Facebook versteckt Wahlurne!

Vor wenigen Wochen berichteten wir, dass Facebook bereits am Zenit angekommen sei. Der potenzielle Facebook-Markt in Europa, Nord- und Südamerika ist weitesgehend gedeckt. In China ist Facebook für den Bürger sogar komplett Tabu – auch in vielen anderen asiatischen Ländern herrscht die Facebook-Zensur. Facebook ist mit seinen 900 Millionen Nutzern mit Abstand das größte soziale Netzwerk weltweit, besitzt viel Macht über die Daten der Nutzer und wurde zuletzt immer wieder aufgrund neuer ABG-Änderungen harsch kritisiert. Zu sehr würde der Nutzer in seinen Rechten beschnitten, warnen immer wieder Experten und Kritiker. Nun will Facebook die Demokratisierung im eigenen Unternehmen durchsetzen, versteckt aber anschließend die Wahlurne und lacht sich dabei ins Fäustchen.
Quo vadis, Facebook?
Die Idee, Facebook zu demokratisieren klingt erst einmal ganz vernünftig. Wenn bald eine Milliarden Menschen – jeder siebte Mensch auf der Erde besitzt einen Facebook-account – bei Facebook registriert sind, sind Abstimmungen über zukünftige ABG-Änderungen die logische Konsequenz. Facebook kann sich nicht länger die Diktatur erlauben, Google sitzt Facebook im Nacken. Zwar verbucht Google+ erst 170 Millionen Nutzer, doch nimmt Google die passive, beobachtende Rolle ein und kann die Kritik, die an Facebook kundgetan wird, dafür nutzen diese Fehler für das eigene soziale Netzwerk zu beheben. Es ist noch nicht lange her, da war gefühlt die halbe Menschheit bei Myspace registriert. Und heute? Kaum noch jemand ruft diese Seite auf.
Ein weiterer Aspekt:Facebook ist ein Unternehmen ohne Substanz. Der Wert des Unternehmen beseht aus den Daten der Nutzer, die täglich immer mehr werden. Die Facebook-Datenkrake ist einfach nicht satt zu kriegen und so schaut sich Facebook nach dem Börsenflopp nach Alternativen um – Alternativen, um an noch mehr Daten für sich zu gewinnen.Nun sollen auch unter 13-jährige einen Facebook-Zugang bekommen.
Obwohl das neue Vorgehen Facebooks datenschutzrechtlichen Bedenken mitsichbringt, kündigte Facebook am Montag an, einen speziellen, elternkontrollierten Zugang für Kinder zu erarbeiten. Momentan müssen Facebook-Mitglieder mindestens 13 Jahre alt sein; laut Angaben von Verbraucherschützern sind aber bereits 7,5 Millionen jüngere Kinder im Netzwerk aktiv, die sich mit einem falschen Alter angemeldet haben. Da Kinder eine wichtige Werbezielgruppe darstellen, hat Facebook großes Interesse an ihnen. Gerade die Heranwachsenden sind von den Medien besondern manipulierbar und so muss dieser Schritt, an Daten unter 13-Jährigen heranzukommen sehr kritisch betrachtet werden.
Mehr Schein als Sein

Man könnte auch von einer Scheindemokratisierung Facebooks sprechen. Kaum jemand weiß über die Existenz der Abstimmungsseite von Facebook bescheid. Es gibt nichteinmal einen Link zur Abstimmung auf der Startseite von Facebook. Wirkliches Interesse an Demokratie sieht anders aus.
Transparenz und Mitbestimmung – große Worte, aber wohl nicht mehr als heißte Luft. Soetwas nennt sich eher Marketing. So wird dem Facebook-Nutzer ein Mitbestimmungsrecht postuliert, welches sich dann aber als Trugschluss entpuppt. Es müssen nämlich mindestens 30 Prozent der Nutzer – rund 270 Millionen Menschen – abstimmen, damit das Ergebnis rechtswirksam wird und Facebook eine Umsetzung garantiert. Eine kaum zu überwindende Hürde, zumal viele User nur selten reinschauen und es zahlreiche inaktive Nutzerkonten gibt. 2009 hatte das Netzwerk schon einmal über neue Richtlinien abstimmen lassen: Es beteiligten sich 600 000 oder 0,3 Prozent der damals rund 200 Millionen User – 60 Millionen hätten es aber sein müssen.
Und diesmal sieht es nicht besser aus: Gestern Nachmittag (16 Uhr) hatten 145 265 Nutzer abgestimmt – etwa 0,0161 Prozent aller Facebook-Mitglieder. 81,35 Prozent der bisherigen Wähler votierten gegen die neuen und für die Beibehaltung der alten Regeln.
Kritische Stimmen werden laut
Datenschützer sehen wie so oft die Änderungen sehr kritisch und können auch der <Demokratisierung Facebooks> nichts Positives abgewinnen. “Erst wird groß die Nutzerbeteiligung versprochen, dann wird zur Sicherheit die Wahlurne versteckt“, hört von einem Mitglied der Organisation <Europa vs. Facebook>.
In Zukufnt sollen nun Nutzerdaten wie Fotos, Statusmeldungen und sogar private Nachrichten noch länger gespeichert werden, nämlich so lange, wie erforderlich ist, um sie Nutzern und Dienstleistern zur Verfügung zu stellen. Zusammengefasst: Die Scheindemokratisierung, die Datengier unter 13-Jährigen und die bedenklichen langfristigen Datenspeicherungen verheißen nichts Gutes. Ein Dreiklang, der dem Börsenkurs vielleicht einen kleinen Impuls nach oben geben wird, mittelfristig aber wohl keine Früchte tragen wird.
Für Interessierte: Hier kann über AGB-Änderungen abgestimmt werden! https://www.facebook.com/fbsitegovernance/app_130362963766777

