„Sho kman? – Was noch!”

22. September 2011 | Kultur,Politik | 0 Kommentare

Auftritt des Ensembles der Theaterschule des “Freedom Theatre” aus Jenin im Rheinischen LandesMuseum (2. Okt 11)

Jenin – ‘The Freedom Theatre’

Jenin liegt im Norden des seit 1967 von Israel besetzten Westjordanlands. Früher die „Gartenstadt Palastinas”, umschließt Jenin heute eines der größten palästinensischen Flüchtlingslager mit mehr als 5.000 Kindern und Jugendlichen.
Diese wachsen in einer scheinbar endlosen Schleife von Gewalt und Aggression auf. Sie kennen keine Kindheit, in der sie sorglos spielen, experimentieren, einen Sinn im eigenen Leben und in dem ihrer Umgebung entdecken können. Sie zeigen im Gegenteil ein Besorgnis erregendes traumatisches Verhalten.

Das Freedom Theatre Jenin will mit Mitteln der Kunst soziale und politische Veränderung erreichen. Den Kindern des Flüchtlingslagers werden unterschiedliche Möglichkeiten eröffnet, eigene Fähigkeiten zu entfalten und das Selbstvertrauen aufzubauen, das sie brauchen, um ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Ziele sind dabei u.a., die psychosoziale Entwicklung der Kinder zu fördern, damit sie ihre Kindheit inmitten der kriegerischen Auseinandersetzungen nicht gänzlich verlieren. Gemeinsam mit den Kindern soll ein Raum geschaffen werden, in dem sie Phantasien entwickeln und sich andere Realitäten vorstellen können. Man will Bedingungen herstellen, in denen sich Jungen und Mädchen in gleicher Weise und ohne Scheu einbringen und ausprobieren und Fähigkeiten entwickeln können, den kulturell, sozial und politisch gegebenen Barrieren selbstbewusst zu begegnen, um sie zu verändern.

Begonnen hat alles 1988 mit zwei Kinderhäusern, die Arna Mer-Khamis, die Mutter des jetzigen Regisseurs und Leiters, Juliano Mer-Khamis, aufgebaut hatte, um den Kindern von Jenin einen Zugang zur elementaren Bildung zu eröffnen. Der alternative Nobelpreis, den Arna dafür 1993 in Stockholm erhielt, ermöglichte ihr, den Aufbau des ersten Freedom Theatre zu finanzieren. Es wurde 2002 von der israelischen Armee völlig zerstört. Im Jahre 2005 konnte Juliano Mer-Khamis das Theater zusammen mit schwedischen Partnern neu eröffnen. Neben dem vielfältigen Kulturprogramm, das in dem Theater stattfinden, gibt es Zirkus-, Theater, Musik- und Computergruppen für Kinder und Jugendliche. Seit 2008 ist dem Freedom Theatre die erste palästinensische Theaterschule angegliedert, in der internationale Theater- und Performancefachleute junge PalästinenserInnen ausbilden.

Die Ermordung Juliano Mer-Khamis

Die Arbeit des “Freedom Theatre”, die nicht nur auf die Befreiung der Palästinenser von der Besatzung abzielt, sondern auch auf die Befreiung von den überkommenen gesellschaftlichen Normen und Zwängen der eigenen Gesellschaft, wurde vom konservativ-religiösen Establishment Jenins von Anfang an mit Argwohn betrachtet.

Mit der Auswahl der Stücke – wie ‘Animal Farm’ und zuletzt ‘Alice in Wonderland’, in denen die palästinensischen Verhältnisse kritisiert und individuelle Freiheiten eingefordert werden, die in einem palästinensischen Flüchtlingslager keineswegs selbstverständlich sind – machte sich der Leiter ‘Freedom Theatres’, Juliano Mer Khamis, viele Feinde.
Es gab Brandanschläge auf die Einrichtungen des “Freedom Theatre” und Attacken auf sein perönliches Umfeld, von denen sich Juliano jedoch nicht aufhalten liess.

Die Möglichkeit einem heimtückischen Mordanschlag zum Opfer zu fallen, wurde von ihm selber mit erschreckender Genauigkeit vorhergesehen. Diese Katastrophe trat am 4. April 2011 ein.

Bonn: „Sho kman? – Was noch!”

In Bonn führt das Ensemble der Theaterschule des ‘Freedom Theatres’ am 2. Oktober im Theatersaal des Rheinischen LandesMuseums seine allerneueste Produktion „Sho kman? – Was noch!” auf.

“Sho kman?” sieht die palästinensische Realität mit den Augen derer, die während der zweiten Intifada aufwuchsen: Inszeniert und gespielt von zehn Studentinnen und Studenten der Schauspielschule des “The Freedom Theatre” aus dem palästinensischen Flüchtlingslager Jenins.

Die Performance setzt auf intensive Körpersprache und zeigt ohne viele Worte, wie sich Besatzung und äußere Gewalt nach innen richten: Freundschaft, Familie, Gesellschaft und Staat zerstören. Ein grausamer, endloser Kreislauf aus Gefangenschaft und Unterdrückung, dem im April dieses Jahres zuletzt der Gründer und Regisseur von “The Freedom Theatre”, Juliano Mer Khamis, zum Opfer fiel.

“Sho kman?” reflektiert die eigene Situation und ruft dazu auf, einen Weg zu finden, um sich aus den Fesseln der äußeren und inneren Unterdrückung zu befreien. Das Ziel heißt Freedom – Freiheit.

Diskussion mit den Schauspielern

Im Anschluss an die Aufführung hat das Publikum die Möglichkeit mit den Schausspielern über das Gezeigte zu diskutieren.
Die Aufführung und die Diskussion sollen zusammen nicht mehr wie zwei Stunden in Anspruch nehmen.

Mitwirkende
Mit Alaa M.S. Shehada, Saber Y.S. Abu Ashreen, Qais M.A. Sadi, Motaz A.G. Malhees, Mahmoud M.M. Khatib, Anas G.M. Arqawi, Adel K.S. Massarwa, Faisal M.M Abualhayjaa // Regie: Nabeel AlRaee & Zoe Lafferty // Choreographie: Miceale Miranda // Licht: Mohammed Sadi // Licht: Zoe LaffertyZoe Lafferty

Aufführungsort
Theatersaal des Rheinischen Landesmuseums Bonn

Zeit
18:00 Uhr (Einlass: 17:00 Uhr), 2. Oktober 2011

Platzwahl
frei

Zielpublikum
Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren

Tickets
Der Eintrittspreis beträgt 15,- € (erm. 12,- €).

Da der Saal der Bühne des LVR-LandesMuseums Bonn nicht viel mehr als 250 Sitzplätze bietet, empfiehlt es sich die Tickets vorab zu erwerben.
Alternativen zum Erwerb der Tickets an der Abendkasse:

• SELBSTABHOLUNG: Sie können die Tickets zwischen 14:00 und 17:00 Uhr für den oben angegebenen Preis persönlich im IPK-Büro in der Richard-Wagner-Strasse 10-12 erwerben. Bitte rufen Sie uns dazu vorher an unter 0228/18038637 (AB!).
• EMAIL: Sie können die Tickets per Email (ticket@ipk-bonn.de) beim IPK bestellen. Nach Eingang der Zahlung senden wir Ihnen pro bestelltem Ticket eine Email zu. Davon fertigen Sie sich bitte einen Ausdruck an, den Sie am 2. Oktober als Ticket mitbringen.
• TELEFON: Sie können die Tickets per Telefon (0228/18038637) zwischen 14:00 und 17:00 Uhr beim IPK bestellen. Nach Eingang der Zahlung senden wir Ihnen die bestellten Tickets mit der Post zu.

Auftrittsorte
Berlin, Bonn, Braunschweig, Bremen, Düsseldorf, Freiburg, Gütersloh, Hamburg, Ingelheim, Karlsruhe, Kastelaun, Kiel, Mainaschaff, Marburg, Münster, Neustadt/Wied, Schwalbach, Schwerte, Wien, Zürich

Tourplan

Termin Ort
Di. 06.09. Braunschweig, 19.30 Uhr, Aufführung, Staatstheater Kleines Haus, Am Theater
Fr. 09.09. Ingelheim, Workshop, 09.30 Uhr, IGS, Albrecht-Dürer-Str. 30
Fr. 09.09. Ingelheim, Aufführung 19.00 Uhr, Jugendkulturzentrum Yellow, Ludwig-Langstädter-Str. 4
Mo. 12.09. Kastelaun, Aufführung, 19.00 Uhr, IGS Kastellaun, Albert-Schweitzer-Straße
Mi. 14.09. Neustadt/Wied, Aufführung, 10.30 Uhr, Wiedparkhalle
Do. 15.09. Bremen, Aufführung, 20.00 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof, Findorffstr. 51 (Internationales Jugendtheaterfestival “explosive”)
Fr. 16.09. Bremen, Workshop, 10.00 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof, Findorffstr. 51 (Internationales Jugendtheaterfestival “explosive”)
Sa. 17.09. Münster, Aufführung, Theater im Pumpenhaus, Gartenstr. 123
So. 18.09. Münster, Aufführung, Theater im Pumpenhaus, Gartenstr. 123
Mo. 19.09. Münster, Aufführung, Theater im Pumpenhaus, Gartenstr. 123
Di. 20.09. Mainaschaff, Aufführung, 20.00 Uhr, Maintalhalle, Am Sportplatz 5
Sa. 24.09. Berlin, Aufführung, 18.00 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz
So. 25.09. Berlin, Aufführung, 18.00 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz
Mo. 26.09. Berlin, Aufführung, 20.00 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz
Di. 27.09. Berlin, Aufführung, 20.00 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz
Mi. 28.09. Hamburg, Aufführung, 20.30 Uhr, Kampnagel-Fabrik, Jarrestr.
Do. 29.09. Hamburg, Aufführung, 20.30 Uhr, Kampnagel-Fabrik, Jarrestr.
So. 02.10. Bonn, Aufführung, 18.00 Uhr, Rheinisches Landesmuseum, Colmantstr. 14 – 16
Mi. 05.10. Schwalbach a. Ts., Workshop, 10.00 Uhr, Bürgerhaus, Am Marktplatz 1 – 2
Do. 06.10. Schwalbach a. Ts., Aufführung, 11.00 Uhr, Bürgerhaus, Am Marktplatz 1 – 2
Fr. 07.10. Gütersloh, Aufführung, 19.30 Uhr, Theatersaal, Kulturräume Gütersloh, Friedrichstraße 10
So. 09.10. Kiel, Aufführung, 20.00 Uhr, Theater im Werftpark, Ostring 187a
Mo. 10.10. Kiel, Workshopprojekt
Di. 11.10. Kiel, Workshopprojekt
Di. 11.10. Kiel, Aufführung, 20.00 Uhr, Theater im Werftpark, Ostring 187a
Mi. 12.10. Kiel, Workshopprojekt
Do. 13.10. Kiel, Workshopprojekt
Fr. 14.10. Kiel, Workshopprojekt
Sa. 15.10. Kiel, Workshopprojekt
Mo. 17.10. Schwerte, Aufführung, 18.00 Uhr, Realschule Am Bohlgarten, Holzemer Weg 20
Di. 18.10. Schwerte, Aufführung, 18.30 Uhr, JVA, Theaterhalle, Gillstr. 1
Fr. 21.10. Düsseldorf, Aufführung, 20.00 Uhr, Goethe Gymnasium, Lindemannstr 57
Mo. 24.10. Freiburg, Aufführung, 20.00 Uhr, Theater Freiburg, Kleines Haus, Bertoldstr. 46
Di. 25.10. Karlsruhe, Aufführung, Badisches Staatstheater,
Mi. 26.10. Marburg
Do. 27.10. Marburg
Fr. 28.10. Marburg, Aufführung, Waggonhalle
Sa. 29.10. Marburg
Mo. 31.10. Marburg, Aufführung,
Do. 03.11. Wien
Fr. 04.11. Wien
Sa. 05.11. Wien
So. 06.11. Wien
Mi. 09.11. Zürich
http://www.ipk-bonn.de/veranstaltungen/FreedomTheatreInBonn.2011.html

 

 

VON: INSTITUT FÜR PALÄSTINAKUNDE – IPK

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