliche Theologie als Lehrfach an den Universitäten muss abgeschafft werden!
Der Trend geht aber leider in eine andere Richtung. Religiöse Cliquen verstehen es ausgezeichnet, sich mit politischen Herrschaftsstrukturen zu vernetzen. Sie haben Lobbyisten im Bundestag und in allen Länderparlamenten. Um die Akzeptanz ihrer eigenen Existenz abzusichern und zu stärken, sind sie sogar bereit, ökumenische Unterstützung zu leisten. Das geht über die Zusammenarbeit der christlichen und jüdischen Glaubensgemeinschaften hinaus und erstreckt sich zunehmend auch auf die Interessen der religiösen Cliquen aus dem islamisch-religiösen Milieu. Wenn es um die Expansion und die Mehrung des eigenen Reichtums und Einflusses geht, spielen religiöse Alleinvertretungsansprüche plötzlich eine untergeordnete Rolle.
Wenn es in Münster katholische und evangelische Universitätskirchen gibt, dann ist das schon schlimm und nicht akzeptabel. Das als Argument für den Bau einer Moschee auf staatlichem Terrain heranzuziehen, passt zwar in die Argumentationskette der Religioten, ist aber falsch. Gebetsräume jedweder Couleur müssen privat betrieben werden und haben unter dem Dach einer staatlichen Universität nichts zu suchen.
Aufgeklärte Menschen müssen sich endlich stärker organisieren, zusammenschließen und durch Schaffung von Transparenz und Verbreiten von Informationen diesen Trend umkehren.
Unsere Ziele sind:
o Theologie weg von den öffentlichen Universitäten
o keine staatliche Förderung von theologischen Studiengängen
o keine staatliche Förderung der Ausbildung von Religionslehrern
o Religion als Schulfach abschaffen und durch Ethik und Kunde der verschiedenen Glaubensrichtungen ersetzen
o keine Erziehungseinrichtungen (KITA, Schulen, Universitäten) in kirchlicher Trägerschaft
o keine Bezahlung des kirchlichen Führungspersonals durch den Staat
Stoppt den religiösen Expansionsdrang – überall!
Ralf Michalowsky ist Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Laizismus in der LINKEN. NRW und war bis zum Mai 2012 als MdL religionspolitischer Sprecher der LINKEN Landtagfraktion.



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