Warnung vor Krieg ist für Linke oberstes Gebot! – Gespräch mit Diether Dehm

Dieter Dehm - Fotograf: Frank Ossenbrink

In den letzten Tagen wurde der Linken immer wieder vorgeworfen, dass sie Diktatoren unterstütze. Einer, dem dieser Vorwurf galt und der ihn sowohl im Bundestag als auch hier entkräftet, ist Diether Dehm. Wir haben mit ihm über die Auswirkungen von Sanktionen und seine Gründe für die Unterzeichnung des Aufrufs gesprochen.

Die Freiheitsliebe: Du hast vor einigen Tagen einen Aufruf unterschrieben, welcher Sanktionen und jegliche Einmischungen gegenüber dem Iran und Syrien ablehnt. Welche Gründe hattest du, diesen Aufruf zu unterschreiben?

Dieter Dehm: Ich habe meine Gründe sowohl gegenüber der Taz als auch in einer persönlichen Erklärung im Bundestag am 19. Januar und darüber hinaus auch in einer Erklärung dargelegt (unter anderem auch auf der Kundgebung mit Kunst am Nachmittag des 15. Januar in der Volksbühne unter großem Beifall verlesen). Auch wir als Unterzeichnende haben ebenfalls eine öffentliche Erklärung dazu gemacht. In erster Linie droht gegen den Iran ein Krieg, der tatsächlich mit Hilfe geheimer Operationen und Dienste von imperialistischen Staaten vorbereitet wird. Auf diese Kriegsvorbereitung muss klar und laut hingewiesen werden. Ein Krieg gegen den Iran ist möglicherweise der erste Atomkrieg in der Menschheitsgeschichte. Davor nicht gewarnt zu haben, wäre mit meinem Gewissen nicht zu vereinbaren.

Die Freiheitsliebe: Sowohl in Syrien als auch im Iran gehen die Regime gegen Kritiker vor. Gibt es Möglichkeiten, die Regimekritiker vor Bestrafungen zu schützen?

Dieter Dehm: Es gibt, und hier zitiere ich Guido Westerwelle mit seinem Plädoyer gegen die Beteiligung am Libyenkrieg „auch wenn einem das Herz bricht“ an manchen Stellen der Welt (wobei ich weiß, wie viele meiner linken Genossinnen und Genossen und wie viele Kommunisten der Tudeh-Partei im Iran im Kerker sitzen oder hingerichtet wurden) manchmal aktuell keine schnelle Lösung. Wir haben weit über 100 Staaten, die mit Fug und Recht des Staatsterrorismus verdächtigt werden können. In jedem Fall ist NATO-Krieg gegen diese weit über 100 Staaten keine Lösung, die eine demokratische Stabilität hinterlassen könnte. Wir können appellieren und wir müssen politisch für diese Regimekritiker handeln. Aber ein Luftkrieg löst das Problem der Regimekritiker nicht.

Die Freiheitsliebe: Der TAZ gegenüber hast du gesagt, dass du sowohl das iranische als auch das syrische Regime ablehnst. Wie stehst du denn zu der Opposition in beiden Ländern (falls man von DER Opposition sprechen kann)?

Diether Dehm: Die Teile der Opposition, die demokratisch sind, haben meine Sympathie und Solidarität, die Islamisten, Taliban und auch die Geheimdienste, die sich unter die Oppositionellen gemischt haben, natürlich in keiner Weise. Hier möchte ich die Zeit zitieren, in der gefragt wird, welches wirklich attraktive Angebot denn Teheran gemacht wurde, um seine krude Politik zu ändern?

Die Freiheitsliebe: Israel und der Iran bedrohen sich gegenseitig und iranische Politiker erkennen Israel nicht an. Ist es nicht verständlich, wenn israelische Politiker sich sorgen um die Sicherheit der Bevölkerung ihres Landes machen?

Diether Dehm: Ich teile die Sorgen der friedensorientierten israelischen Politiker durchweg. Aber diejenigen, die, wie die jetzige Regierung Netanjahu, eine aggressive und imperialistische Politik betreiben, leisten einen Bärendienst an ihrem Volk und für die Existenz Israels, für die ich natürlich in vollem Umfange eintrete.

Die Freiheitsliebe: Der Aufruf stärkt die Befürchtung, es könnte zu einem Krieg gegen den Iran kommen. Denkst du, dass dieser Krieg wahrscheinlich ist und wenn, was kann man unternehmen, um kriegerische Aktionen zu verhindern?

Diether Dehm: Das kann ich nur mit Rosa Luxemburg beantworten: Zuerst muss klar ausgesprochen werden, dass eine solcher Krieg vorbereitet wird, welche Geheimdienste iranische Physiker in den letzten Wochen ermordet haben und zur Destabilisierung beitragen und wer Waffenexporte in die verschiedensten Länder zugelassen und davon profitiert hat. Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst und deswegen muss sie jetzt besonders und klar ausgesprochen werden, auch wenn man selbst blaue Flecken davon trägt.

Die Freiheitsliebe: Der antideutsche Arbeitskreis BAK Shalom fordert alle Politiker auf, ihre Unterschrift zurückzuziehen; welchen Einfluss hat diese Forderung auf die Linke und wie wichtig ist der BAK Shalom für die Linke überhaupt?

Diether Dehm: BAK Shalom hat nur einen intriganten Einfluss und darüber hinaus sind ihre obersten Ansprechpartner die Konzernmedien, die DIE LINKE mit Hass und Feindseligkeit kaputt zu schreiben suchen.

Die Freiheitsliebe: Wir danken für dieses Interview!

Diethers Erklärung „Wider die Schreibtischkrieger“ und die Erklärung der sechs Unterzeichnenden aus der Fraktion DIE LINKE

Keine ähnlichen Artikel gefunden.

flattr this!

  • Claudia

    Krieg ist niemals eine Lösung! Ich kann Herrn Dehm nur zustimmen. Gerade bei den Aufrufen zu einem Krieg gegen den Iran oder eine Einmischung in Syrien, deren Regime ich, das möchte ich betonen, nicht schätze oder unterstützen möchte, stellt sich mir die Frage: Cui bono (wem nützt es)? Wessen Interessen sollen da vertreten werden, wohl kaum die, der unterdrückten Bevölkerung.

    • Frank

      Selbstverständlich ist Krieg manchmal eine Lösung. Siehe der Kampf der internationalen Brigaden gegen Franco, der Einmarsch Vietnams in Kambodscha, der zweite Weltkrieg gegen die Achsenmächte, die antikolonialen Kämpfe. Mit Gebetskreisen kann man nunmal keine Fanatiker bezwingen. Pazifismus ist für Linke lediglich Opium, um sie vom Denken abzuhalten. Lenin schrieb:

      “Die Sozialisten haben die Kriege unter den Völkern stets als eine barbarische und bestialische Sache verurteilt. Aber unsere Stellung zum Krieg ist eine grundsätzlich andere als die der bürgerlichen Pazifisten (der Friedensfreunde und Friedensprediger) und der Anarchisten. Von den ersteren unterscheiden wir uns durch unsere Einsicht in den unabänderlichen Zusammenhang der Kriege mit dem Kampf der Klassen im Innern eines Landes, durch die Erkenntnis der Unmöglichkeit die Kriege abzuschaffen, ohne die Klassen abzuschaffen und den Sozialismus aufzubauen, ferner auch dadurch, daß wir die Berechtigung, Fortschrittlichkeit und Notwendigkeit von Bürgerkriegen voll und ganz anerkennen, d.h. von Kriegen der unterdrückten Klasse gegen die unterdrückende Klasse, der Sklaven gegen die Sklavenhalter, der leibeigenen Bauern gegen die Gutsbesitzer, der Lohnarbeiter gegen die Bourgeoisie. Von den Pazifisten wie von den Anarchisten unterscheiden wir Marxisten uns weiter dadurch, daß wir es für notwendig halten, einen jeden Krieg in seiner Besonderheit historisch (vom Standpunkt des Marxschen dialektischen Materialismus) zu analysieren. Es hat in der Geschichte manche Kriege gegeben, die trotz aller Greuel, Bestialitäten, Leiden und Qualen, die mit jedem Krieg unvermeidlich verknüpft sind, fortschrittlich waren, d.h. der Entwicklung der Menschheit Nutzen brachten, da sie halfen, besonders schädliche und reaktionäre Einrichtungen (z.B. den Absolutismus oder die Leibeigenschaft) und die barbarischsten Despotien Europas (die türkische und die russische) zu untergraben.” Wladimir Iljitsch Lenin in “Sozialismus und Krieg”

      • Padischa Imperator Saddam IV.

        Tolle Argumentation……..einfach Lenin abschreiben und denken, nun haben wir das Problem gelöst !!! Nein, im Krieg sterben als erstes immer die Unschuldigen, darum ist Krieg nie eine Lösung ! Außerdem muß man auch grundsätzlich Haltungen von Politiker vor über 100 Jahren immer im historsichen Kontext, in dem sie lebten betrachten….Einfacher gesagt : es ist nicht alles heute mehr zu gebrauchen, nur weil es mal ein Lenin gesagt hat. Vieles davon war falsch und ist erst Recht heute falsch ! Jetzt geht es darum , einen Krieg zu verhindern, der ein Atomkrieg werden könnte. Das bedeutet, lieber Frank, daß hinterher keiner mehr weiß, ob diese Erde überhaupt noch für Menschen bewohnbar ist ! Lenin-Zitate werden dir da nicht mehr helfen !………

  • Veritas

    iran ist die letzte bastion gegen den usraelischen imperialismus und faschismus und da 30 jahre drohen, boykott und sanktionen die tapferen iraner nicht bezwingen und nicht zu beugsamen lakaien usraels werden ließen, wird man sie nun mit bomben und raketen gefügig machen.
    mögen zionistische städte und us basen und flugzeugträger brennen, wenn sie es ab jeder legitimation, völkerrechtes und verstandes dennoch wagen sollten, erneut ein freies un friedfertiges volk und land zu überfallen, zu terrorisieren und wieder und wieder unzählige unshuhldige zu verstümmeln und zu ermorden.

  • Frank

    @4511e20630cafd32733b763f98854b83:disqus

    Ein Atomkrieg wird es erst, wenn das iranische Regime die Atombombe bekommt. Dann werden Saudiarabien und andere sunnitische Länder sofort ebenfalls einsteigen müssen. Vor Israel haben sie keine Angst.

    Pazifismus ist Opium des Volkes, weil er der Leute ruhighält und die Klassengegensätze negiert. Pazifismus der Proletarier nützt immer nur den herrschenden (teils klerikalen) Bourgeosie. Ob im Iran oder in Syrien.Und Proleten, die nicht in erster Linie z.B. an internationale Brigaden zur Unterstützung der noch kleinen sozialistisch orientierten  Aufständischen denken, machen sich mitschuldig, wenn Islamisten und Monarchisten diese Aufständischen im Vorbeigehen liquidieren.

  • http://twitter.com/hans0163 Hans-Georg Stoll

    Im ausgehenden 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert wurden als Begründungen für Kolonialkriege Ziele wie die “Bekämpfung des Sklavenhandels” oder “Überwindung von Rückständigkeit” den Völkern verkauft.  Letztendlich war es zu Beispiel für Schwarzafrikaner doch Jacke wie Hose ob sie von arabischen  Sklavenhändlern verkauft wurden oder Zwangsarbeit für die weißen Kolonialherren leisten mußten oder ob ihre eigene Kultur von islamischen Fanatikern oder christlich-abendländischen “Kreuzrittern” zerstört wurde.
    Damals wie heute hat das Eingreifen fremder Mächte den Völkern überhaupt nichts positives gebracht. Im Gegenteil,viele heutige Konflikte sind Produkt des vorherigen Wirkens fremder Mächte. Sei es als Kolonialmacht oder im Kalten Krieg als Förderer und Schutzmacht von Diktaturen. Nicht zu vergessen die Wirtschaft der Industrieländer welche die treibende Kraft hinter allem ist.

Facebook
Wahlumfrage

Wie sollte die künftige Parteispitze der LINKEN aussehen?

View Results

Loading ... Loading ...
Creative Common