Die Geschichte von Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen – Teil 2
Im März 2006 veröffentlichte Shir Hever von „The Alternative Information Center (AIC)“ eine Tiefenanalyse der Abhängigkeit Israels von der globalen Wirtschaft und seine Verletzlichkeit als Auswirkung der BDS-Kampagnen dagegen. Die Schlussfolgerung seiner Analyse ist gerade heraus: „Internationales Zögern, israelische Waffen zu kaufen oder Waffen nach Israel zu verkaufen, werden Israel ermutigen, gewaltlose Wege zum Umgang mit den Palästinensern zu finden“. (42)
Im Mai 2006 drückte ich, dem Ruf der Palästinenser folgend, die Unterstützung eines umfassenden Boykotts Israels aus, einschließlich akademischem Boykott. (veröffentlicht durch „Yediot Acharonot)
(43).
Im Mai 2006 sandte die feministische Organisation „New Profile“ einen Brief um Unterstützung an die Presbyterian Church USA (PCUSA), der von der Aktivistin von New Profile, Dr. Dorothy Naor, initiiert wurde, in dem die Absicht dargelegt wurde, die Politik des selektiven Investitionsstopps als Mittel für Frieden zwischen Palästinensern und Israelis anzuwenden. „Wir unterstützen lebhaft ein solches Bemühen und hoffen, dass PCUSA tatsächlich einen Investitionsstopp als gewaltloses Mittel, um die Besetzung der Palästinenser und ihres Landes durch Israel zu beenden, aufnimmt“. (44)
Im gleichen Monat „drückte New Profile seine Unterstützung eines selektiven Investitionsstopps aus“. Aus der Tatsache, dass wirtschaftlicher Druck ein gewaltloses Mittel zur Beendigung dieser katastrophalen Besetzung ist, argumentierte New Profile: „Wir begrüßen und unterstützen selektiven Investitionsstopp, wodurch in Firmen, die durch die Lieferung von Waffen, anderen Geräten und Fachleuten zur Fortführung der Besetzung beitragen, nicht mehr investiert wird“. (45)
Im Juni 2006 haben ungefähr 100 israelische Personen, Organisationen und Bewegungen ihre Unterstützung des ‚Ontario’-Flügels der Canadian Union of Public Employees (CUPE) (46) ausgedrückt. Dieser hatte im Mai einstimmig eine Resolution für die Unterstützung der „internationalen Kampagne für Boykott, Investitionsstopp und Sanktionen“ „gegen Israel“
abgefasst, die so lange dauern sollte, bis der Staat Israel das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung anerkennen würde. Den palästinensischen Ruf vom Juli 2005 verstärkend fordert die CUPE-„Ontario“-Resolution das Abtragen der Apartheid-Mauer sowie das Recht auf Rückkehr aller palästinensischen Flüchtlinge (47).
Im Juni 2006 drückte Reuven Abergel, Gründer der israelischen „Black Panthers“, seine Unterstützung für den akademischen Boykott Israels (48) aus. Gleichzeitig veröffentlichte der Haaretz Journalist Gideon Levy eine zustimmende unterstützende Bykott-Resolution (49).
Auch im Juni 2006 wurde eine BDS-Gruppe von mehr als 50 israelischen Bürgern gegen die Besatzung gegründet, die eine Stellungnahme dazu später im Juni 2007 herausbrachte, (50)
Im Mai 2007 rief Professor Kenneth Mann von der Universität Tel Aviv, Vorsitzender des Beratungsgremiums von Gisha, dem Rechtszentrum für Bewegungsfreiheit, die Präsidenten der israelischen Universitäten auf, gegen die Einschränkungen der Regierung zu protestieren, die 2000 über die palästinensischen Universitätsstudenten verhängt worden waren. Nur vier Universitäts-präsidenten unterschrieben die Forderung an Verteidigungsminister Amir Perez, den Bann zu lösen:
Präsident Prof. Rivka Carmi, Ben-Gurion Universität im Negev, Präsident Prof. Yitzhak Apeloig, Technion Institut für Technologie, Präsident Prof. Menachem Megidor von der Hebräischen Uni-versität, Präsident Prof. Aharon Ben Zeev von der Haifa Universität (51).
Im Juni und Juli 2008 wurden von palästinensischen und israelischen BDS-Gruppen offene Briefe an Snoop Doggy Dog, Branford Marsalis und Mercedes Sosa geschrieben, die vor israelischem Publikum gezeigt werden sollten. Während dieses Monats schlossen sich mehr als 100 europäische Organisationen, einschließlich dem Israelischen Komitee gegen Hauszerstörung (ICHAD), der Nationalen Kampagne der palästinensischen BDS (BNC) (52) im Ruf nach Suspendierung der Vereinbarung der EU-Israelischen Gesellschaft an. (53)
Im September 2008 veröffentlichten Dr. Kobi Snitz und Roee Harush einen Bericht über eine „Arbeitsgruppendiskussion darüber, wie eine BDS-Kampagne durch israelische Bürger aufgebaut werden könne“. (54). Sie dokumentierten die Art, wie die israelische BDS-Gruppe namens „BOYKOTT! Unterstützung der palästinensischen BDS ‚Ruf von innen’“ während dieses Jahres aufgebaut worden war.
Im Oktober 2008 rief Shir Hever vom Alternativen Informationszentrum nach „wirtschaftlichem Widerstand gegen die Besetzung durch Investitionsstop“. (55)
3. „Gazas Guernica“ (56)
Nach der Gaza-Offensive durch die israelische Armee im Dezember 2008, die unter dem Namen „Gegossenes Blei“ bekannt ist, veröffentlichten mehr als 540 Israelis, (bestärkt durch mehr als 5000 Internationale) einen Ruf, der vom Philosophen Dr. Anat Matar, dem Schriftsteller Yael Lerer und anderen Mitgliedern von „BOYKOTT! Unterstützung der palästinensischen BDS ‚Ruf von innen’ – später nur „BOYKOTT!“ – für die Unterstützung des Rufes der palästinensischen Menschen-rechtsgemeinschaft nach internationaler Aktion initiiert wurde:
„Wir rufen die Welt auf, die israelische Gewalt zu stoppen und die Fortsetzung der brutalen Besatzung nicht zu erlauben. Wir rufen die Welt auf, Israels Verbrechen zu verdammen und nicht Komplize zu werden…
„Im Lichte des obigen rufen wir die Welt auf, den Ruf der palästinensischen Menschenrechts-organisation zu verwirklichen, welche drängt:
- „den UN Sicherheitsrat, eine Notfall-Session einzuberufen und konkrete Maßnahmen zu treffen, einschließlich der Verhängung von Sanktionen, um sicher zu stellen, dass Israel seinen Verpflichtungen gemäß dem internationalen Menschenrecht nachkommt.
-„die Hohen Vertragspartner der Genfer Konventionen, ihre Verpflichtungen unter dem normalen Artikel I zu erfüllen, Respekt zu erweisen für die Vorgaben der Konventionen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um Israel zu zwingen, bei seinen Verpflichtungen zu bleiben unter internationalem Menschenrecht, besonders höchste Wichtigkeit auf den Respekt und den Schutz der Bürger vor den Auswirkungen der Feindseligkeiten zu legen.
-„die Hohen Vertragspartner, ihre gesetzlichen Obligationen unter Artikel 146 der Vierten Genfer Konvention zu erfüllen, nämlich jene zu verfolgen, die verantwortlich sind für schwere Brüche der Konvention.
-„EU-Institutionen und Mitgliedstaaten , die Richtlinien der Europäischen Union wirksam anzuwenden durch Herstellung einer Übereinstimmung mit dem internationalen Menschenrecht (2005/C 327/04) und sicher zu stellen, dass Israel sich an das internationale Menschenrecht hält nach §16 (b), (c) und (d) dieser Richtlinien, einschließlich der Anwendung sofortiger restriktiver Maßnahmen und Sanktionen, wie auch der Einstellung jedes aufwertenden Dialogs mit Israel“. (57)
Im Jänner 2009 veröffentlichten Mitglieder von „BOYKOTT!“, nämlich Prof. Yoram Carmeli, Dr. Anat Matar, Jonathan Pollak, Dr. Kobi Snitz, ich selbst, und weitere 17 Mitglieder einen Aufruf in The Guardian an die EU-Führer, „Sanktionen gegen die brutale Politik Israels anzuwenden, und die Proteste in Bolivien und Venezuela aktiv mit zu tragen“. Wir richteten unseren Appell an die Bürger Europas: „Bitte horcht auf den Aufruf der palästinensischen Menschenrechtsorganisation, der von mehr als 540 israelischen Bürgern getragen wird (www.freegaza.org/en/home/658-a-call-from-within-signed-by-israeli-citizens): Boykottiert israelische Güter und israelische Institutionen; folgt Resolutionen wie jenen, die von den Städten Athen, Birmingham und Cambridge (US) gemacht wurden. Das ist die einzige Straße, die geblieben ist. Helft uns alle, bitte!“ (58)
Im April 2009 ersuchte „BOYKOTT!“ den Musiker Leonard Cohen, von seinem geplanten Konzert in Israel zurück zu treten: Wir sehen, dass unsere Gesellschaft immer herzloser wird und rassistischer, und da wir von deinem lange bewährten Bekenntnis zur Gerechtigkeit wissen, können wir uns nicht vorstellen, dass du mit der fortwährenden israelischen Verhöhnung von Gerechtigkeit und Moral zusammenarbeiten willst; wir können uns nicht vorstellen, dass du eine Rolle in der israelischen Charade der Selbstgerechtigkeit spielen willst. Wir appellieren an dich, deine Stimme jenen tapferen Leuten in der ganzen Welt zu geben, die Israel boykottieren. Wir drängen dich, deinen geplanten Auftritt in Israel abzusagen“. (59)
Im Mai 2009 sandte ich einen Unterstützungsbrief an die 2009-Versammlung des BRICUP Pre- University and College Union (UCU) Kongress, in dem u.a. stand:
„Trotz der zunehmenden Notlage der palästinensischen Kollegen haben sich Senat und Leiter der Universitäten niemals gegen die israelische Besetzung von palästinensischem Gebiet ausgesprochen oder gegen die Unterdrückung der Palästinenser; noch haben sie gegen die zerstörerischen Beschädigungen, die das israelische Militär an den akademischen Institutionen angerichtet hat, protestiert; noch haben sie sich irgendwie betroffen gezeigt oder Solidarität mit den palästinensischen Kollegen erwiesen. Und wenn die Chance gegeben war, gegen die „Politik der israelischen Regierung zu protestieren, die Einschränkungen der Freiheit der Bewegung, des Studiums und der Lehre verursacht, und (…) die Regierung aufzufordern, Studenten und Lehrenden freien Zugang zu allen Camps im Territorium zu gestatten und Studenten und Lehrende mit ausländischem Pass zum Studium und zur Lehre zuzulassen, ohne sie mit dem Entzug der Aufenthaltsvisa zu bedrohen“, haben nur wenige (407 von mehr als 5000) Fakultäten sich entschlossen, diese Petition zu unterschreiben (60). Ist „akademische Freiheit“ nur das Vorrecht der Mächtigen?
Diese sind nur Schnitzel der Beweise, die die Komplizenhaftigkeit der israelischen akademischen Institutionen mit der Apartheidpolitik des Staates gegen die Palästinenser bezeugen (61).
Auch im Mai 2009 wandte sich „BOYKOTT!“ an die Europäische Union über ihre Botschaften in Israel, die existierenden Handelsabkommen mit Israel zu suspendieren und „die Menschenrechts-klausel anzuwenden, die Teil der Handelsabkommen mit Israel ist, und die bestehenden Handels-abkommen mit Israel zurückzuziehen, bis Israel das internationale und Menschenrecht einhält“. (62)
Im gleichen Monat sandte „BKOTT“ eine Botschaft an Madonna mit der Btte, die geplante Vorstellung in Israel abzusagen: „Eine Vorstellung hier würde sagen, dass Israel sich auf eine annehmbare Weise verhält, und würde von Israelis als moralische Unterstützung für die illegale und inhumane Politik interpretiert werden, die von vielen als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angesehen wird“.
Auch im Mai 2009 wandte sich „BOYKOTT!“ an die Koalition der Friedensfrauen, Norwegen aufzufordern, seine Investitionen in israelisch besetzten Gebieten einzustellen. Zwanzig israelische Organisationen verlangten vom norwegischen Pensionsfond, „alle Körperschaften, die die israelische Besetzung von palästinensischem Gebiet unterstützen und aufrecht erhalten, aus dem Portfolio der Geldzuweisung zu streichen“. (64)
Im gleichen Monat sandte „BOYKOTT!“ eine Botschaft an die Barcelona-Abteilung für internationale Zusammenarbeit mit der Verwunderung, ob Barcelona noch mit Tel Aviv zusammenarbeite, sogar nach den Massakern in Gaza. Der Brief erinnerte Barcelona, dass „die Charade von Geschäftemachen wie üblich Israel nur ermutigt, mit seinen illegalen, scheußlichen und ungerechten Praktiken fort zufahren, die während der letzten 42 Jahre ohne Widerstand der Internationalen Gemeinschaft angedauert haben“. (65)
Im Juli 2009 sandte „BOYKOTT!“ eine Botschaft an UNICEF über die Partnerschaft mit Motorola, durch die wir diese wissen ließen, dass es „unmoralisch sei für UNICEF, mit einer Gesellschaft zu kooperieren, die die Bemühungen der UNICEF durch ihre Aktionen untergräbt. Wir ersuchen UNICEF, aus dieser Partnerschaft mit Motorola auszusteigen, bis Motorola aufhört, Geräte zu verkaufen, mit denen die israelische Armee die Rechte der palästinensischen Kinder und vieler anderer verletzt“. (66)
Im gleichen Monat unterstützte „BOYKOTT!“ die Aufforderung von PACI an Amnesty, ihrem Ruf, „alle israelischen akademischen und kulturellen Institutionen zu boykottieren“, und die Unterstützung für das Leonard Cohen Konzert in Israel zurück zu ziehen. (67)
Im Juli 2009 entschloss sich die Women’s International League for Peace and Freedom (WILPFY) , Israel, der BDS-Kampagne gegen Israel beizutreten: „In Anbetracht dessen, dass bis jetzt unsere Forderungen nach sichtbarem internationalen Druck auf die israelische Politik nicht beantwortet wurden, und trotz der Anwendung aller uns verfügbaren Mittel diese Aktionen keinen Wechsel in der israelischen Politik gebracht haben, treten wir der Forderung nach BDS gegen Israel bei“. (68)
Im August 2009 publizierte Dr. Neve Gordon, langjähriger Friedensaktivist und Leiter der Abteilung für Politikwissenschaften an der Ben-Gurion-Universität einen Artikel in der „Lost Angels Times“ , in dem er sich hinter den palästinensischen Ruf nach BDS gegen Israel stellte. (69)
Im September 2009 trat „BOYKOTT!“ der Toronto-Erklärung (70) bei zur Unterstützung des Protests gegen das „City-to-City“ Spotlights über Tel Aviv des Toronto International Film-Festival. Der Filmemacher, Autor und Visualkünstler Udi Aloni und der Künstler David Reeb (71) gehörten auch zu den Unterstützern der Deklaration (72)
Im Oktober 2009 veröffentlichte Michel (Mikado) Warschawsk, prominentes Mitglied des Alternativen Informationszentrum eine Erwiderung auf Uri Avnery, betitelt „Yes to BDS“, in welcher er schreibt:
„Für uns ist Zionismus keine nationale Befreiungsbewegung, sondern eine „koloniale Bewegung“ und der Staat Israel ist und ist immer gewesen ein Kolonialstaat für Siedler. Frieden, oder besser, Gerechtigkeit, kann nicht erreicht werden ohne die totale Entkolonialisierung (Man kann sagen: Ent-Zionisierung) des Staates Israel; es ist eine Vorbedingung für die Erfüllung der legitimen Rechte der Palästinenser – ob Flüchtlinge, unter der militärischen Besatzung Lebende oder zweitklassige Bürger von Israel … Jede Anstrengung zur Versöhnung „vor“ der Erfüllung der Rechte stärkt die Verlängerung des kolonialherrschaftlichen Verhältnisses. Warum sollten die Israelis, ohne dass ein Preis dafür gezahlt werden muss, aufhören zu kolonisieren, denn warum sollten sie eine tiefe innere Krise riskieren?
„Deshalb ist die BDS-Kampagne so entsprechend: Sie bietet einen internationalen Rahmen zu handeln, um dem palästinensischen Volk zu helfen, seine legitimen Rechte zu erhalten, sowohl auf dem Gebiet der Institution (Staaten und internationale Institutionen) wie auch der Zivilgesellschaft … Die BDS-Kampagne wurde durch eine breite Koalition von palästinensischen politischen und sozialen Bewegungen initiiert. Kein Israeli, den es verlangt, die nationalen Rechte der Palästinenser zu unterstützen, kann sich anständigerweise von dieser Kampagne abwenden.“ (73)
Im gleichen Monat publizierte Uri Yakobi Keller vom Alternativen Informationszentrum ein Dokument, in dem er den akademischen Boykott israelischer Universitäten unter dem Titel „Die Ökonomie der Besetzung: Akademischer Boykott Israels“ rechtfertigt. Er argumentiert weiter, dass „ein akademischer Boykott für Israel eine Drohung darstellt, die eine der wichtigsten kulturellen Verbindungen zwischen Israel und der westlichen Welt beschädigen könnte“. (74)
Im November 2009 machte sich die Koalition der Friedensfrauen (75) auf, der BDS-Bewegung in Israel beizutreten. Es ist „die erste solche Bestätigung durch eine der größten israelischen Organisationen, die tausende AktivistInnen repräsentiert. „Dieser Initiative ist ein dreijähriges Projekt der Organisation vorangegangen (begonnen im November 2006) namens „Wer profitiert: Darstellung der israelischen Industrie der Besetzung“, koordiniert von Dr. Dalit Baum, Merav Amir und anderen Mitgliedern der Koalition. „Wer profitiert“ hat zum Ziel, israelische und internationale Firmen bekannt zu machen, die an der Konstruktion israelischer Kolonien und Infrastrukturen in den besetzten Gebieten, in der Wirtschaft der Siedlungen, beim Bau der Mauer und der Checkpoints, und bei der Versorgung mit besonderen Geräten, die für die Kontrolle und Unterdrückung der Zivilgesellschaft unter Besatzung benutzt werden. Die Frage „Wer profitiert“ untersucht nicht die traditionelle Klage über die Kosten, die durch die Besatzung verursacht werden, sondern jene, bis zu welchem Ausmaß die Beteiligten davon Nutzen ziehen: Wer profitiert an der Kontrolle der Bevölkerung, der wirtschaftlichen Ausbeutung und der Industrie in den Siedlungen (76). Die Daten von „Wer profitiert“ wurde zur Hauptstütze der internationalen BDS-Bewegung, weil daraus viele Forschungs-ergebnisse und Informationen bezogen werden können, die sehr wichtig sind für weltweiten wirtschaftlichen Aktionismus gegen Kompanien und Gesellschaften, die direkt aus der Besetzung durch Israel profitieren.
Im gleichen Monat sandte „BOYKOTT!“ einen offenen Brief an den Senat der Universität Trondheim mit der Forderung, dem palästinensischen Ruf zum Boykott der israelischen Akademie zu folgen. „Es muss in der Tat bei den Akademikern weltweit bekannt werden, dass die israelischen Universitäten Teil und eingeflochten sind in die Herrschaftsstrukturen und die Unterdrückung der palästinensischen Menschen. Sie haben eine direkte und indirekte Rolle in der Förderung, Entwicklung und Unterstützung der rassistischen Politik des Staates und der durchgehenden Verletzungen der Menschenrechte und des internationalen Gesetzes“. (77)
„BOYKOTT!“ nahm auch teil am Aufruf von Adalah-NY an andere, um der New York Met mitzuteilen, dass sie unterlassen sollten, die Siedler in Hebron zu unterstützen. (78)
Im Dezember 2009 unterstützten Mitglieder von „BOYKOTT!“, darunter „Emmanuel Farjoun, Hebräische Universität; Rachel Giora, Universität von Tel Aviv; Anat Matar , Universität Tel Aviv; Kobi Snitz, Technion; und Ilan Pappé, jetzt Exeter“ die US-Kampagne für akademischen Boykott Israels, indem sie eine Stellungnahme zum Ruf nach Boykott israelischer akademischer und kultureller Institutionen (79) herausbrachten.
Im Januar 2010 brachte ICAHD die überarbeitete Stellungnahme heraus mit dem Titel „in Unterstützung einer BDS-Kampagne auf der Basis der fundamentalen Prinzipien des Aufrufs der palästinensischen Zivilgesellschaft“ (80):
* Die israelische Besatzung und Kolonisierung aller arabischen Länder zu beenden und die Mauer abzutragen
die fundamentalen Rechte der arabisch-palästinensischen Bürger von Israel auf volle Gleichberechtigung anzuerkennen;
die Rechte der palästinensischen Flüchtlinge auf Rückkehr in ihre Häuser und ihr Eigentum, wie in der UN-Resolution 194 festgesetzt, zu respektieren, zu schützen und zu fördern
Dann geht es weiter im ICAHD-Bericht mit Details über BDS, die in der ursprünglichen Stellungnahme nicht berücksichtigt sind, wie:
„Boykott israelischer akademischer Institutionen, die ihre Verantwortlichkeit für die akademischen Freiheiten ihrer palästinensischen Gegenüber nicht erfüllt haben. Unser Ruf nach einem akademischen Boykott israelischer Universitäten richtet sich auf Institutionen, die z.B. opponieren gegen die Abhaltung internationaler akademischer Konferenzen in Israel oder Finanzierung gemeinsamer Forschungsaufgaben. Es bedeutet NICHT, einzelne Gelehrte oder Forscher irgendwie zu boykottieren“ (80)
Im gleichen Monat publizierte der Filmemacher und Künstler Udi Aloni einen Artikel in Ynet, in dem er erklärte, warum BDS das richtige Werkzeug ist, um gegen die Besetzung zu arbeiten: „Wir müssen versuchen, die Vorbedingungen zu schaffen, damit gewaltloser Widerstand erscheinen kann und damit gewaltsamer Widerstand unnötig wird.
„Die bisher uns bekannte, wahrscheinlich wirksamste Form von Druck ist BDS. So darf die Aktion von BDS nicht in eine negative, kontraproduktive Aktion ausarten, wie viele Propagandisten sie zu porträtieren versuchen. Im Gegenteil, die Aktion von BDS ist ein lebensrettendes Gegenmittel zu Gewalt. Sie ist eine Aktion der Solidarität, Partnerschaft und von gemeinsamem Fortschritt. Die Aktion von BDS dient in gewaltloser Art gerechtfertigtem gewaltsamem Widerstand vorzugreifen, der darauf ausgerichtet ist, die gleichen Ziele von Gerechtigkeit, Frieden und Gleichheit zu erreichen.“ (81)
Auswirkung: Israel verliert seine Legitimität!
Die BDS-Bewegung gegen Israel wächst weltweit. Die israelische Öffentlichkeit und ihre Politikmacher, einschließlich der Armeeoffiziere, können das nicht länger ignorieren. (82) Israelis sind Zeugen des Verlusts von Legitimität Israels und fangen an, die Kosten der unentwegten Missachtung des internationalen Rechts durch Israel zu kapieren.
Im September 2009 registriert Gabriel Siboni in seinem Artikel „Die dritte Bedrohung“ die Auswirkung der BDS-Bewegung auf Israel: „Während der vergangenen Jahre entwickelt sich jedoch eine zusätzliche Bedrohung. Ihre Hauptrichtung: Versuche pro-arabischer Organisationen „Israels Legitimität als politische Wesenheit zu zerstören“. Dafür gibt es viele Beispiele, wie Anklagen bez. einer Apartheidpolitik, Leugnung des Holocaust und der Anspruch, dass die Gründung des Staates ein illegaler Akt gewesen sei, wie auch die Anklage, dass Israel Kriegsverbrechen begangen habe. Diese führen zum Boykott israelischer Wirtschaftsfaktoren und Produkten, akademischem und kulturellem Boykott und letztlich zu Aufrufen, die zionistische Wesenheit zu zerstören.“ (Heraushebung eingefügt. R.G.) (83)
Im Oktober2009 bezeugt der Haaretz-Korrespondent Aluf Benn:
„Nur eine Sache beunruhigt die Israelis wirklich gemäß den Umfragen: „Angst“ vor einem diplomatischen Embargo und internationaler Boykott. Der Goldstone-Bericht und der Internationale Gerichtshof in Den Haag verursachen Interesse und Betroffenheit, viel mehr als Obamas Friedensreden. „Jedoch, so lange die Beziehungen mit dem Rest der Welt zufrieden stellend sind, sehen Israelis keinen Grund, aus ihrer Gleichgültigkeit aufzutauchen und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zuzuhören“. (Heraushebung eingefügt: R.G.) (84)
Im gleichen Monat zählt der Haaretz-Mainstream-Journalist Ari Shavit in seinem Artikel „Israel braucht Legitimität, um Krieg und Frieden abzuwägen“ Bedrohungen auf für Israels Verlust an Legitimität unter Einschluss der BDS-Bewegung gegen Israel:
„Aber die Dinge sind nicht in Ordnung – wirklich nicht. Warum? Weil unter diesen ruhigen Wassern, auf denen Israels Schiff segelt, lauert ein Eisberg. Der Goldstone-Bericht markierte das erste Auftauchen des Eisbergs. Die Türkei wandte Israel ihren Rücken zu, das war das zweite. Versuche europäischer Gerichtshöfe, isrealische IDF-Offiziere (IDF = Isreal Defense Forces) vor Gericht zu stellen, war das dritte. Der Boykott israelischer Produkte und Firmen an verschiedenen Orten der Welt ist das vierte“. (85)
Im November 2009 gibt der Mainstream-Journalist Sever Plocker zu, dass „Israels Image einen Tiefststand erreicht hat; es ist isoliert, unerwünscht, und als böse wahrgenommen. Die Welt erzählt uns permanent, dass wir, wenn wir den gleichen verachtenswerten Weg weitergehen, unsere Legitimität verlieren werden“. (Heraushebung eingefügt R.G.) (86)
Im gleichen Monat lamentiert der Haarez-Mainstream-Kolumnist Yoel Marcus in seinem Artikel „Wie wir die Nacht wurden unter den Völkern“ über den Verlust an Legitimität durch Israel.
„Israel wird als starkes Land beschrieben, aggressiv und beherrschend, wie Charles de Gaulle einmal gesagt hat. Präsident Shimon Perez wurde kürzlich in Argentinien und Brasilien mit verärgerten Demonstrationen begrüßt. Viele Länder boykottieren israelische Produkte, und israelische Lektoren in Colleges im Westen werden ausgepfiffen. Während der jüngsten Vortragsreise in den Vereinigten Staaten wurde Ehud Olmert fast überall, wo er ging, mit Rufen wie „Kindermörder“ empfangen.
„Seit der ‚Operation Gegossenes Blei’ gehen IDF-Offiziere fast immer mit ihrer Landung auf einem internationalen Flugplatz ein Risiko ein … Es wäre für unsere Regierung vorteilhaft zu diskutieren, wie wir dorthin kamen, wo wir sind – nicht länger ein Licht unter den Völkern – und was es braucht, den „freien Fall in unserem internationalen Image“ zu stoppen, bevor es zu spät ist“. (Hervorhebung eingefügt R.G.) (87)
Noch im gleichen Monat schreibt Yoav Karny in Globes:
„Israel wird nicht weiter existieren, wenn der gebildete Mittelstand im Westen dagegen ist. Die Erfahrung in Südafrika hat alle Boykottierer in der ganzen Welt gelehrt, dass es kein wirksameres Werkzeug gibt um die Vitalität einer Gesellschaft zu schwächen als den Entzug ausländischer Investitionen“. (Hervorhebung eingefügt R.G.) (88)
Im Januar 2010 gibt Gidi Grinstein die Bedrohung durch De-Ligitimierung zu. Er ist der Gründer und Präsident des Reut Instituts, einer Politik-Gruppe, die damit beauftragt ist, die israelische Regierung beim Erarbeiten von langfristigen strategischen Entscheidungen in Echtzeit zu unterstützen. (89)
„Und so werden unsere Politiker und Militärpersonen mit Prozessen und Arrest bedroht, wenn sie ins Ausland reisen, Kampagnen zum Boykott unserer Produkte gewinnen an Beliebtheit, und unsere bloße Existenz in akademischen Institutionen und intellektuellen Zirkeln ist herausgefordert. Das Land ist zunehmend isoliert.“ (90)
Die BDS-Bewegung gegen Israel, die von einer wachsenden Anzahl von Israelis unterstützt wird, hat Biss. Sie bedroht die Stellung Israels in der zivilisierten Welt zu untergraben. Sie hebt einen Spiegel empor, der das hässliche Gesicht von Israel als Unterdrücker zeigt. Früher oder später müssen Israelis vom Mainstream auch akzeptieren, dass das Gesicht im Spiegel das ihre ist. Je früher sie das tun, umso früher werden sie Druck machen zu einer drastischen Kurskorrektur in Partnerschaft mit den Palästinensern, die Gerechtigkeit für alle bringen und das Land auf den Weg zur Wiedererlangung seiner Legitimität setzen wird.
Danksagung
Ich bin allen wirklich dankbar, die mir Kommentare geschickt und mir bei der Abfassung dieses Dokuments geholfen haben. Ich schulde Dank an Reuven Abergel, Mona Baker, Dalit Baum, Ehud Ein-Gil, Jeff Halper, Shir Hever, Ingrid Jaradat Gassner, Reuven Kaminer, Debby Lerman, Rela Mazali, Dorothy Naor, Ofer Neiman, Ilan Pappé, Deb Reich, Jonatan Stanczak, Aliyah Strauss, Gila Svirsky, Mikado Warschawski und Beate Zilversmith.
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