69 Prozent der Erzieherinnen lehnen Schlichterspruch ab

8. August 2015 - 13:20 | | Politik | 1 Kommentare
Foto: Daniel Kerekes

In der Mitgliederbefragung zum Schlichterspruch im Sozial- und Erziehungsdienst lehnten 69 Prozent der befragten Verdi-Mitglieder den Schlichtungsvorschlag ab. Die Ablehnung könnte zu einem erneuten Streik führen. Über das weitere Vorgehen beraten die heutige Delegiertenkonferenz und die Bundestarifkommission von Verdi am kommenden Dienstag.

Auch in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stimmten in der Mitgliederbefragung 68,8 Prozent gegen den Schlichterspruch. Die GEW Satzung sieht jedoch vor, das für eine Weiterführung des Streiks 75 Prozent stimmen müssen. Damit wurde das Quorum für weitere Streiks zunächst verfehlt. Wie man mit dem Ergebnis umgehen soll wollen die GEW-Gremien nun beraten.

Schlichterspruch weit von Aufwertung entfernt

Verdi hatte vor seinem Streik mit der Kampagne „Aufwerten Jetzt“ begonnen, mit dem Ziel, im Schnitt eine zehn Prozentige Lohnerhöhung zu erreichen. Dabei geht es den Gewerkschaften vor allem um die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz und die Wertschätzung von Berufen im Sozial- und Erziehungsdienst (SuE). Nach wochenlangem Streik sah der Schlichtersprich jedoch nur eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 3,3 Prozent bzw. 33 – 160 Euro vor; deutlich vom Ziel der Gewerkschaften entfernt.

Erzieherinnen wollen weiter kämpfen

Fast 70 Prozent in den Umfragen beider Gewerkschaften sind ein deutliches Zeichen: Wir wollen weiter kämpfen, lasst euch etwas einfallen. Dabei stehen die Gewerkschaften vor etlichen Herausforderungen: Sollte der Streik weiter gehen, könnte die Stimmung unter den Eltern schnell gegen die Streikenden kippen. Hier ist aktive Aufklärungs- und Solidaritätsarbeit nötig. Gleichzeitig muss mehr Druck auf Landes- und Bundesebene ausgeübt werden. Denn die Kommunen stehen unter finanziellen Druck und müssten die Gehaltserhöhungen alleine finanzieren. Häufig unmöglich. Gleichzeitig üben sich Bundespolitiker aller Parteien in Solidarität, sie kostet ja nichts. Konkrete Hilfe bieten die Regierungsparteien jedoch nicht an. Es bleibt abzuwarten, was die Beratungen in Fulda und Frankfurt ergeben. Sicher ist jedoch, dass man an Bildung nicht sparen kann und gleichzeitig ständig steigende Standards umsetzen kann. Bildung kostet und sie muss es uns wert sein.

Politische Dimension

Der Streik offenbart eine politische Dimension, die von regierenden gerne wegdiskutiert wird: Welchen Wert hat sogenannte „Frauenarbeit“ in der Gesellschaft, wo doch der Großteil der Beschäftigten im SuE-Dienst Frauen sind. Welche Auswirkung hat die Schuldenbremse auf soziale Standards? Fragen, die einen Streik massiv politisieren könnten.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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Ein Kommentar

  • 1
    Ines sagt:

    Bei der stetig steigenden „Fremdverschleuderung“ unserer Steuergelder wird für Erzieherinnen und andere Berufsgruppen bald kein Geld mehr vorhanden sein.