Wenn die Türkei Erwachsen wird

Nicht nur Jugendliche sind zuerst in der Pubertät, auch Regierungen durchlaufen den Prozess Erwachsen zu werden

30 Jahre lang hat man versucht eine Sprache für tot zu erklären. 30 Jahre lang hat man eine ethnische Gruppe verläugnet. 30 Jahre lang hat man der kurdischen Bevölkerung regelrecht Armut zugewiesen!

Dies ist nur ein Bruchteil von den Ungerechtigkeiten der türkischen Regierung. Man verübte mehrere Genozide im Laufe dieser Jahre. Es war auch selbstverständlich kurdische Städte zu “türkisieren”, bzw. zu assimilieren. Jedoch wurde der Osten nur kulturell assimiliert und dies heißt wiederrum, dass die kurdischen Städte ihren kurdischen Name aberkannt bekamen und der alte Name wurde durch einen türkischen Namen ersetzt. Hier mal ein Vergleich: Vor der Assimilierung hatte “Diyarbakir” den Namen “Amed”. Welch eine große Änderung! Als ob dies nicht reichen würde, war es der kurdischen Bevölkerung auch untersagt den alten kurdischen Namen zu benutzen, sonst würde man einer Folter unterzogen und ob man aus einem Gefängnis lebend rauskam war immer schon eine Frage des Glückes. Es war natürlich auch nicht erlaubt den Osten “wirtschaftlich zu assimlieren”, das heißt, dass der Osten der Türkei sozusagen Sanktionen unterlegen war. Viele Arbeitgeber wurden aus dem Osten verschäucht und ihre Fabriken wurden ihnen aberkannt.
Bei dieser ganzen Unterdrückung kamen mehr als 40 000 Zivilisten ums Leben! Eine erschreckende Zahl…

Ich könnte jetzt über sehr viele anti-demokratische Handlungen berichten, aber ich möchte nun zu einer sehr erfreulichen Nachricht kommen: Die Öffnung der AKP-Regierung für demokratische und menschenrechtliche Reformen.
In den letzten Monaten hat es eine Regierung endlich geschafft, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Diese Monate waren meiner Meinung nach ein wichtiger Schritt in Richtung Erwachsen werden. Man kann auch sagen, dass die Türkei 30 Jahre lang ein Kind war. Man wollte einfach nicht seine Mitmenschen akzeptieren, oder eher gesagt “man wollte die Schüppe im Sandkasten nicht mit anderen Freunden teilen”.
Die jetzige Regierung erklärt sich endlich bereit, die kurdische Identität anzuerkennen und ihnen Freiheit gewährzuleisten: An den Universitäten wird es eine Fakultät für die kurdische Sprache geben, es wird allen Parteien erlaubt ihre Propaganda auch auf kurdisch zu verbreiten, den kurdischen Städten werden die alten Namen wieder vergeben, usw. …

Ein Meilenstein in der türkischen Politik. Wie ich eben schon angeschnitten hatte, fällt mir auf, dass die Türkei jetzt mehr Verantwortung für ihre eigenen Probleme übernimmt. Sie sieht sich endlich als einen Staat an, indem die Demokratie agieren kann und nicht mehr das Militär.
Die Präsenz von demokratischen Reformen wird jedoch durch die Opposition gedämmt. Sie sehen diese demokratische Öffnung als seperatistisch und Volksverhetzend an. Was soll bitte daran Volksverhetzend sein? Es fördert doch den anti-nationalistischen Kader!
Daraus folgt, dass man ganz klar sagen kann, dass die Regierung zwar auf dem besten Wege ist Erwachsen zu werden, aber die Opposition, ausgenommen die Pro-kurdische Partei, ist noch mitten in der Pubertät.

Ich wünsche der AKP-Regierung sehr viel Glück.

  • Anonymous

    Sehr gut! Daumen hoch!

  • Freiheitsliebender

    Sehr guter Artikel gefällt mir das Erdogan sich mehr für Frieden einsetzt und sich auch den Kurden gegenüber aufgeschlossen vehält, kann man nur lobend beurteilen.

  • onur erkus

    als ob erdogan macht nur show und das wird nie passierren das die türkei erwachsen wird dises land ist genau das gegentei freiheit gibt es nicht man kann nicht mal kritik ausüben an die regierung die kurden also auch ich wir werden immer noch so behandelt

  • BlickRichtungSonne

    @ Onur: Mit meinem Artikel wollte ich den Schwerpunkt darauf legen, dass die AKP-Regierung den Konflikt mit den Kurden anerkannt hat. Das heißt nicht, dass dieser Konflikt beigelegt wurde, bzw. dass dieser Konflikt gelöst wurde.

  • Ciler Firtina

    Hallo BlickRichtungSonne,

    tatsächlich handelt die AKP-Regierung sehr viel intelligenter als die Regierungen vorher. Sie hat viele Tabus gebrochen. Siehe Verbesserung der Beziehungen zu Armenien, Ende der Verleugnungspolitik gegenüber den Kurden. Die Nationalisten schäumen vor Wut!
    Während man früher behauptete, es gäbe keine kurdische Sprache, gibt es jetzt sogar einen TRT-Sender (Staatsfernsehen), der zwar in Kurdisch sendet (immerhin! geradezu revolutionär!), aber gefiltert durch die Zensurbehörde RTÜK.

    Doch man weiss, warum Erdogan diesen Weg geht.
    Die Demokratisierung der Türkei kommt seinen Islamisierungswünschen entgegen. Er will die Religion in der Gesellschaft stärker verankern. Das alles geschieht übrigens mit Rückendeckung der USA. Sonst würde sich Erdogan mit dieser Abkehr von der bisherigen Linie keinen Tag halten können.

    Der Laizismus Atatürks wird sich nicht halten können. Allerdings gab es den Laizismus zwar formal, aber de facto nicht.
    Respekt vor anderen Religionen gab es bisher in der Türkei nicht. Im Gegenteil. Die Massaker von Corum, Maras und Sivas, aber auch die Morde von Malatya sind Synonyme für die aggressive Intoleranz der Muslime in der Türkei. Natürlich, nicht alle haben an diesen Morden und Massakern mitgewirkt. Aber wo ist die breite Bürgerbewegung, die sich für diese Schandtaten entschuldigt?
    Erst wenn Erdogan ernsthaft, mit Nachdruck, diese Massaker und Morde aufarbeitet, sich Entschuldigt, Mahnmale errichten lässt, könnte ich ihm einen gewissen Vertrauensvorschuss geben.

    Bis dahin ist Vorsicht geboten. Aber, so ein Umbruch ist spannend. Mal sehen, wohin dieser Weg uns führt.

  • BlickRichtungSonne

    Ich schließe mich deinem Kommentar in seinen Grundzügen an!
    Jedoch möchte ich auf einen wichtigen Teil deines Kommentars Stellung nehmen: Führt Kemalismus nicht eher zu einer intoleranten Gesellschaft?
    Der Laizismus sollte doch gerade für eine tolerante Gemeinschaft sorgen, oder nicht? Dies kann keinesfalls geschehen, wenn es den Schülerinnen untersagt ist ihr Kopftuch in den Schulen zu tragen. Ich bin keineswegs ein gemäßigter "Islam-Populist", oder ähnliches. Ich fordere eine uneingeschränkte Religionsfreiheit (nur) für das Volk!
    Daraus folgt, dass eine Schülerin, die keiner staatlichen Institution untergeordnet wäre, ein Recht auf die freie Ausübung ihrer Religion hätte.
    Der Staat muss in seinen vollen Zügen säkular bleiben und zu allen Religionen gleich nah stehen und nicht "gleich weit" enfernt. Frankreich ist meiner Meinung nach "gleich weit" von religiösen Institutionen enfernt, welche die Religionsfreiheit in hohem Maße einschränkt. Deutschland steht "gleich nah" den Religionen gegenüber: Schüler dürfen sich in religiösen Angelegenheiten frei bewegen, aber staatlich Untergeordnete Beamten sind dem Säkularismus verpflichtet.

  • Ciler Firtina

    Oh, offenbar habe ich mich mißverständlich ausgedrückt.
    Ja, der Kemalismus hat zu einer intoleranten Gesellschaft geführt, die geprägt ist von Verboten, Tabus, Manipulation, Indoktrination und Unterdrückung.
    Schlimmer noch: Gewalt zur Durchsetzung der kemalistischen Ideologie wurde legitimiert.
    Wenn wir uns die aktuelle Debatte um die Haltung der CHP (Republikanische Volkspartei) nach den Aussagen Onur Öymens zur Niederschlagung des Dersim-Aufstandes ansehen, sehen wir das hässliche Gesicht des Kemalismus.
    Der Laizismus in der Türkei war ja im Grunde nie wirklich einer. Vorherrschend war immer die türkisch-islamische Synthese.
    Einerseits verbietet man den Frauen in der Türkei das Kopftuch an den Unis, andererseits ist es normal, wenn im Fastenmonat die Trommler vor Sonnenaufgang durch die Straßen gehen und die Menschen aus den Betten holen, damit sie noch mal essen können, ohne zu berücksichtigen, dass die Aleviten und auch viele Sunniten gar nicht oder zumindest nicht zu dieser Zeit fasten.
    Es ist schon ziemlich sonderbar was in der Türkei abläuft.

    Zur Religionsfreiheit: Ich meine, Religion ist Privatsache. Jeder soll glauben was er will, wie er will, ohne die Freiheit der Andersgläubigen oder gar nicht Gläubigen zu beeinträchtigen.
    Der Staat soll sich raushalten.
    Umgekehrt heißt das aber, dass die Religion sich aus staatlichen Institutionen und Schulen raushalten soll. Statt den Schülerinnen und Schülern nach Konfessionen getrennten Religionsunterricht anzubieten, sollten sie in gemeinsamem Unterricht über alle Religionen und Weltanschauungen etwas lernen.

    Schülerinnen das Tragen des Kopftuches zu verbieten ist falsch und diskriminierend. Was ist mit Schülerinnen und Schülern, die ein Kreuz um den Hals tragen. Und all den anderen Symbolen?

    Anders zu bewerten ist die Frage, ob Lehrerinnen ein Kopftuch tragen dürfen. Es geht um die Neutralität der Lehrkräfte, die ich für wichtiger halte.

    Warum sollen der Staat und seine Institutionen, wie die Schule beispielsweise, den religiösen Institutionen eher gleich nah als gleich fern stehen?

    Von mir aus kann es private Schulen geben, an denen die Lehrerinnen ein Kopftuch tragen. So wie Nonnen in ihrer Nonnentracht unterrichten dürfen. Aber die tun das auch nicht an öffentlichen Schulen.
    Die Eltern sollen entscheiden, auf welche Schule sie ihr Kind geben.

    Es gibt auch gläubige Musliminnen ohne Kopftuch. Ist das Kopftuch wirklich so unverzichtbar ist für eine Muslimin? Das Kopftuch ist in den vergangenen Jahren in einer Weise in den Vordergrund getreten, dass man den Eindruck hat: kein Koptuch – keine Muslimin.
    Das ist eine Diskriminierung, die ebenfalls nicht hingenommen werden darf. Wenn Frauen sich für das Kopftuch entscheiden, dann können sie eben nicht an einer staatlichen Schule unterrichten. So sehe ich das.

  • BlickRichtungSonne

    Meiner Meinung nach werden die heutigen religiösen Symbole generell regelrecht missbraucht! Ich kann aus Erfahrung sagen, dass ich früher meinen Zülfikar aus politischen Gründen getragen habe und nicht aus reiner Religiösität. Jedoch muss ich hinzufügen, dass ich damals wusste wofür mein Zülfikar steht: Für Gleichheit und Liebe vor Gott.
    Im gegenzug sah ich dann auch sunnitische Freunde, die mit dem arabischen Zeichen von "Allah" rumliefen.
    Wie man ganz klar sehen kann, wurden diese Symbole in ihrer eigentlichen Intention malträtiert.

    Doch kommen wir zu deiner Frage:
    Nehmen wir an, ein Staat steht zu allen Religionen gleich weit, dann hieße das ja, dass dieser Staat sich von allen Religionen abschottet. Solch eine imaginäre Mauer führt dann zu Intoleranz gegenüber religiösen Bürgern.
    Daraus folgt, dass ein Staat offen für alle Religionen sein sollte und ihren Bürgern ihre Religon und Religiösität freistellen muss.

  • Ciler Firtina

    Ja, so hat jede/r seine Bilder im Kopf.
    Ich sehe da weder Abschottung, noch eine imaginäre Mauer, die zu Intoleranz gegenüber religiösen Bürgern führt.
    Ich sehe einen toleranten Staat, der seine Bürger frei und ohne staatlichen Einfluss ihre Religion leben lässt.
    Wäre das nicht auch denkbar?

  • BlickRichtungSonne

    Wie soll man für Freiheit sorgen, wenn man durch ein "ultra-Säkularismus" verbote einführt?
    Es ist doch wohl fragwürdig, ob man durch ein Kopftuchverbot für Freiheit sorgt, oder doch nicht eher für eine klare Eindämmung der Grundrechte?

  • Halil

    der Artikel dreht Fakten um und spiegelt nicht die Wahrheit

    1.Bei dieser ganzen Unterdrückung kamen mehr als 40 000 Zivilisten ums Leben!

    –>Nicht bei dieser Unterdrückung kamen 40 000 Menschen um sondern bei dem KAmpf mit der Kurdischen Terrororganisation PKK

    2.dass die Regierung zwar auf dem besten Wege ist Erwachsen zu werden, aber die Opposition, ausgenommen die Pro-kurdische Partei

    –>Die Pro-kurdische Partei wurde Verboten weil sie >> Brennpunkt von Aktivitäten gegen die unteilbare Einheit des Staates, des Landes und der Nation ist <<

    3.dass der Osten der Türkei sozusagen Sanktionen unterlegen war

    –> die Türkei ist ein liberales Land und hat eine Marktwirtschaft die auch von der EU am 4. November 2008 nochmal bestätigt wurde

  • BlickRichtungSonne

    1.Den Kampf gegen die PKK kannst du doch nicht von der eigentlichen Unterdrückung differenzieren! Du solltest nicht vergessen, dass manche Kurden damals verhaftet wurden, nur weil sie kurdisch gesprochen hatten und dies galt als seperatistisch.

    2.Ist es richtig Parteien zu verbieten, die nicht ihre eigene Herkunft verleugnen? Generell ist es doch Menschenverachtend, Menschen wegen ihrer Herkunft anzuklagen!

    3.Eine liberale Marktwirtschaft kann man nicht direkt mit einer "liberalen Gesellschaft" gleichstellen! Die EU setzte bei diesem Protokoll ihren Schwerpunkt auf die Marktwirtschaft, die sich weiterentwickelt hat, und nicht auf die demokratischen Reformen.

  • halil

    1. Wir sprechen hier von Opfern und nicht von Verhaftungen also hast du hier die Opferzahl im falschen Kontext gebraucht und das führt zu falschem Verständnis ausserdem ganz klar muss man hier sagen dass die PKK für viele Opfer verantwortlich ist es kann nicht sein dass eine Gruppierung wie die PKK geduldet wird dessen Ziel es ist so viele unschuldige MEnschen zu töten wie möglich egal ob kurde oder türke

    2.Du bist nicht auf mein KOmmentar eingegangen die DTP wurde nicht geschlossen weil sie sich als Kurdisch geoutet hat sondern ganz klar wie ich eben schon gesagt habe weil sie Volks hetzend ist sie untersützt gewaltbereite kurdische ORgansisationen und sogar für die meisten kurden zu radikal nur 30 % der kurden wählen die partei

    3.aber du hast doch in deinem text gesgat dass die Arbeitgeber im osten verschäucht wurden könntest du mir mal erklären wie die Türkische regierung dass hinbekommen haben soll ?

  • BlickRichtungSonne

    1. Bei den Verhaftungen handelt es sich unteranderem um Opfer, die vom Staat ungerecht behandelt werden. Außerdem musst du in betracht nehmen, dass die Opferzahlen von der Türkei um einiges niedriger sind, als die Dunkelziffer… Warum macht das denn die Türkei? Möchte sie etwa nicht auf die eigentlichen Verbrecher hinweisen? Hinterfrage solche Ereignisse!

    2. Die MHP ist um einiges "volksverhetzender"! Die DTP sprach nie von einem Tod für den jetztigen Ministerpräsidenten, oder für die Täter der Vergangenheit. Die MHP forderte im Wahlkampf den Tod für Öcalan.
    Gerechtfertigt?

    3. Indem die "MIT" (türk. Geheimdienst) kurdische Arbeitgeber/ Fabrikbesitzer umgebracht haben. Es ist leichter als man denkt!

  • HAlil

    1. Du kannst vieles Hinterfragen aber ohne Fakten sind deine Äußerrungen nix Wert
    Du kannst nicht dein Argument auf eine Behauptung stützen dessen Richtigkeit du nicht wissen kannst.

    2.ICh habe nie gesgat das die MHP nicht volksverhetzend ist .
    Man merkt aber du hast kein stückchen Ahnung von Gerechtigkeit. ISt es für dich dasselbe wenn man den Tod eines Ministerpräsident fordert und eines Terroranführers der schon zum TODE VERUTERILT wurde.

    3.Kannst du mir hier deine Quelle angeben !!
    ICh denke mal hast du nicht den wie der Rest deines Artikels ist der überwiegende Teil nicht auf Fakten oder Tatsachen bezogen sondern auf Fakten die im falschen KOntext benutzt wurden.

  • Turkasker

    MHP an die Macht! cCc

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