Rußlands Kriegsbeteiligung verschlimmert Qualen in Syrien

10. Februar 2016 - 14:56 | | Politik | 21 Kommentare

Hundertausende Syrer sind grade auf der Flucht, ein Teil von ihnen stammt aus Aleppo, welches von der russischen Luftwaffe bombadiert wird. Die Beteiligung Rußlands an diesem Krieg wird die Situation nicht verbessern, auch wenn das einige meinen, es wird die Spirale der Gewalt nur verschärfen.

Auf einem Treffen in Manchester vergangene Woche hörte ich einem syrischen Flüchtling zu, der sein Leid und das seiner Familie beschrieb. Es war herzzerreißend. Im Wesentlichen könnte dieselbe Geschichte von Millionen erzählt werden, und ihre Zahl erhöht sich täglich.

Die Streitkräfte des syrischen Diktators Baschar al-Assad beginnen gegenwärtig eine Offensive gegen die größte Stadt des Landes, Aleppo. Zehntausende Zivilisten flüchten aus der Provinz Aleppo zur Grenze an der Türkei, die ihnen die Einreise verweigert. Das Blutvergießen drängte zu kurzen Friedensgesprächen in der letzten Woche in Genf.

Eingekesselt

Das Foreign Policy Magazine meldete: „Die russischen Luftstreitkräfte ermöglichten Assad und seinen verbündeten paramilitärischen Truppen den schmalen, von Rebellen kontrollierten ‚Azaz-Korridor‘ abzuschneiden, der die türkische Grenze mit der Stadt Aleppo verbindet. Die völlige Einkesselung der Stadt ist eine reale Möglichkeit. Regierungstruppen und schiitische Kämpfer rücken vom Süden, Westen und Norden vor. Sollten die von den Rebellen kontrollierten Teile der Stadt fallen, wäre das ein dramatischer Sieg für Assad und der größte Rückschlag für die Rebellion seit dem Beginn des Aufstands 2011.“

Der russische Präsident Wladimir Putin unterstützt Assad nicht bedingungslos. Die Financial Times berichtete unlängst, dass Putin letztes Jahr den Chef des Militärgeheimdienstes Igor Sergun zu Gesprächen mit Assad schickte. Er richtete ihm aus, er müsste als Teil einer möglichen Friedensvereinbarung zurücktreten.

In einer Wendung würdig eines John le Carré-Romans wurde Anfang Jänner Serguns Tod bekannt. Was auch immer dahintersteckt – Assad weigerte sich zurückzutreten. Die Financial Times schrieb: „Im Umgang mit dem Kreml hat Assad eine Strategie entwickelt, eine ausländische Macht gegen eine andere auszuspielen. Sein Trumpf war in diesem Fall der Iran. Russland ist seit Monaten besorgt über den wachsenden Einfluss Teherans auf Kosten seiner eigenen Position.“

Putin: Um mich könnt ihr nicht herum

Seither sieht es so aus, als hätte sich Putin entschieden, aus der Not eine Tugend zu machen und die russische Luftwaffe einzusetzen und die Waage zu Gunsten Assads umzuschwenken. Die Allianz zwischen Russland und Syrien geht bis in die 1940er-Jahre zurück und sichert Russland den Zugang zu wichtigen Stützpunkten im Mittleren Osten. Putin will ganz offensichtlich daran festhalten.

Immerhin unterstreicht Serguns Besuch in Damaskus eines, wie Dmitri Trenin vom Moskauer Carnegie-Zentrum meinte: „Für Putin bedeutete die Intervention in Syrien nie Assad an der Macht zu halten, sondern es ging darum, den Amerikanern die Schlüsselrolle Russlands in der Beilegung dieses Konflikts verstehen zu geben.“

Mit anderen Worten: Die Tragödie des syrischen Volkes ist, dass ihr Land zum Schlachtfeld eines Stellvertreterkriegs geworden ist. Dieser Krieg wird nicht nur zwischen den Regionalmächten Iran, Saudi Arabien und der Türkei geführt, sondern auch zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, den zwei noch immer größten nuklearen Supermächten.

Obamas NATO-Provokationen

Und Washington spielt das gleiche Spiel, nicht nur im Mittleren Osten. Vergangene Woche berichtete die New York Times: „Präsident Obama beabsichtigt, die Stationierung von schweren Waffen, gepanzerten Fahrzeugen und weiterer Ausrüstung in NATO-Ländern in Zentral- und Osteuropa beträchtlich zu erhöhen. Dieser Schritt zielte laut Regierungsvertretern darauf ab, Russland vor weiteren Aggressionen in der Regierung abzuhalten.“

Die Obama-Administration plant, das Militärbudget für Europa mehr als zu vervierfachen und auf 3,4 Milliarden Dollar zu erhöhen. Die Truppenstationierung in Ländern wie Ungarn, Rumänien und den baltischen Staaten würde es der NATO erlauben, eine voll gepanzerte Kampfbrigade in der Region aufzustellen. Dies könnte eine Vereinbarung zwischen der NATO und Russland von 1997 brechen, keine großen Truppenverbände in unmittelbarer Nähe zur Grenze zu stationieren.

Weitere Eskalation

Russland, das hart von den wirtschaftlichen Sanktionen des Westens und dem Verfall des Rohölpreises getroffen wurde, ist – anders als während des Kalten Krieges – zu schwach, es auf globaler Ebene mit den USA aufzunehmen. Aber die Befriedung Europas in den 1990er-Jahren scheint sich ins Gegenteil zu verkehren.

Mittlerweile eskaliert der heiße Krieg. Foreign Policy prognostiziert, dass die Assad-Offensive sowohl den „Islamischen Staat“ als auch die kurdischen Kräfte stärken wird, die bereits maßgebliche Gebiete entlang der syrisch-türkischen Grenze kontrollieren. Weitere Erfolge der Kurden könnten eine Militärintervention der Türkei hervorrufen. Die Qualen Syriens sind alles andere als vorbei.

Artikel ist zuerst auf www.socialistworker.co.uk erschienen. Übersetzung von David Albrich.

Über den Autor

21 Kommentare

  • 1
    Satire, oder? says:

    Der Artikel kann doch nur Satire sein, oder? Leider um einen Tag zu spät, Faschingsdienstag war am 9. Feb.
    Aber wie könnte man sonst „Foreign Policy“ oder das Carnegie-Institut unreflektiert zitieren?
    Oder ist der Artikel ein Test, ob Freiheitsliebe-Leser kritisch hinterfragen?

    Bevor ich mich jetzt über diesen haarsträubenden Unfug und die Propaganda inhaltlich vertiefend echauffiere, gehe ich doch lieber davon aus, dass es sich entweder um Satire oder um einen Test handelt.

  • 2
    grafiksammler says:

    Selten soviel Unfug als „kritischer Journalismus“ getarnt gelesen.

  • 3
    neuheide says:

    der verfasser dieses artikels sollte wegen verleudmung und kriegshetze hinter gitter.

    realitätsverweigernder und wahrheitsverdrehender geht nicht mehr.

    wie menschenverachtend muss man sein um dermassen tief in den hintern des weltterror/folterstaates zu kriechen.

    was haben sie von der cia für diese in die tastatur gerotze ungeheuerlichkeit bekommen?

    für wie doof,wollt ihr nus noch halten?

  • 4

    … was wäre denn besser?

    Von den IS-Fanatikern den Kopf abgeschnitten zu bekommen, Frauen und Kinder versklavt – keine Zukunft für das Land unter IS Herrschaft.

    Oder präzise und ziel führende Bombardierung der IS-Terroristen mit nachfolgender Befreiung durch die reguläre syrische Armee vom IS Horror mit dem Risiko dass dabei auch Zivilisten zu Schaden kommen?

    Bis auf die Zivilisten, welche vom IS als Geisel und Schutzschild missbraucht werden, sind alle die können, aus dem Kampfgebieten geflohen.

    Jetzt sollte man als Journalist aber einfach herausfinden können, wovor die Menschen fliehen – sie fliehen, vor den IS Fanatikern und weil sie nicht als Kollateralschaden enden wollen.

    Es aber so darzustellen, dass sie vor den Russen und vor Assad fliehen ist im Prinzip ein geistiges Armutszeugnis und eines echten Journalisten nicht würdig.

    Wollt ihr hier auf „Diefreiheitsliebe“ als echte Journalisten angesehen werden? Oder wollt ihr hiermit beweisen, dass ihr von der transatlantischen Propaganda vereinnahmt worden seid.

    Denkt mal drüber nach …

  • 5
    Michel says:

    Wie kann man so wirklichkeitsfremd sein ? Es ist nicht zu fassen, wie die Presse uns immer noch für dumm verkaufen will !! Der „syrische Diktator Assad“ wurde bei 2013 bei einer Wahl mit hoher Wahlbeteiligung mit 70 % Zustimmung gewählt . Das bekommen hier nicht mal mehr alle 5 „Einheitsparteien“ zusammen.

    Die Syrer wollen, dass ihr Land zusammenbleibt und dass die von der NATO ausgerüsteten Terroristen verschwinden . Wer steht jetzt mit viel Geheule an der türkischen Grenze ? Die IS Halsabschneider und ihre Anhänger – und die gehirngewaschenen deutschen Politiker und Journalisten rufen im Chor:
    „Die müsse mer eroi losse !“

  • 6
    Goldmann says:

    …. welch ein Antirealist…. willkommen in der „Matrix“…

  • 7
    Fritz Huber says:

    Das Leid in dieser Region, hervorgerufen durch die angloamerikanisch geführte Nato und ihrer Vasallen, inklusive der sog. moderaten Rebellen, ist tatsächlich unerträglich!

    Der Author konsumiert scheinbar zuviel von der westlichen Medienpropaganda. Assad wurde in einer freien Wahl von der Mehrheit der Bevölkerung gewählt, somit ist der Hetz/Hass – Begriff „Diktator“ unangebracht. Da es sich hier um eine freigewählte Regierung handelt, sind die Aufständischen/Terroristen schlichtweg illegal. Und wer im Kampf um und gegen die Regierung tötet, kann auch nicht moderat genannt werden!

    Dem Author fehlt, wie unserer Regierung und den meisten Bewohnern diese Landes, jegliches geopolitisches Verständnis. Die amerikanische Regierung beschäftigt im Auftrag der angloamerikanische Hochfinanz in diversen Think Thanks eine Heerschar von klugen Perverslingen die den lieben langen Tag darüber nachdenken, den Rest der Welt unter ihrer Kontrolle zu bringen. Millionen Tote spielen für diese Leute keine Rolle.

    Es gibt in Syrien mehrere Interessensphären, da wären Saudis und Katar die den IS gegen die syrische Regierung finanzieren, da wäre die Türkei, die sich ein Stück von Syrien holen wollen um das osmanische Reich wiedererstehen zu lassen, da wäre Israel zu nennen, die ebenfalls ein Stück syrischen Gebietes beanspruchen und da wäre der Iran der Assad aus sicherheitspolitschen Gründen unterstützt.

    Aus der Sicht der USA muss Syrien fallen um den Iran zu Fall zu bringen und die Kontrolle über den Iran wird benötigt im Kampf gegen Russland und China. (die US Think Thanks haben mittlerweilen die atomaren Kriegspläne gegen China ausgearbeitet.)

    Russland und China auf der anderen Seite haben die Strategien/Methoden/Toolboxen der USA längst begriffen. Russland kann aus vorgenannten Gründen schon im Eigeninteresse Syrien nicht fallen lassen. Und im Gegensatz zum Einsatz vorgenannter Parteien ist der militärische Einsatz Russlands völkerrechtlich abgedeckt!

    • 7.1

      … danke für diese sachliche und kurze Zusammenfassung, die es genau auf den Punkt bringt.

      Zu erwähnen sei noch, dass Syriens geopolitische Lage so wichtig ist, weil es außerdem als Energietransferland für die umliegenden Staaten und für Europa dienen soll. Mehrere Erdgas- und Erdölleitungen sind da im Gespräch, das alles geht aber nur, wenn Syrien unter „westlicher Kontrolle“ ist und dazu soll Assad beseitigt werden.

      Wer ein bisschen recherchiert weiß, dass selbst die Unruhen 2011 künstlich, über die Börse, wodurch wiederum eine Lebensmittelknappheit ausgelöst wurde, initiiert wurden.
      Als die Lebensmittelknappheit beseitigt und somit auch der Grund für die Unruhen, da wurden ausländische „Unruhestifter“ in Scharen herangeführt damit die Unruhen weiter gehen, dazu noch die Waffenlieferungen von den Saudis und den NATO Vasallen und es entstanden militante Terroristische Gruppen aus denen unter anderen der Islamische Staat mit seinen Kopfabschneidern entstand.
      Da diese Gruppen gegen Assad und somit im Sinne des „Westens“ handeln, werden sie auch von diesen Nutznießern eines Regierungssturzes unterstützt – auch von Deutschland.
      Deutschland könnte, neben vielen anderen europäischen Staaten Nutznießer des Energietransits durch Syrien (ohne Assad) sein, da man hier meint nur so aus der russischen Energieabhängigkeit zu kommen.

      Wie man sieht ist Syrien kein einfaches Gut und Böse Thema.

  • 8
    Artemisia says:

    Seid ihr jetzt auch bei der Atlantikbrücke? Und wer verlinkt euch eigentlich immer auf net-news-express? Ihr seid doch nicht von Nutzen für Aufklärung oder Berichterstattung!

    • 8.1
      Julius Jamal says:

      Also Kritik an Rußland ist jetzt verboten oder was? Wir kritisieren alle am Krieg beteiligten Parteien, ob nun Rußland oder USA!

  • 9
    Hans 65 says:

    Mein Gott, wie weit sinkt der Journalismus denn noch ab?

    Macht Volksverdummung frei? Wen ja, wen?

  • 10
    Luise Dumont says:

    Die gleichgeschalteten Meinungen der Kommentatoren UND die darin enthaltenen Aussagen und Abwertungen legen mehr als nahe, dass der Titel freiheitsliebe nicht für die Kommentatoren gelten kann.
    Jede kriegsbeteiligung verschlimmert das leid. Wenn das nicht Konsens unter selbsternannten freiheitsliebern ist, die Freiheit von was könne denn stattdessen gemeint sein. Wer glaubt, dass die einen die Weltherrschaft anstreben, die anderen diese ohne eigene Interessen davon abhalten wollen(aus reiner freiheitsliebe wahrscheinlich), dem sei empfohlen, die Augen von den grenzenlos verfügbaren Informationen des Internets abzuwenden und, ernst gemeinter Tipp, selber Dinge interpretieren. Hier wie dort sind tatsächlich die Haltungen gleich. Keine Abweichungen vom Konsens im Blätterwald hüben , keine Abweichungen vom westpropaganda-nwo-der militärische komplex ist schuld Dogma – drüben. Ich sag jetzt nicht, „dann geh doch nach China wenns dir so gut gefällt“ aber, geh mal vor die Tür. Ein polnischer Taxifahrer ende 50 (also mit jaruselsky und solidarnosc-Erfahrung)hat mir (nur.mit.mehr Akzent) nach einem Gespräch, dass sich um alle hier bekannten Argumente und pros/contras drehte gesagt: lieber Sklave des Amerikaners als des Russen!

    • 10.1
      humorlos says:

      Vielleicht sollten sie ihrem polnischen Taxifahrer mal zu bedenken geben, das der Amerikaner tausende von Kilometern weit weg lebt und seine „Verbündeten“ im Ernstfall gern wie eine heisse Kartoffel fallen lässt. Aber die Polen haben ja sehr schnell vergessen das die Aliierten zwar dem Deutschen Reich nach dem Überfall auf Polen den Krieg erklärt haben – mit den Russen, welche die andere Hälfte Polens besetzt hatten, aber lieber Geschäfte gemacht haben.

    • 10.2

      @ Luise Dumont

      … dieser Argumentation folgend haben dann die Amis 1944, als sie in Europa landeten, das Leid in Europa nur noch vergrößert.

      Oder gilt das hier wieder nicht, weil das ja nach angelsächsisch – transatlantischer Hirndoktrin die „Guten“ waren?

    • 10.3
      jfk says:

      Die gegenwärtige Sklaverei hat ein amerikanisch-zionistisches Grundgerüst und ist seit mind. 25 Jahren deutlich tödlicher als alles sonnst auf dieser Welt. Wenn das Nein hierzu ein „NJET“ bedeutet dann ist das auch mein NJET. Sollte eines fernen Tages der Russe tatsächlich wie seit über 100 Jahren mantraartig repetiert so BÖSE werden, wie die VSA zur Zeit, werde ich kein Problem damit haben, wieder ein „No“ zu nutzen.

  • 11
    TomTom says:

    Satire, nur das kann es sein,

    denn wie jede deutsche Hausfrau weiss,
    muss ein Schwelbrand vollkommen gelöscht sein,
    denn sonst bricht er wieder und wieder aus –
    oder
    ein einziger Tropfen Öl verseucht das ganze Trinkwasser
    oder oder oder

    Die Frage die sich jeder stellen muss – im Kleinen, wie im Großen:
    soll der Schrecken ohne Ende weiter gehen
    oder gibt es ein Ende
    und Souveränität für Syrien.

  • 12
    Drecksäcke says:

    so ein Drecks AMI Bericht Drecksvotzen!!!

  • 13
    Alexander Schnorfeil says:

    Jetzt muss ich den ganzen Tag auch herzzereissend über die böse-böse Vertreibung der armen
    Terrorbanden durch den bööösen Assat und noch böööseren Putin heulen. Ist dass aber schlimm, das
    der ganze Terrordreck zur türkischen Grenze abhaut.
    “ Sozialist „- worker sollten sich umtaufen in cia-worker !
    .

  • 14
    Oreus says:

    Freiheitsliebe hat mit Freiheitsliebe nicht mehr zu tuen, es ist eine Freiheitsunliebe!

  • 15
    Paul says:

    Danke für den Artikel. Lasst Euch nicht von diesen indiskutabel Wahnsinnskommentaren beeindrucken. They know nothing, Jules Jamal.