Fußballprofis protestieren während Spiel für Flüchtlinge

30. Januar 2016 - 21:13 | | Politik | 5 Kommentare
Griechenland Fahne

In Griechenland kam es bei dem Spiel zwischen AE Larissa (AEL) und Acharnaikos zu einem Sitzstreik der Fußballprofis. Diese haben sich nach dem Anpfiff zwei Minutenlang hingesetzt und geweigert zu spielen. Auslöser ist die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer. Alleine dieses Jahr kamen bereits mehr als 46.000 Menschen über das Mittelmeer nach Griechenland, mehr als 200 kamen dabei ums Leben.

Der Protest soll – laut AEL Offiziellen – „an die Hunderten von Kinder, die jeden Tag wegen der abscheulichen Apathie der EU und der Türkei in der Ägäis umkommen“, erinnern. Erst diese Woche ertranken mindestens 57 Menschen vor den Ägäischen Inseln.

Die Lage der Flüchtlinge in Griechenland ist katastrophal. Alleine letztes Jahr kamen laut UN 850.000 Menschen auf dem Festland und den Inseln an. Von der EU und anderen Institutionen im Stich gelassen, fühlt sich Griechenland aufgrund der humanitären Katastrophe überfordert.

Dier einzige Parole die man zum Beispiel aus Deutschland hört, ist dass sich Geriechenland gefälligst an die Dublin III Verträge halten soll, ergo keine Flüchtlinge weiterziehen lassen darf. Doch wie soll das funktionieren? Statt einer Lösung für das Problem, sollen sogenannte „Hotspots“ entstehen, wo alle Flüchtlinge registriert und den EU Behörden zugänglich gemacht werden soll. Das Verteilungsproblem löst dies jedoch nicht. Ein weiterer Vorschlag aus Deutschland war, die griechische Marine einzusetzen, um zu verhindern, das Flüchtlinge Europäischen Boden erreichen. Im Klartext:

Die EU droht Griechenland mit einer „Auszeit“ im Europa ohne Grenzern, sollte das Land seine eigene Grenzen nicht dicht machen. Vor allem die Seegrenze zur Türkei, heißt also im Klartext: Lasst die Menschen ersaufen, sind eh keiner EuropäerInnen. In jeder Schlachterei gibt es mehr Mitgefühl als auf der EU-Innenministerkonferenz in Amsterdam. Nicht Grenzen dicht machen, sondern ein konsequenter Kampf gegen Rassismus, eine gute Versorgung aller Flüchtlinge und vieles Mehr hätten dort Thema sein müssen. Wie immer folgt alles nationalem und profitorientiertem Standortdenken und der, Griechenland, der am Boden liegt, wird noch einmal ordentlich getreten.

Die Aktion der Fußballer ist daher voll zu Begrüßen und ein Hilferuf an die EU – so geht es nicht weiter. Dabei ist Europa groß und reich genug, allen eine Zukunft zu bieten.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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5 Kommentare

  • 1
    Markus sagt:

    Wie viele Flüchtlinge haben diese Fussball Profis augenommen? Nur Reden ist zu wenig.

  • 2
    Faktencheck sagt:

    „Dabei ist Europa groß und reich genug, allen eine Zukunft zu bieten“ -nachdem man Ihnen ein
    Leben in ihren Heimatländern – durch beabsichtigte Verwüstungene(im Namen des „Demokratie-exports
    und natürlich zu ihrem eigenen Schutz vor den bösen Schlächtern (Hussein,Mubarak,Gadhafi, Assad) erst mal so richtig kaputt gemacht hat – wie verlogen ist das denn ??

    Auf die Frage, warum in Bahrain die dortige schiitische
    Bevölkerungsmehrheit bei ihrem Aufstand gegen die
    vom Westen unterstützten sunnitischen Despoten trotz
    vieler Toter bei Demonstrationen keine Hilfe erfährt,
    hat einer der wichtigsten europäischen Spitzenpoliti-
    ker, Robert Cooper, schon vor einigen Jahren – ohne
    den konkreten Bahrain-Hintergrund – weit reichende
    Aussagen gemacht.

    Robert Cooper war einer der Chefberater des frü-
    heren „EU-Außenministers“ Javier Solana, der von
    1999 bis Ende November 2009 Generalsekretär des
    Rates der Europäischen Union und Hoher Vertreter für
    die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik war.
    Cooper gilt als Hauptautor der Europäischen Sicher-
    heitsstrategie. In seinem 2002 erschienenen Buch über
    den postmodernen Staat schrieb er, was heute Realität
    geworden zu sein scheint:

    „Die Herausforderung der postmodernen Welt ist es,
    mit der Idee doppelter Standards klarzukommen. Unter
    uns gehen wir auf der Basis von Gesetzen und offener
    kooperativer Sicherheit um. Aber wenn es um traditio-
    nellere Staaten außerhalb des postmodernen Kontinents
    Europa geht, müssen wir auf die raueren Methoden
    einer vergangenen Ära zurückgreifen – Gewalt, prä-
    ventive Angriffe, Irreführung, was auch immer nötig
    ist, um mit denen klarzukommen, die immer noch im
    19. Jahrhundert leben, in dem jeder Staat für sich selber
    stand. Unter uns halten wir uns an das Gesetz, aber
    wenn wir im Dschungel operieren, müssen wir eben-
    falls das Gesetz des Dschungels anwenden“

    https://www.versoehnungsbund.de/sites/default/files/artikel/231/2011-Libyen_april2011_8s.pdf