Zaz – „Glücklich zu sein ist bereits ein wahrer politischer Akt“

Zaz auf einem Konzert (MidnightXp/ flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

Zaz auf einem Konzert (MidnightXp/ flickr.com/
CC BY-NC-ND 2.0)

„Mach Krach, los, los mach Krach – lass los, spuck alles aus was dich verfaulen lässt!“ – Auch auf ihrem neuen Album vertritt die französische Sängerin die durch ihren Hit „Je veux“ berühmt wurde ihre gesellschafts- und sozialkritische Einstellung mit solchen und ähnlichen Forderungen. Das vor wenigen Monaten erschienene zweite Album von Zaz, alias „Isabelle Geffroy“, trägt den Titel „Recto Verso“ was soviel bedeutet wie „Vorderseite, Rückseite“ und somit für verschiedene Inhalte und Interpretationen ihrer Lieder stehen kann.

2010 schaffte die einstige Musikstudentin und Straßenmusikerin ihren Durchbruch in Frankreich, Deutschland, Canada, und Serbien um nur ein paar Länder zu nennen. Ihr Markenzeichen ist ihre direkte und freche Art gepaart mit aufsässigem Charme und scheinbar unbändigem Willen das Gute im Leben zu genießen, sich aber gleichzeitig niemals mit Missständen und Feigheit abzufinden. Sie setzt sich in einem Mix aus Chanson, Jazz, Folklore, Swing und Popmusik mit mehr als nur den üblichen Liebes-Hoch-und Tiefs auseinander. Eine zentrale Botschaft ihrer Lieder ist Integrität – man sollte sich nie von anderen verbiegen lassen. Hieß es in ihrem Erfolgshit „Je veux“ „Ich spreche laut und ich rede geradeheraus – entschuldigen Sie!“ so stellt auf dem neuen Album fest: „Ihr ändert mich nicht. Ich bin so – dumm gelaufen! Ihr hindert mich nicht daran, meinem Weg zu folgen und auf meine eigenen Hände zu vertrauen“. Laut Zaz lässt sich der Titel „Recto Verso“ mit einer einzigen Forderung übersetzen: Prenez-moi, comme je suis! – Nehmt mich, wie ich bin!

Darüberhinaus widmet sie sich Themen wie der Kritik an sozialen Netzwerken, Alkoholismus oder auch der Tragik von Alzheimer. Im Lied „T’attends quoi?“ (Worauf wartest du?) geht es um die Probleme des Klimawandels aus Sicht der indigenen Bevölkerungen. Das Lied scheint sowohl tragisch, als auch anklagend und auffordernd zu fragen: „Worauf wartest DU eigentlich noch bei der Bekämpfung der Klimaerwärmung?“ Sie selbst erklärt in dem Stück „Si“ (Wenn…) in utopischen, beinahe kitschigen Bildern, wie sie die Welt verändern würde, wenn sie die Macht dazu hätte und wie wir sie gemeinsam verändern könnten, wenn wir einfach damit anfangen würden miteinander zu sein und nicht mehr gegeneinander. Für die Sängerin scheint die Botschaft, die Welt in einen besseren, menschenwürdigeren Ort zu verwandeln, nicht nur existentiell in ihren Liedern zu sein: Sie engagiert sich für die Organisation Colibri, die sich unter anderem durch Bildungsveranstaltungen über die globalen Lebensverhältnisse für die Schaffung einer menschenwürdigeren Welt einsetzt. Zaz spendet der Organisation alle Einkünfte die sie bei Ihren Konzerten durch Merchandise-Produkte einnimmt. Auf die Frage, ob Zaz glaubt mit ihrer Musik die Menschen zum Handeln bewegen zu können, antwortet sie: „Ich glaube zwar nicht, dass man mit Musik die Meinungen der Menschen ändert, aber ich bin mir ganz sicher, dass alle Kunst einen Prozess in uns anstoßen kann. Ohne meine Musik hätte mich das innere Chaos jedenfalls schon längst verschlungen.“

Die Musik von Zaz trifft auf offene Ohren bei denjenigen, die sich von inspirierenden, facettenreichen Inhalten angesprochen fühlen, die in immer neuer Verpackung daherkommen und sich vom Optimismus und der Energie Zaz’ anstecken lassen: „Lasst uns glücklich sein, solange wir leben. Glücklich zu sein ist bereits ein wahrer politischer Akt“.

Ein Gastbeitrag von Kristina G.

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