Die bayerische Angst vor der Linken – Ein Gespräch mit Xaver Merk (Landesvorsitzender Linken Bayern)

Landesvorstand der Linken in Bayern

Die Linke in Bayern war in den vergangenen Wochen immer wieder im Fokus der Medien. So wurde über ein Papier berichtet, in dem gegen verschiedene Mitglieder der Partei gehetzt wird. In dieser Woche wurde ein Bericht veröffentlicht, nach dem die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes nicht in der Linken sein dürfen. Wir sprachen mit Xaver Merk, dem Landesvorsitzenden in Bayern, über die besondere Situation seiner Partei im Freistaat.

Die Freiheitsliebe: Vor wenigen Tagen wurde öffentlich, dass es in Bayern nicht möglich ist als Mitglied der Linken im
öffentlichen Dienst zu arbeiten
. Welchen Status bekommt dadurch die Linke in Bayern dadurch?

Xaver Merk: Es wurde nicht ganz so gemeldet, aber ich möchte auch nichts beschönigen. Es gibt eine Abfrage beim Einstellungsverfahren, in der unter anderem nach einer Mitgliedschaft in der Linken gefragt wird. Diese Abfrage gibt es schon seit einigen Jahren. Durch die Überwachung der Linken und die Debatte über den Verfassungsschutz wird diese Debatte nochmal hochgekocht und die Linke bekommt dadurch keinen neuen oder anderen Status. Bisher habe ich noch nicht gehört, dass jemand wegen einer Mitgliedschaft in der Linken nicht in den Staatsdienst genommen wurde. Als Gewerkschafter weiß ich aber auch, dass die Gründe für eine Ablehnung meist verschleiert werden.

Die Freiheitsliebe: Auf der Internetseite des Freistaates Bayern gibt es eine Liste verschiedener Organisationen, die gegen die Verfassungstreue agieren. Dort ist die Linke aufgeführt neben Parteien wie der DKP, aber auch Parteien und Organisationen aus dem rechtsextremen Lager. Kann man so eine Gleichsetzung nachvollziehen?

Xaver Merk: Nein überhaupt nicht, das Gegenteil ist der Fall. Den Autoren einer solchen Liste muss ich Unkenntnis über die Ziele der Linken bescheiningen. Obwohl es eigentlich sehr einfach wäre die politischen Ziele der Linken zu überprüfen. Vor wenigen Monaten hat die Linke sich ihr erstes Parteiprogramm gegeben, das von über 95% der Mitglieder angenommen wurde. In diesem Programm steht geschrieben für was die Linke steht und wofür wir und unsere Mitglieder stehen. Wer dieses Programm liest wird sich schwer tun der Linken weiterhin solche Vorhaltungen zu machen.

Die Freiheitsliebe: In Bayern wird die Linke als linksextrem beurteilt und es gibt eine Homepage, auf der man alle Kreisverbände nachschauen kann und begründet wird, wieso die Linke verfassungsfeindlich ist. Wieso unterscheidet sich die Situation in Bayern so stark von anderen Bundesländern?

Xaver Merk: Ich kann nicht beurteilen, wie sich die Situation der Linken in Bayern unterscheidet. Ich kann nur feststellen, dass in Bayern die Angriffe auf die Linke von politischen Gegnern, insbesondere der CSU, in letzter Zeit massiv zugenommen haben. In Bayern haben alle Parteien außer der Linken schon mit dem Wahlkampf begonnen. In dieser Situation erkennt man die Angst, die die CSU vor dem Einzug der Linken und einem möglichen Machtverlust hat.

Die Angst der CSU

Die Freiheitsliebe: Diese Angst, dass die CSU ihre Mehrheit verlieren könnte, lässt darauf schließen das CSU und FDP annehmen, die Linke würde Rot-Grün verschieben. Gibt es dazu schon Gespräche?

Xaver Merk: In keinster Weise. Ob es Gespräche zwischen Mitgliedern Gespräche gibt, kann ich nicht beurteilen. Der Landesverband hat allerdings keine Gespräche geführt und das haben wir auch nicht vor. Wir sind gerade dabei uns auf den Wahlkampf vorzubereiten. Wir haben daher zur Zeit nichts mit einem eventuellen Zusammenarbeiten mit anderen Parteien am Hut. Diese Reaktionen zeigen aber, dass sie uns ernst nehmen und sie fürchten wir könnten eine große Rolle spielen.

Xaver Merk: Ich bin mir fast 100% sicher, dass dieses anonyme Papier nicht aus den Reihen der Linken kommt. Der Landesvorstand hat am vergangenen Sonntag einstimmig eine Stellungnahme zu diesem Papier verabschiedet, in welcher wir feststellen, dass das Papier uns nur dazu bringt näher zusammenzurücken und wir uns gegen solche Vorgehensmaßnahmen stellen.

Wahlkampf im Süden

Die Freiheitsliebe: Du hast angesprochen, dass die Linke sich als einzige Partei noch nicht im Wahlkampf befindet. Wird in der jetztigen Situation begonnen in den Wahlkampf überzugehen?

Xaver Merk: Wir sind dabei uns vorzubreiten und uns zu organisatorisch zu stabilisieren. Inhaltlich wollen wir erstmal die Themen aufarbeiten. Wir wollen rechtzeitig in den Landtagswahlkampf einsteigen, momentan ist es dafür aber noch zu früh. Wir machen so einen frühen Wahlkampf nicht mit. Die Reaktionen der anderen Parteien, insbesondere der CSU, zeigen deutlich wie nervös sie sind.

Die Freiheitsliebe: Die Linke in Bayern ist bisher noch nicht im Landtag vertreten, gibt es trotzdem eine positive Sicht auf die Wahlen?

Xaver Merk: Ich bin da sehr sehr optimistisch. Wir haben beim letzten mal knapp die 5% verfehlt. Das was ich jetzt aus den Kreisverbänden höre, insbesondere nach den Medienschlachten in den letzten Wochen, gibt mir Hoffnung. Das jedes Mitglied jetzt die Ärmel hochkrämpelt und sagt: “Wir kämpfen um jede einzelne Stimme und um soziale Gerechtigkeit. Wir wollen alle an einem Strang ziehen um in den Landtag zu kommen.”

Die Freiheitsliebe: Seit Beginn des Jahres ist die Linke deutlich häufiger in den Medien als im vergangen Jahr. Macht sich das bei den Mitgliedern bemerkbar?

Xaver Merk: Stetig weiterarbeiten können wir nicht, wenn wir uns immer wieder mit medialen Auseinadersetzungen beschäftigen müssen. Das erschwert natürlich die inhaltliche Arbeit, stärkt aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl und ein Zusammenrücken der Strömungen, wie die einstimmige Entscheidung des Landesvorstands gezeigt hat. Innerpartlich tut es uns nicht weh, so meine ich, und es stärkt unseren gemeinsamen Kampf um den Landtag.

Die Freiheitsliebe: Dies sind sehr erfreuliche Neuigkeiten für Linke. Gibt es etwas, was du unseren Lesern noch mitteilen möchtest, vielleicht wofür die Linke in Bayern im besonderen steht?

Xaver Merk: Die Linke in Bayern steht im besonderen an der Seite der Bürgerinnen und Bürger und nicht der Wirtschaftsmächtigen. Wir würden uns einsetzen um vor allem die Kommunen zu stärken und das Wohnen in Bayern wieder etwas ist, was die Menschen gerne machen. Bayerische Gemeinden, Dörfer und Städte müssen auch in Zukunft etwas sein, wo die Menschen gerne mitarbeiten und mitgestalten. Dafür brauchen die Kommunen aber finanzielle Mittel um die Grundlagen dafür zu schaffen. Wir würden alles tun um die Kommunen dafür besser in die Lage zu versetzen.

Die Freiheitsliebe: Wir danken dir für dieses Gespräch.

Mehr Infos zur Partei findet man auf der Homepage!

  • Bayerngmx

    Haha sehr lustig ;)

    Die bayerische Linke hat in den letzten zwei Jahren etwa ein Drittel der Mitglieder verloren und dürfte jetzt bei irgendwas um die 2000 sein. Wenn ich den  Kreisverband meiner Stadt + Landkreis ansehe, sind von ehemals knapp 80 leuten nur noch etwas über 50 dabei. Die Aktiven sanken von etwa 20 auf etwa 10. Und das für 250.000 Einwohner, da ist nahezu DKP-Niveau erreicht. Aus anderen KVs hört man ähnliches, teilweise bestehen die nur noch auf dem Papier. Alle paar Monate findet mal irgendeine Veranstaltung statt, die so etwa 10 Interessenten anzieht, Lötzsch war neulich in der Nachbarstadt und hat nur 50 Leute mobilisiert.

    Das innerparteiliche Klima ist verheerend, Grabenkämpfe überall. Mit 3% wäre die bayerische Linke sehr gut bedient.

    • Freiheitsliebender

      Bayerngmx woran liegt denn das schlechte Klima in der Linken in Bayern? Wir können nur das beurteilen, was wir hören, daher haben wir Xaver diese Fragen gestellt.

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