Mercedes wirbt mit Che Guevara und Exilkubaner jammern

Der neue Che

In der vergangenen Woche hatte Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas nicht nur für die neue High-Tech-Ausrüstung seiner Nobelkarossen geworben, er hatte auch versucht sich und Mercedes ein ökologischeres Image zu verpassen. So hat er den reichen Mercedes-Fahreren empfohhlen Fahrgemeinschaften zu bilden, um die Umwelt zu entlasten.

Dabei sagte er, für manche grenze das Teilen ihres Autos schon fast an Kommunismus, und fügte hinzu: »Wenn das so ist, dann Viva la Revolución!« Dazu zeigten die Techniker auf der übergroßen Leinwand hinter dem Redner das legendäre Foto Che Guevaras. Nur der fünfzackige Stern des Kommunismus, der auf Ches Mütze prangte, war durch einen Mercedes-Stern ersetzt worden.

Mercedes und der Kommunismus?

Es ist interessant, dass sich ausgerechnet Mercedes ein umweltfreundlicheres Image verpassen will. Das Mercedes aber ausgerechnet mit Che Guevara wirbt, dass zeigt wie weit der südamerikanische Revolutionär zu einer Modeikone verkommen ist, die auch von Neoliberalen gehuldigt wird.

“Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die schönste Eigenschaft eines Revolutionärs” so sprach Che Guevara einst, ob der Mercedes-Vorstand nun versuchen wird die Ungerechtigkeit zu fühlen, der die im eigenen Betrieb eingesetzten Zeitarbeiter ausgesetzt sind, ist dabei eher fraglich.
Normalerweise hätten Linke auf die Verwendung von Che Guevara reagieren sollen und sich einmal über dessen aktuelle Symbolik gedanken machen müssen. Das ist nicht geschehen, stattdessen beklagten sich viele der rechtsgerichteten Exil-Kubaner über diese angeblich böse Werbung. So agierte der Republikaner Mario Diaz-Balart, einer der schärfsten antikubanischen Einpeitscher im US-Repräsentantenhaus, gegen die Werbung für die »kaltblütige Mordmaschine« Che Guevara.
Diese Kritik an der Werbung von Mercedes und dem Öko-Aufruf wurde von den meisten amerikanischen Medien belächelt, da diese die Lächerlichkeit erkannten. Mercedes schien es aber wichtig zu sein, die große Gemeinde der Exilkubaner nicht zu verärgern und ein Sprecher verließ auf dem neokonservativen Sender Fox-News eine Entschuldigung.
Es scheint als wäre die “revolutionäre Zeit” bei Mercedes schon wieder vorbei.

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