Theologie ist keine Wissenschaft – Sie hat an öffentlichen Universitäten ebensowenig zu suchen, wie Gebetsräume jedweder Glaubensrichtung

Ralf Michalowsky

Bis die gesetzlich verankerte Trennung von Kirche und Staat Realität wird, ist es noch einen langer Kampf. Es kann nicht sein, dass bei sinkender Zahl von Mitgliedern in den Glaubensgemeinschaften, bei immer mehr Kirchenaustritten, bei mehr als einem Drittel konfessionsfreier Menschen in Deutschland, sich die Kirchen zunehmend in öffentliche Räume drängen, um ihren Einfluss auszudehnen.

Das geht nicht zuletzt auf Kosten aller Steuerzahler, auch derjenigen, die bewusst aus einer der Kirchen ausgetreten sind. Sie werden über die allgemeinen Steuereinnahmen auch zur Bezuschussung der Glaubensgemeinschaften herangezogen. Rund 40 Mrd. Euro kassieren Kirchen und ihnen nahestehende Sozialwerke jährlich vom Staat und ihr eigener Beitrag aus Kirchensteuern ist nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nach eigenen Angaben geben sie weniger als 10 % ihrer 9 Mrd. Euro Kirchensteuereinnahmen für soziale Zwecke aus.

 

Nehmen wir ein Beispiel: das Hilfswerk Misereor e.V. Es hat 2009 ca. 50 Mio. Euro an Spenden eingesammelt. Das sind etwa 33 % des Gesamtetats. 62 % gibt Vater Staat und nur 5 % rücken die Kirchen raus. Dabei übersteigen Verwaltung (mit 2,6 %) und Werbung (mit 3,3 %) den Kirchenanteil schon um 0,9 %. Die Mär von der Unersetzlichkeit kirchlichen Engagements bestätigt sich auch hier wieder.

Doch zurück zur Universität. In Münster soll jetzt auf universitärem Grund eine Moschee gebaut werden. „Wir haben eine katholische und eine evangelische Universitätskirche“, sagt Universitäts-Rektorin Prof. Ursula Nelles. Da sei es nur konsequent, wenn die islamische Theologie eine Moschee erhalte. Die Baukosten in Höhe von vier Millionen Euro sollen durch Spenden finanziert werden. Die Pläne für das neue islamische Zentrum mit der Moschee sind sehr konkret, sagt dessen Leiter Prof. Mouhanad Khorchide. Mit einem Flyer wirbt die Universität um Spender. Khorchide: „Wir sind im Gespräch mit großen islamischen Stiftungen in Indonesien, Marokko und Katar.“ Voraussetzung für die Annahme von Spenden sei, dass daran keine Bedingungen geknüpft würden, dass das Zentrum unabhängig bleibe, so Khorchide. Er ist optimistisch, „dass die erforderliche Summe in einem Jahr zur Verfügung steht“.

 

Nachdem es in NRW seit Februar 2012 in einem Modellprojekt alevitischen Religionsunterricht in staatlichen Schulen gibt, will die Landesregierung an der UNI Duisburg-Essen nun einen Lehrstuhl für alevitische Religionskunde einrichten.

Dabei sollte doch jedem aufgeklärten Menschen klar sein: Theologie ist keine Wissenschaft, auch wenn es Thomas von Aquin war, der diesen Unsinn hoffähig gemacht hat! Alle Religionen sind Produkte menschlicher Phantasie. Meist basieren sie auf konstruierten Schöpfungsgeschichten, sind mit Dogmen verknüpft und haben alle einen entscheidenden Mangel: sie sind realitätsfern und nicht überprüfbar.

 

Deshalb kann es sich bei der Theologie nicht um eine Wissenschaft handeln. Die religiösen Systeme dienen vielmehr dem Machterhalt selbsternannter Cliquen, die ihren Nachwuchs mit Steuergeldern in einer Pseudowissenschaft ausbilden dürfen.

Die pseudowissenschaftliche Theologie als Lehrfach an den Universitäten muss abgeschafft werden!

Der Trend geht aber leider in eine andere Richtung. Religiöse Cliquen verstehen es ausgezeichnet, sich mit politischen Herrschaftsstrukturen zu vernetzen. Sie haben Lobbyisten im Bundestag und in allen Länderparlamenten. Um die Akzeptanz ihrer eigenen Existenz abzusichern und zu stärken, sind sie sogar bereit, ökumenische Unterstützung zu leisten. Das geht über die Zusammenarbeit der christlichen und jüdischen Glaubensgemeinschaften hinaus und erstreckt sich zunehmend auch auf die Interessen der religiösen Cliquen aus dem islamisch-religiösen Milieu. Wenn es um die Expansion und die Mehrung des eigenen Reichtums und Einflusses geht, spielen religiöse Alleinvertretungsansprüche plötzlich eine untergeordnete Rolle.

Wenn es in Münster katholische und evangelische Universitätskirchen gibt, dann ist das schon schlimm und nicht akzeptabel. Das als Argument für den Bau einer Moschee auf staatlichem Terrain heranzuziehen, passt zwar in die Argumentationskette der Religioten, ist aber falsch. Gebetsräume jedweder Couleur müssen privat betrieben werden und haben unter dem Dach einer staatlichen Universität nichts zu suchen.

 

Aufgeklärte Menschen müssen sich endlich stärker organisieren, zusammenschließen und durch Schaffung von Transparenz und Verbreiten von Informationen diesen Trend umkehren.

 

Unsere Ziele sind:

 

o Theologie weg von den öffentlichen Universitäten

o keine staatliche Förderung von theologischen Studiengängen

o keine staatliche Förderung der Ausbildung von Religionslehrern

o Religion als Schulfach abschaffen und durch Ethik und Kunde der verschiedenen Glaubensrichtungen ersetzen

o keine Erziehungseinrichtungen (KITA, Schulen, Universitäten) in kirchlicher Trägerschaft

o keine Bezahlung des kirchlichen Führungspersonals durch den Staat

Stoppt den religiösen Expansionsdrang – überall!

Ralf Michalowsky ist Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Laizismus in der LINKEN. NRW und war bis zum Mai 2012 als MdL religionspolitischer Sprecher der LINKEN Landtagfraktion.

  • http://www.facebook.com/heescher Rüdiger Heescher

    Sehr gut!!!!!

  • http://www.facebook.com/nicsbloghaus Nic Frank

    Freunde, darf ich den Artikel übernehmen?

    • Freiheitliebender

      Sehr gerne. Wir überlegen darauf nochmal einen anderen Artikel als Antwort zu veröffentlichen, was meinst du

  • Fabian H

    Ich stimme dem Artikel größtenteils zu aber bei uns in der 11. Klasse ist Religion eigentlich “Kunde der verschiedenen Glaubensrichtungen” und dieser gefällt mir erstaunlicherweise sehr gut. Das mag zwar auch an unserem ungewöhnlichen Lehrer liegen aber der Unterricht ist eindeutig objektiv und beschäftigt sich meist nicht mit bestimmten Religionen sondern mit Allen und deren Gemeinsamkeiten. Außerdem werden verschiedene Ansichten und Eindrücke verschiedener Religionenanalysiert und ausgewertet. Wenn dieses Konzept auch in den niedriegeren Stufen eingeführt werde würde könnte man dieses System meiner Meinung nach unterstüzen.

    • DiutTümpel

      Wäre kunde zu den einzelne Religionen nötig, so ist der Ethikunterricht dafür geeigneter, wobei das Fach dann auch eine Umbezeichnung bräuchte in der Art als das es “Weltanschauungsfach” oder eine ähnliche Begrifflichkeit haben sollte. Davon ab wird es schon aus zeitlicher Perspektive nicht möglich sein, über alle Sekten angemessen zu informieren. Daher ist im Umkehrschluss es nicht möglich innerhalb der Schule eine neutrale Position darzustellen, die Auskunft gibt über alle Interpretationen. Ist das also nicht möglich haben wir hier klar eine Verfehlung der ursächlichen Intention zu verzeichnen, weil Informationsmangel verursacht. Einen Informationsmangel zu erzeugen ist aber gerade nicht der Auftrag von Schule sondern eben die Vermittlung eines vollständiges Bilds.

      Darüber hinaus wäre es nötig gerade in einem solchen Fach nur Lehrkräfte einzustellen, die überhaupt keine Weltanschauung haben. Da aber auch die Abwesenheit einer Weltanschauung schon eine Weltanschauung ist, ist ausgeschlossen dass die Lehrkraft neutral ist. Insoweit muss jeglicher Bildungsversuch, also die Erzeugung eines Bilds vom Staat aus abgelehnt werden. Die Erzieung zu einem Bild der Welt ist allein denjenigen zu Überlassen die Verursacher sind. Oder kurz gesagt die Eltern. Wenn die Eltern also wünschen, dass Ihre Kinder Religionsunterricht erhalten, haben sie das Privat zu organisieren in ihrer Sekte, Kirche oder im Kaffeekränzchen. NICHT IN DER SCHULE. ES IST KEIN AUFTRAG des STAATS.

  • R Hinz

    Schopenhauer: “Wenn die Welt erst ehrlich genug geworden sein wird, um Kindern vor dem 15. Lebensjahr keinen Religionsunterricht zu erteilen, dann wird etwas von ihr zu hoffen sein.” Und das hat er schon vor 200 Jahren gesagt.

    Wir haben nur eine einzige Methode der Horizont-Erweiterung: die Empirie. Nur die Methode der Wissenschaft schafft Wissen. Alles andere sollte man fein davon trennen, unter Meinungsfreiheit verwalten, niemandem Andersdenkenden aufzwingen und vor allem nicht einseitig privilegieren.

  • Pingback: Theologie ist keine Wissenschaft | Nics Bloghaus

  • http://www.facebook.com/gerd.dreg Gerd Eric

    Wer sich als Laiziban prinzipiell genauso verhält wie unterdrückende Religionsgemeinschaften, ist in deren Gemeinschaft angekommen.
    Wer Mindermeinungen unterdrückt, diese im Protokoll totschweigt, hat absolut die Instrumente der Inquisition übernommen.
    Cliquen?
    Die “Giordano Bruno Stiftung” ist solch eine Clique, deren Sprecher sind Hassprediger und die laizistischen Gruppen in den Parteien (es gibt diese Laizisten Gruppen ja nicht nur in der LINKEN, auch in der SPD und der FDP) sind deren Fünfte Kolonne!

  • bruja

    Ich muss gerd zustimmen, auch wenn sein Artikel mir ähnlich populistisch erscheint wie das, was sonst hier oder auch von Seiten etwa der Giordano-Bruno-Stiftung rausgegeben wird. Mensch sollte, neben der dringend notwendigen Kritik gerade an institutionalisierten Glaubenseinrichtungen, auch mit bedenken, dass beispielsweise unser “westliches”, humanistisches Menschenbild auf christlichen Motiven fußt und diese ohne den christlichen Kontext wohl nie so tief in die menschliche Sozialisierung eingegangen wären.
    Humanistische Ethik, empathische Handeln und emanzipatorische Ansätze sind nicht zwingend mit hier verkürzt als aufklärerisch deklarierten Meinungen verknüpft und eine rein auf Empirie aufgebaute menschliche Zivilisation beinhaltet für mich auch die Entfremdung von Emotion und menschlicher Solidarität.
    Wer sich in den Extremen einer “Diktatur der Reinen Vernunft” einordnet läuft mEn Gefahr, wieder zu den Wurzeln von nationalsozialistischer Euthanasie und elitärer Herrschaft (Platons Denkerdiktatur?) zu kommen.

    Das Problem liegt nicht in der Religion, sondern in der menschlichen Sozalisation von Kokurrenz und Hierarchiedenke. Ein Leben ohne Religion macht uns nicht zwingend freier, ganz im Gegenteil. Sich gegenseitig achten und solidarisch Handeln ist etwas, was schließlich schon von J vor 2000 Jahren (oder wieviel auch immer) propagiert wurde. Geschafft hats bis heute keine_r. Ob mensch sich nun streitet, wer den cooleren imaginären Freund oder lieber die bessere soziologische Theorie hat – solange die Gesellschaft so ist wie jetzt, wird der Streit nicht konstruktiv sein.

    Just my two cents.

  • Bosait

    Wenn Theologie keine Wissenschaft ist, würde mich interessieren, was die so den lieben lang Tag an der Uni machen? Beten? Womit füllen die ihre Seminare?

  • kirsten k.

    Danke, dass das öffentlich endlich mal ausgesprochen wird und beim Namen genannt. Diese religiösen Mafiosis gehören in ihre Grenzen verwiesen, abgeschafft. Verbrecher.

  • meoryou

    eine religion bedeutet despotismus , 2 den bürgerkrieg , aber mit 30 kann man glücklich und in frieden leben —- ….. man könnte genau so gut für alle 22000 christlichen religionen je einen raum / ein gebäude aufjedem “deutschen” oder “christlich abendländischen” campus fordern ^^ … das fände ich super , die ganzen naturreligionen sollten wir auch nicht vergessen , jede religion soll ihren schrein bekommen ;) … das wär sicherlich ne tolle verwirrung … oder auch ne tolle demo ^^ jeder ist für ne andere religion aber eigentlich sind doch alle für das gleiche …

    • solalal

      ups das zitat am anfang stammt von Voltaire

  • Jérôme Denis Andre

    Das ist mit Verlaub großer Schwachsinn. Michalowsky sollte sich informieren, WAS Theologie an Universitäten lehrt, bevor Sachen behauptet die schlicht falsch sind. Theologie lehrt eben nicht “Machterhalt selbsternannter Cliquen”, sondern analysiert die Aussagen und Systeme der chr. Religion mit wissenschaftlichen mitteln.

    Beispiel: Altes Testament.

    Im Lehrfach des Alten Testamentes wird nicht etwa dessen Aussagen blank übernommen. Nein. Es geht darum literaturwissenschaftlich den Text zu analysieren, um ihn in seinem Sitz des Lebens, also dem historischen Ort und Kontext der Abfassung verorten zu können. Unter Heranziehung des Obertextes der BHS, die im Grunde der masoretische Codex Leningradensis ist, wird hierzu zuerst in textkritischer Arbeit der Obertext mit Vergleichshandschriften abgeglichen, um die dem Urtext nächste ÜS zu finden. In der darauf folgenden Textanalyse wird der Text auf die Textoberflächen- und Texttiefenstruktur hin durchdacht, Stilmittel, hebräische Formationen etc. werden heraus gearbeitet, und der Text in inhaltliche Propositionen unterteilt. Die Textpragmatik klärt nun, welche Aussage-Intention der reale Autor des Textes durch den Text verfolgte. Die Traditionskrtitik arbeitet dann heraus, welche Gedankengänge aus älteren Stadien der eigenen früh-jüdischen, oder gar fremder (z.B. assyrischer) Religion wieder im Text aufgegriffen wurden. Aufgrund der Basis dieser Erkenntnisse wird in der Literarkritik nun herausgearbeitet welche “Schichten” von Bearbeitungen des Textes im Text auszumachen sind, und eine relative Chronologie ebendieser wird erstellt. Die Überlieferungsgeschichte versucht herauszufinden, ob es mündliche Vorformen gab, warum und wo sie entstanden, und wie und warum sie verschriftlicht wurden. Zuletzt führt man in der Redaktionsgeschichte alle Erkenntnisse zusammen, und interpretiert in der Gesamtauslegung welche Bedeutung der hist. Kontext des Textes ob seiner Genese hatte.

    Wenn das nicht wissenschaftlich ist, dann weiß ich auch nicht,
    und würde mich doch sehr fragen, wozu ich diese “pseudowissenschaft” überhaupt lerne …

    Nein, es wirklich peinlich, dass sich ausgerechnet Ralf Michalowsky, der immerhin mal religionspolitischer Sprecher der LINKEN in NRW war, SO uninformiert über eine Wissenschaft äußert. Nicht nur als Theologiestudent, sondern vor allem auch als christlicher Wähler der LINKE bin ich schwer enttäuscht.
    Man kann froh sein, dass die Pappnase nur auf Landesebene als religionspolitischer Sprecher tätig war. Die Linke hätte ob dieses uninformierten Unsinns sonst heute einen Wähler verloren.

  • marius

    der autor weiß augenscheinlich nicht, was an theologischen fakultäten gemacht wird. man sollte die durchaus berechtigte kritik an den kirchen strikt trennen von irgendwelchem polemischen geschwätz über die angebliche nicht-wissenschaftlichkeit der theologie.

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